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Strategien und Wertesystem der Neonazis

1. Juni 2006 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - lokal

Strategien und Wertesystem der Neonazis

Walsrode. Mehr als 160 meist jugendliche Menschen verfolgten einen Vortrag des renommierten Rechtsextremismus-Eperten Falko Schumann im Walsroder Jugendzentrum. Er bot mit Bildern und Tonbeispielen eine Fülle an Informationen über fehlgeschlagene und geglückte Nazi-Versuche zur Gewinnung von Jugendlichen. Zu der Veranstaltung eingeladen hatten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der DGB-Kulturarbeitskreis, die Verdi-Jugend, Jusos, Grüne, eine Antifa-Gruppe und der Bundestagsabgeordnete Herbert Schui.Versammlungsleiter Charly Braun (DGB) informierte über Neues aus der Naziszene zwischen Elbe und Weser. Wenige Tage vor der Veranstaltung waren alle Fenster an der Giebelseite des Jugendzentrums eingeschlagen und vor der Tür geschmiert worden. Viele Indizien wiesen auf ortsbekannte Nazis als Täter hin, meint Braun.Referent Falko Schumann vom antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin ist zumeist in Schulen unterwegs. Das NPD-Konzept der so genannten national befreiten Zonen habe nur unvollständig funktioniert, sagte er. Der geplante Aufbau einer von der jeweiligen lokalen Naziszene bestimmten Lebens- und Wirtschaftsstruktur sei weitgehend misslungen. Allerdings prägten die Rechtsradikalen mancherorts das Leben auf den Straßen und setzten gewalttätig ihren Rassismus durch.Die Rechtsrockwelle der neunziger Jahre konnte sich die NPD erst 2005 zunutze machen, berichtete Schumann. Mit Konzerten, vor Schulen verteilten CDs und Freizeitangeboten habe sie erheblich an Einfluss gewonnen. Im Gegensatz zu früheren Jahren gebe es heute kaum eine Musikrichtung, die bei den Nazis nicht vorkomme. Beim NPD-Pressefest seien Volkstanz, folkloristischen Barden und Hatecore neben NS-Black Metal und alkoholisiertem Skingegröhle zu hören gewesen. Und bei Aufmärschen seien nicht ausschließlich Skinheads zu sehen, sondern alle gängigen Bekleidungen und Haartrachten zu finden.Verändert hat sich auch das traditionelle Frauenbild der Nazis, berichtete der Experte: weg von der rein mütterlichen Frau, hin zum heutigen durchschnittlichen Schönheitsideal. Das sei eine Reaktion auf den Mangel an Frauen in Nazikreisen. Erklärtes Ziel der Partei ist es laut Schumann inzwischen, erst einmal Massen zusammenzubringen und sie anschließend politisch umzuerziehen. Die NPD finanziere sich überwiegend durch den Verkauf ihrer (nicht nur musikalischen) Propagandaartikel.
Während Nazis mit Beteiligung an Umweltreinigung wie der in Schneverdingen einerseits auf gesellschaftliche Akzeptanz hofften, setze sich in der Szene andererseits ein heidnisches Wertesystem durch, erklärte Schumann: Alle, die sich nicht selbst helfen können und auf Almosen angewiesen sind, müssten vernichtet werden. Die Kirchen würden wegen ihrer „Mitleidsarbeit“ als Erzfeind angesehen. Das habe in Skandinavien bereits zu brennenden Gotteshäusern geführt.
Die germanisch-heidnische Argumentationsstruktur mit dem Überlebensrecht des Stärkeren und der daraus folgenden Ablehnung von Christen- und Judentum sei übrigens auch die zentrale Ideologie der Artgemeinschaft Jürgen Riegers vom Nazizentrum Heisenhof bei Dörverden sowie des „Ludendorffer Bundes für Gotterkenntnis“, informierte der Referent. Die Ludendorffer veranstalteten regelmäßig größere Treffen in Dorfmark.
Quelle: Rotenburger Rundschau

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