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Das Bremer-Land von Rechts bis Rechtsextrem

13. Juni 2006 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

1. Allgemeine Entwicklung des NS-Spektrums
Wie in der ganzen BRD hat sich auch in Bremen und dem Umland die rechte Szene in den letzten Jahren vergrößert und tritt zunehmend offensiver auf.

Nach den Verboten von z.B. der FAP ("Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei"), der NF ("Nationalistische Front"), der DA ("Deutsche Alternative") oder der "Wiking-Jugend" Anfang der Neunziger orientierten sich viele Mitglieder und Kader der verbotenen Organisationen und Parteien in die Richtung der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Diese hatte durch ihren damaligen Vorsitzenden Günther Deckert die Türen für Neonazis und FaschistInnen aus dem extremistischen und militanten Spektrum geöffnet und mit NS-Positionen die Attraktivität der Partei für diesen Personenkreis gesteigert.

Unter dem nächsten Vorsitzenden Udo Voigt wurde dieses Konzept weiter ausgebaut. Aus einer überalteten Wahlpartei entwickelte sich die NPD zu einer "Kampf- und Kaderpartei" für das gesamte Nazispektrum. Die Jugendorganisation JN (Junge Nationaldemokraten) arbeitete parallel mit an diesem Konzept, wobei ihr Hauptaugenmerk darauf lag, neue Kader auszubilden und ihre Mitglieder auf den "Kampf" vorzubereiten.
Weiterhin wurde versucht, nicht eingebundene örtliche Kameradschaften und Kleinstgruppen in die Arbeit einzubinden, auch ohne feste JN- oder NPD- Parteimitgliedschaft.

Zeitgleich entwickelte sich auch die Struktur der "Freien Kameradschaften" bzw. der "Freien Nationalisten". Diese Struktur will unabhängig von Parteien als revolutionäre Speerspitze des militanten Faschismus gesehen werden. Mit eigenen Strukturen, Medien, Treffen, Konzerten und Aufmärschen können sie für ihre Anhängerschaft attraktiver und radikaler agieren als die NPD.

Bundesweit wirken diese Kräfte zersplittert, bei näherer Betrachtung gibt es aber ein regelrechtes Netzwerk mit Verbindungen und Vernetzungen in alle Richtungen. Hier wie in anderen Teilen der BRD werden die alten Strukturen und Organisationsmodelle der GdNF ("Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front") Michael Kühnens bzw. der illegalen NSDAP fortgeführt. Im Norden (Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) haben sich Kameradschaften im "Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Norddeutschland" (NSAB) zusammengeschlossen.

Von Anfang an gab es zwischen den Führungszirkeln der NPD/JN und denen der "Freien Kräfte" erhebliche Auseinandersetzungen über die Führungsrolle innerhalb des Neonazispektrums. Im Norden werden die Aktivitäten eindeutig von den "Freien" dominiert - die NPD/JN wird allenfalls als Hilfsmittel und Plattform benutzt.

Trotzdem haben die Rechten kein Interesse daran, sich gegenseitig das Leben allzu schwer zu machen. Vielmehr koordinieren sie ihre Aktionen gemeinsam, unterstützen die Aktionen der anderen und sind gut untereinander vernetzt.

2. Die Bremer Nazi-Szene nach der Verbotswelle Anfang der Neunziger
In Bremen gab es bis zu den Verboten Anfang der Neunziger mehrere z.T. schon lange existierende Gruppen und Kreise (FAP, NF, DA). Deren Reste gründeten 1996 dann aus einer der GdNF nahestehenden Freien Kameradschaft um Markus Privenau, sowie ehemaligen NF- und DA-Mitgliedern und Nachwuchsnazis den JN-Landesverband-Bremen.

Nach parteiinternen Querelen auf Bundesebene (der Bremer Privenau wurde als Herausgeber des JN-Bundesorgans "Einheit und Kampf" wegen NS-Kurses abgesetzt) kam es Ende 1997 zur Auflösung des Landesverbandes und zur Gründung der "Kameradschaft Bremen" bzw. den "Freien Nationalisten Bremen". Diese sind nach wie vor eine der bedeutendsten Gruppierungen im Bremer Raum. Die Bremer Kerngruppe besteht aus ungefähr 5-10 Nazis (Andreas Hackmann, Christian Hamer, Simon Lahusen, Hans-Joachim Varnhorn, Alexander Backes, Axel Gemp u.a.).

Desweiteren existieren in Bremen und dem Umland viele Kameradschaften und Gruppen. Dazu gehören z.B. die "Kameradschaft Bremen-Nord/Schwanewede", der "Kameradschaftsbund Bremerhaven", die "Snevern Jungs" aus Schneverdingen, der "Rotenburger Widerstand", die "Freien Nationalisten Achim", die "Kameradschaft Weyhe", die "Kameradschaft Wildeshausen", die Bremer Kameradschaften "Hanseatic", "Wesersturm" und "Wiking", sowie kleinere meist namenlose Zusammenschlüsse.

Unter diesem gesamten Netzwerk gibt es Austausch und Koordinierung. Zum Teil sind die Aktivisten auch NPD/JN-Mitglieder und unterstützen die dortige legale Propagandaarbeit (z.B. Infotische und -Veranstaltungen, Flugblatt- und Plakatieraktionen). Ansonsten werden in verschiedenen bzw. wechselnden Zusammenschlüssen Aufmärsche, Konzerte, Veranstaltungen und Schulungen im gesamten norddeutschen Raum durchgeführt.

3. Die NPD/JN in Bremen und Umzu
Die NPD Bremen war nach Wahlerfolgen in den 60er Jahren (bis zu 6 Bürgerschaftsabgeordnete) gemäß dem bundesweiten Trend bis in die frühen 90er Jahre immer weiter in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Der Landesverband Bremen/Bremerhaven zählte zeitweise um die 30 Mitglieder, von denen ein Großteil passiv und überaltert war.

Mittlerweile wurde er durch ehemalige AktivistInnen aus verbotenen Organisationen und jungen Nazis übernommen, dabei arbeiten sie eng mit den NPD/JN-Gruppen und "Stützpunkten" im Bremer Umland zusammen.

Nach mehreren Jahren minimaler Rumkrebserei scheint die Bremer NPD langsam wieder in die Pötte zu kommen, die Mitgliederzahlen steigen, mehrere ehemalige Kader sind wieder eingetreten, örtliche Kameradschaften lassen sich in Parteiaktivitäten einbinden und eine JN-Gruppe ist neu gegründet worden. Angeführt wird der Landesverband von Horst Görmann und seinem Stellvertreter Sven Buttgereit (beide aus Bremerhaven), der Kreisverband Bremen-Stadt wird von Jörg Wrieden und seinem Stellvertreter Lutz Henze (beide Bremen-Nord) angeleitet. Im Bremer Umland ist besonders der NPD-Kreisbereich Verden aktiv. Auch in anderen Landkreisen gibt es zunehmende Aktivitäten der NPD und JN, die oft eng mit örtlichen Nazicliquen und Kameradschaften zusammenarbeiten.

Insgesamt hat sich im Bremer Raum eine recht aktive NPD/JN-Szene entwickelt, die auch auf vielen überregionalen Aktionen und Aufmärschen zu finden ist. Wie in ganz Niedersachsen versucht die NPD/JN nach dem gescheiterten Verbotsverfahren 2003 wieder in die Offensive zu kommen, neue - vor allem junge - Mitglieder zu gewinnen, Strukturen zu reaktivieren und vermehrt öffentlich aufzutreten. Damit verbunden ist ein Anstieg von Gewalttaten gegen politisch Andersdenkende und Nicht-Deutsche (aktuelles Beispiel dafür: die Region Verden/Rotenburg).

Bremerhavener NPDler in Stade
[1] Bremerhavener NPDler auf dem Nazi-Aufmarsch am 25.03.2006 in Stade (vorne links: Horst Görmann, vorne rechts: Sven Buttgereit).

Jörg Wrieden Lutz Henze
[2] Jörg Wrieden
(Bremen-Nord)
[3] Lutz Henze
(Bremen-Nord)

4. "Anti-Antifa"
Ein weiterer Schwerpunkt von Aktivitäten ist die sogenannte "Anti-Antifa-Arbeit", die vom gesamten Nazispektrum getragen wird. Zentrale Figur dieser Arbeit ist im Bremer Raum der Bremer  Andreas "Hacki" Hackmann, dieser wird oft bei seinen Schnüffeleien von Simon Lahusen, Marc Gaitzsch, Nils Budig und anderen jüngeren Nazis begleitet. Die gesammelten Informationen über Linke und AntifaschistInnen wurden und werden für Anschläge und Übergriffe genutzt.

Andreas Hackmann
[4] Andreas Hackmann (Bremen)

5. Nazizentren
In der Bremer Region gibt es mehrere nennenswerte Nazizentren.

Das wohl bekannteste ist der "Heisenhof" bei Dörverden (südlich von Verden), 2004 vom Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger als riesiges ehemaliges Bundeswehrareal mit mehreren Gebäuden gekauft. Die auf dem Gelände wohnenden örtlichen JN/NPD-Mitglieder nutzen die Örtlichkeiten für Treffen, Schulungen, Wehrsportaktivitäten etc. Außerdem werden in den Garagen NPD-Materialien und Riegers Wehrmachtsfahrzeugssammlung untergebracht. Eine großangelegte, permanente Nutzung wie in Riegers ehemaligem Zentrum in Hetendorf ist zwar angestrebt, aber derzeit nicht durchsetzbar. Trotzdem ist es ein nicht unwichtiger struktureller Stützpunkt.

Der Heisenhof
[5] Der Heisenhof in Dörverden

Eine weitere NPD-Lokalität, die sogenannte "NPD-Scheune", befindet sich in Bargstedt bei Stade. Hier unterhält der NPD-Funktionär Adolf Dammann ein kleines Schulungszentrum, das oft und regelmäßig genutzt wird.

NPD-Scheune
[6] Die "NPD-Scheune" in Barghausen

Daneben wäre noch der "Auehof" bei Kirchdorf (südlich von Sulingen) zu nennen. Dieser große Hof wurde vom "Auehof-Verein" gekauft. Die Mitglieder des Vereins, die auch auf dem Areal leben, bezeichnen sich, bzw. den Hof als "Heimstätte der Kultur- und Brauchtumspflege". Sie betreiben auf dem Gelände eine Schmiede und fröhnen dem "Germanen-Kult". Bei Sonnenwendfeiern und ähnlichen Anlässen treffen sich dort Alt- und Neonazis.

6. Nazi-Rock und Boneheads
In Bremen gibt es seit Mitte der 80er eine Naziskinszene. Diese ist einerseits Rekrutierungsfeld für organisierte Partei-Nazis, andererseits gibt es aber auch Abgrenzung gegenüber diesen. Von den inhaltlichen Kernaussagen her geben sie sich letztlich alle nichts. Die Nazirockszene ist im Endeffekt ein Vorfeld bzw. musikalisches Beiwerk für eine mit vielen Schattierungen existierende NS-Bewegung.

Während um 2001/2002 noch mehrere "erfolgreiche" Konzerte im Bremer Raum mit z.T. vielen hunderten TeilnehmerInnen gegeben hatte, sind in den letzten Jahren die meisten Versuche durch Unfähigkeit, Polizei oder Antifa vereitelt worden. Diese Events wurden sowohl von den  Hammerskins als auch von der im Jahr 2000 verbotenen Blood&Honour-Struktur organisiert, auch die NPD/JN versuchte mehrmals Konzerte bzw Liederabende zu organisieren.

Bremer Nazis sind nicht unerheblich an der Produktion und dem Vertrieb von "Rechts-Rock" beteiligt, z.B. spielen viele Bands ihre CDs im "Art Of Sounds"-Studio in Schwarme ein. Auch an dem bundesweiten Vertrieb der "Schulhof-CD" waren Bremer beteiligt, bei dem  Hammerskin Marc Gaitzsch wurden mehrere hundert Exemplare beschlagnahmt.

Wohl der älteste und bedeutendste Kern der Bremer Naziskinszene ist die  "Hammerskin-Sektion Bremen" mit ca. 10-15 Mitgliedern. Gebildet hatte sie sich um die Band "Endstufe" und dem ehemaligen "Hanse-Records"-Plattenlabel und -Versand (betrieben von Jens Brandt, Sänger von "Endstufe"). Als Vorzeigeband des Bremer Hammerskin-Spektrums galt in den letzten Jahren "Endlöser" (früher "Schlachtruf"). Die Ausrichtung war derb NS-orientiert, Mitglieder der Band beteiligten sich an Aufmärschen und Übergriffen. 2005 scheint sich die Band aufgelöst zu haben, einige ehemalige Mitglieder spielen jetzt bei den reaktivierten "Endstufe".

Endstufe
[7] Endstufe, von links nach rechts:
Mattias "Matze" Kozma (Bass),
Jens Brandt ("Brandy", Gesang),
Marc Siemering ("Kuchen", Gitarre) aus Bremen und
Carsten Löhmann ("Löh", Schlagzeug) aus Syke.

Endlöser-Cover
[8] CD-Booklet von "Endlöser"

Desweiteren gab es im Bremer Raum auch eine Gruppe der weltweiten "Blood&Honour"-Organisation. Diese wurde im Jahre 2000 verboten, viele ihrer Aktivisten sind nach wie vor im Rechtsrock-Geschäft aktiv, so auch der Bremer Anführer Henrik "Ossi" Ostendorf.

Ferner gibt es in der Region noch weitere Bands und Projekte, deren Kontinuität und Produktivität recht unterschiedlich ist: "Hetzjagd" - eine Band aus der  Bremer Hammerskin-Sektion, "Aussetzer" - eine Blood&Honour-nahe Band aus Achim, "Patriotic Bois", "Boots Brothers" aus Delmenhorst, "Weserstolz" aus Bremen-Nord sowie ein Gemeinschaftsprojekt von "Endstufe" und "Kategorie C - Die Band" namens "Adrenalin".
Seit 2 Jahren gibt es außerdem noch einen Versand namens "Heimdall-Shop" der von dem Bremen-Norder NPD-Aktivisten Lutz Henze (s.o.) betrieben wird, dort gibt es neben den üblichen Rechtsrock-CDs Nazi-Mist in den verschiedensten Ausführungen zu bestellen.

7. Nazi-Hooligans
Ein weiteres nicht uninteressantes Thema ist der Bereich Nazi-Hooligans. Auch bei den Spielen von Werder Bremen trifft sich eine Menge bekannter Nazis aller Coleur aus dem gesamten Bremer Raum. Innerhalb der Fanszene sind auch vereinzelt aktive Nazis zu finden, die dort zwar Leute ansprechen können und auch tun, aber nicht dominierend sind. Desweiteren gibt es in der Hoolszene eindeutig rechts orientierte Kreise mit teilweise nicht unerheblichem Einfluss (z.B. "Standarte Bremen", "City Warriors", "Bad Boys").

Mehrere führende Hooligans (Henrik Ostendorf, Andre Sagemann) lassen sich zwar eindeutig als Nazis bezeichnen, trotzdem ist die Hool-Szene insgesamt nicht faschistisch orientiert. Ein nicht geringer Teil des Bremer Nazi-Nachwuchses kommt allerdings aus der Fan-Szene.
Bremer Nazi-Hooligans beteiligen sich immer öfter an politisch eindeutigen Aktionen, wie z.B. die Teilnahme an Aufmärschen und Veranstaltungen. Schwerpunktmäßig versuchen sie dabei vermeintliche AntifaschistInnen und Linke anzugreifen, eingewiesen werden sie meist vom Anti-Antifa-"Experten" Andreas Hackmann (s.o.).

Nazi-Hools
[9] Bremer Nazi-Hools auf dem Nazi-Aufmarsch in Hamburg im Juli 2005 (v.l.n.r.): Henrik Ostendorf, Andre Sagemann und Rene "Lucky" Willamowski ("City Warriors"-Shirt).

Die Politisierung und Polarisierung ist mit Sicherheit auch auf die Aktivitäten der mittlerweile aufgelösten Band "Kategorie C" zurückzuführen. "KC" war eine äußerlich unpolitische Band aus dem Bremer Raum, sie galten als DIE Hooligan-Band. Ihre Mitglieder waren in diversen Nazibands (Endstufe, Patriotic Bois, Nahkampf) aktiv, und unterhielten enge Kontakte zum Blood&Honour-Netzwerk. Der ehemalige Sänger Hannes Ostendorf singt jetzt bei "Hungrige Wölfe" einem Projekt von Mitgliedern mehrerer Nazisbands, u.a. "Tollshock".

Hannes Ostendorf
[10] Hannes Ostendorf mit "Standarte"-Emblem auf dem Shirt.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Kontakte und Verknüpfungen von Hools, Naziskins, Rockern, Security und der "Organisierten Kriminalität". Offenbar gibt es intensive Schnittpunkte zwischen diesen Szenen.
Diese betreffen z.B. "geschäftliche" Aktivitäten wie das Türsteher/Security-Geschäft, Drogen- und Waffenhandel, Prostitution und bei einigen mit Sicherheit auch weltanschauliche Punkte. So haben fast alle "KC"-Konzerte im Bremer Raum in Rockerclubs stattgefunden (z.B. im "Blazes"-Vereinsheim in Brinkum und im "Gremium"-Vereinsheim in Bremerhaven). In der Security-Branche bzw. Türsteher-Szene arbeiten mehrere bekannte Nazis bzw. Nazihools (z.B. Andre Sagemann, s.o.) eng mit den "Hells Angels" und deren Nachwuchsclub "Red Devils" zusammen.
In von Nazi-Türstehern und befreundeten Rockern kontrollierten Gebieten, Discos und Veranstaltungen, wie z.T. in der Bahnhofsvorstadt oder im "Aladin/Tivoli", fühlen sich Nazis anscheinend sicher und wohl.

Neben den Jobs, die die Nazis als Türsteher, Security usw. ausüben können spielen natürlich auch die Kontakte selber eine große Rolle, so kann die Infrastruktur für ihre "Sache" genutzt werden, beispielsweise die Nutzung der Räume für ihre Veranstaltungen. Aber auch bei der Beschaffung von Waffen etc. könnten diese Kontakte hilfreich sein.

8. Deutsche Volksunion, Republikaner und ähnlicher rechter Parteidreck
Seit 1987 gelingt der DVU alle 4 Jahre wieder durch einen millionenschweren, massiven Propagandawahlkampf der Einzug in die Bremer Bürgerschaft. Zwischen 1991 und 1995 konnten sie sogar noch einen draufsetzen und 5 Leute ins Stadtparlament befördern. Es gab damals bis zu 500 Mitglieder im Landesverband. Seit der Bürgerschaftswahl 2003 sitzt noch ein DVUler (Siegfried Tittmann aus Bremerhaven) in der Bürgerschaft (immer noch einer zu viel!), außerdem sitzen mehrere von ihnen in den Bremer Stadtteilbeiräten. Die Aktivitäten des Landesverbandes beschränken sich aber im wesentlichen auf monatliche Stammtische und gelegentliche Busfahrten zu Vorträgen ihres Bundesvorsängers Dr. Gerhard Frey. Die Kernbelegschaft der DVU besteht aus ca. 15 meist alten Nazis, die sich zum Großteil auch aus anderen Gruppen und Verbänden kennen. Sie sind also nach wie vor das Sammelbecken für die ältere Generation. Führende Aktivisten sind Siegfried Tittmann (Bremerhaven), Elfriede Budina und Hans Weidenbach (alle Bremen). Seit 2005 beteiligt sich die Bremer DVU an dem von der NPD angeleierten "Volksfront"-Bündnis, welches eine Zusammenarbeit des gesamten rechtsradikalen Spektrums anstrebt. Offiziell sind die Bremer REPs (Republikaner) nicht an diesem Bündnis beteiligt, wohl aber einzelne Mitglieder. Innerparteilich hat, auch in Bremen, die Frage der Zusammenarbeit die REPs zerspalten, einige Mitglieder sind zur NPD übergetreten.

In den letzten Jahren war von dem Bremer Landesverband sowieso kaum noch was zu hören. Die Aktivitäten der REP in Bremen haben Mitte der 80er Jahre begonnen und sind von einer recht häufig wechselnden Belegschaft geprägt, der Kern ist nach wie vor sehr klein und der Landesverband zählt um die 15 Mitglieder. Seit der Bürgerschaftswahl im Mai 2003 sitzt der Landesvorsitzende Peter Pricelius im Stadtteilbeirat Walle.
Die Landesverbände der "Schill-Partei" ("Partei Rechtsstaatlicher Offensive") und des sogenannten "Aufrechten Gang" haben sich mittlerweile aufgelöst, einige ihrer Mitglieder haben sich der NPD, der DVU oder den REPs angeschlossen.

Siegfried Tittmann Elfriede Budina Peter Pricelius
[11] Siegfried "Siggi"
Tittmann
(Bremerhaven)
[12] Elfriede Budina
(Bremen)
[13] Peter Pricelius
(Bremen)

9. Rechte Reste
Weiterhin erwähnenswert sind folgende Gruppen, Organisationen und Verbände im Bremer Raum, die sehr klein sind und stark an Überalterung leiden und bei denen sich viele Mitgliedschaften überschneiden:

"FREIER BREMER BÜRGERKREIS" (FBB)
ist ein aus ca. 10-20 alten Nazis bestehender, überparteilicher Hintergrundkreis, der zum einen jüngere Nazis mit Geld und struktureller Hilfe unterstützt und zum anderen innerhalb der älteren Generation Geld sammelt, überregionale Kontakte pflegt und versucht, z.B. mit Veranstaltungen und Vorträgen das gesamte Spektrum ideologisch zu bilden.
Von der idiotischen inhaltlichen Ausrichtung her sind sie das Pendant zu dem eher jüngerem NS-Spektrum um "Freie Nationalisten" u.Ä. herum.

"GEMEINSCHAFT DEUTSCHER OSTEN" (GDO)
eine kleine Ortsgruppe einer bundesweiten Organisation aus dem rechtsradikalen Rand des Vertriebenenspektrums. Bis auf seltene kleinere Vorträge gab es scheinbar hier keine Aktivitäten. Die Geschäftsstelle der GDO ist bei der Familie Stolle in Nienburg zu finden.

"BUND FÜR GOTTERKENNTNIS / LUDENDORFFER"
sind eine ca. 20 Altnazis umfassende, stark deutsch-völkisch orientierte Vereinigung, deren Ursprung auf eine in den 20er bis 40er Jahren existierende Religions- bzw. Weltanschauungsgemeinschaft zurückgeht. Dementsprechend sind ihre Mitglieder überwiegend alt bis scheintot, sollten aber trotzdem erwähnt werden. Aus ihrem Umfeld geht auch der "Faksimile-Verlag" samt Druckerei und Antiquariat von Wieland Körner (ehemals Soyka) hervor, der extrem antisemitischen Schund und alte Nazischinken vertreibt.
Ähnlich verhält es sich mit den "UNITARIERN" und deren beiden Organisationen "BUND DEUTSCHER UNITARIER" (BDU) bzw. "DEUTSCHE UNITARIER RELIGIONSGEMEINSCHAFT" (DUR). Auch das ist eine nationalistisch ausgeprägte, sektenähnliche Glaubensrichtung, die auch stark an Überalterung leidet und kaum noch Aktivitäten vorweisen kann. Der BDU hat in der Humboldtstr. in Bremen ein Vereinsheim in dem früher u.a. Vorträge aus dem Nazispektrum stattfanden.

"EVANGELISCHE NOTGEMEINSCHAFT IN DEUTSCHLAND" (ENID)
eine Vereinigung rechts-konservativer AnhängerInnen der evangelischen Kirche mit den üblichen Inhalten (Überfremdung, Familie, Abtreibung, wertkonservativ bis stockreaktionär). Regelmäßige Veranstaltungen werden in den Dom- und Martini-Gemeinden durchgeführt. Die bereits durch entsprechende Reden und Taten aufgefallene stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Elisabeth Motschmann ist die Ehefrau einer der Motschmann-Brüder, die führend in der ENID aktiv sind.

Der "VEREIN FÜR DAS DEUTSCHTUM IM AUSLAND" (VDA) ist als Landesverband auch in Bremen ansässig. Die, die sich für Vertriebene und ihre Nachfahren halten, organisieren sich in mehreren Landsmannschaften (Pommern, Schlesiern, Ostpreußen und Sudeten) und ihrem Dachverband "BUND DER VERTRIEBENEN". Diese Verbände sind so alt wie die Geschichten die sie erzählen, ihre Aktivitäten umfassen Traditionspflege ("Königsberger Klopse") sowie politische und kulturelle Veranstaltungen zur Vertriebenenthematik, einerseits. Andererseits reichen ihre Kontakte bis in höchste Regierungskreise und ihr Einfluss auf die deutsche Ostpolitik ist nicht zu unterschätzen.

10. Resümee
Wie aus dem Text ersichtlich wird, gibt es auch in der Bremer Region ein Problem mit Nazis und rechtsextremen Gruppen. Im Laufe der vergangenen Jahre haben sie ihre Strukturen modernisiert, ein Netzwerk aufgebaut und sind in der Lage neue "KameradInnen" anzusprechen und einzubinden. Mit der Schaffung einer "Erlebniswelt: Neonazi" haben es die besagten Kräfte geschafft, für junge Menschen attraktiv und ansprechend zu wirken. Sie haben mehrere Aufmärsche durchgeführt, antifaschistische Veranstaltungen und Bündnisse "gestört" oder durch militante Aktionen und gewalttätige Übergriffe ihre Ansichten demonstriert. Diese und andere Aktivitäten führen letztendlich zur weiteren Festigung und zum Ausbau der Bewegung. Um junge Rechte in die Strukturen mit einzubinden, sind gerade Aktionen, Demonstrationen und kulturelle Veranstaltungen von enormer Bedeutung. Das wissen auch die Kader in Bremen und Niedersachsen.

Dementsprechend ist es natürlich gelogen, wenn Polizei, Verfassungsschutz und PolitikerInnen davon reden, in unserer Region gäbe es kein Nazi-Problem. Ein Problem mit FaschistInnen beginnt nicht erst dann, wenn Flüchtlingsunterkünfte in Flammen stehen oder Menschen zu Tode gehetzt werden. Ein Problem mit rechten und rechtextremistischen Kräften und Personen beginnt da, wo sie in die Öffentlichkeit drängen und sich Gehör verschaffen.

Alle müssen sich darüber bewusst sein, dass die militanten Neonazis und Rechtsradikalinskis keine Protestbewegung des "demokratischen rechten Randes" sind, sondern das Ziel verfolgen, ein neues nationalsozialistisches Reich zu errichten - mit allen seinen Konsequenzen.
Als militante Speerspitze fungierend, die ihre menschenverachtende Ideologie mit den herrschenden gesellschaftlichen Werten (Rassismus, Hierachien, Obrigkeits- und Sicherheitsfanatismus usw.) gepaart hat, agieren Neonazis parallel zur reaktionären Entwicklung in diesem Land. Hierbei ergänzen und unterstützen sich eine Vielzahl rechtsextremistischer, rechter und rechtskonservativer Kreise, die alle im selben Pool sitzen und sich die Bälle mal offen, mal verdeckt zuspielen.

Aber auch die Gesellschaft als Ganzes trägt ihren Teil dazu bei, wenn es Rechten jeglicher Couleur gelingt ihre "Politik" salonfähig zu machen. Wenn die Forderungen rechtsextremer Parteien plötzlich von den sogenannten "etablierten Parteien" übernommen werden, dann ist eine gesellschaftliche Mitschuld nicht zu leugnen.

Deshalb haben wir in diesem Text auch das ganze Spektrum an rechten Gruppen, Organisationen und Parteien aufgeführt, die für den Bremer Raum relevant sind. Im Einzelnen und in der Gesamtheit ihrer Existenz besteht eine Gefahr, die nicht unterschätzt oder nicht ignoriert werden darf. Die Aktivitäten dieses Spektrums müssen immer wieder öffentlich gemacht werden, die Nazis in ihrer Arbeit immer wieder gestört und angegriffen werden, damit ihr Wirkungskreis möglichst gering bleibt.

Dazu ist es wichtig zu wissen mit wem wir es zu tun haben und wie wir dagegen wirken können.
Nur eine breite und starke antifaschistische Bewegung kann Faschismus und FaschistInnen klein halten. Sich bei diesem Kampf auf den Staat und seine Büttel zu verlassen würde heißen, aus der deutschen Geschichte nichts gelernt zu haben.

Wir dürfen, können und wollen nicht warten, bis vielleicht die Politik oder irgendwelche Bullen die gefährliche Entwicklung rechtsextremer Strukturen erkennen und "offiziell" bestätigen oder ein rechter Anschlag die Öffentlichkeit aufschreckt und Presse und Politik das Problem nicht mehr unter den Teppich kehren können. Wie in der ganzen BRD sind die FaschistInnen auch in Bremen aktiv! Berichten wir darüber, organisieren Aktionen gegen sie und ihresgleichen und treten ihnen in ihre braunen Ärsche!

bremen.antifa.net, Juni 2006

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