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Warum GewerkschafterInnen Faschismus ablehnen:

18. November 2006 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #DGB-SFA - DGB-Kulturarbeitskreis SFA

Warum GewerkschafterInnen Faschismus ablehnen:

 

Die ArbeiterInnenbewegung, die Gewerkschaften gehörten zu den ersten, die von den Nazis 1933 verboten, verfolgt, ermordet wurden. Aus gutem Grund:           Wer für eine soziale und solidarische Gesellschaft streitet, gerät nach wie vor mit den Mächtigen in Konflikt und in Widerspruch zum Faschismus.

 

Wie kommt es, dass in diesem Exportweltmeisterland mit demokratisch-repräsentativem Staat, die Nazis einen solchen Aufschwung haben und es Landstriche gibt, die sie als sog. "national befreite Zonen" beherrschen ?              Es wird häufig behauptet, daran sei die Arbeitslosigkeit schuld - und so schiebt man schnell den Arbeitslosen den braunen Peter zu.

 

Natürlich soll die braune Ideologie den sozial Nieder-gedrückten benennen, wer die Sündenböcke für die unsoziale Entwicklung sind. Da bietet es sich geradezu an, in anders Aussehenden, anders Sprechenden als sog. Sozialschmarotzer die Schuld zu geben. Es sind aber nicht Mustafa Özdemir oder Sera Milisavljevic, die Tausende entlassen und das sozialstaatliche Netz zerreissen.

Es sind Wirtschaftsführer wie Hundt und Ackermann sowie ihre politischen Klein- und Großknechte, denen soziale Sicherung, Toleranz und Solidarität gegenüber Armen, Kranken, Alten, Behinderten u.a. totale Fremdworte sind. Ihr Handeln wird vom Profitstreben bestimmt und bestenfalls noch vom Vorbeugen gegen Proteste, Streik und Rebellion. Die Politik der Senkung von Vermögenssteuern einerseits und andererseits Verarmung und Kontrolle für HARTZ4-Abhängige, teilt diese Gesellschaft in Superreiche und sog. Unterschicht, in Nützliche und Überflüssige. Der von Konzernherren geforderte, schleichende Abbau der Sozialversicherungsbeiträge und die Privatisierung der Kosten bei Sozialem, Gesundheit, Bildung u.a., dient einzig den Profitinteressen der Großen und Mächtigen. Gibt es einen speziellen Arbeitskräfte-Bedarf, gibt es auch mal vorübergehend Greencards für indische PC-Experten.

Für andere Menschen werden die Schotten mit Stacheldraht z.B. am Mittelmeer gegen Hungernde und vor Verfolgung und Folter Fliehende, dicht gemacht. Wer es dennoch schafft in dieses heimliche Reich, dieses reiche Deutschland zu kommen, denen wird das Leben möglichst unbequem und oft genug verdammt unmenschlich gemacht.

 

Es sind oft die gleichen Menschen, die hier und heute sozial ausgegrenzt werden und obendrein Zielscheibe faschistischer Anschläge sind. Es trifft jene die z.B. als Behinderte oder Obdachlose nicht oder nicht ausreichend leistungsfähig sind oder nicht für die Wirtschaft gebraucht werden. Es sind Menschen die als, uns angeblich "ausnützende Ausländer" von Regierenden diffamiert werden und deren soziale Rechte weiter und weiter zerdrückt werden. Die Nazis fühlen sich ermutigt, sich zu grausamen Vollstreckern eines vermeintlichen gesellschaftlichen Konsens über Verwertbarkeit aufzuspielen. In Konzentrationslagern sortierten die Nazis gleich an der Rampe die Menschen für Gaskammer oder Vernichtung durch Arbeit. Die Neonazis trainieren bereits dafür an vielen Einzelnen.

 

Die Zahl faschistischer Gewalttaten hat allein nach staatlichen Angaben in Deutschland deutlich zugenommen. Gewalt ist es nicht allein, woran Nazis zu erkennen sind. Es ist ihre verbrecherische Ideologie der Hierarchisierung und Sortierung der Menschen nach wertvollen, nutzbaren und wertlosen Menschen. Wer einzig nach den äußerlich sichtbaren aktuellen Anschlägen der Nazis Ausschau hält, übersieht was sich hinter deren scheinbarem sozialem und allgemein anerkanntem Tun verbirgt.

Viele Beispiele aus der Umgebung belegen den Einfluß der Nazis und zugleich den antifaschistischen Widerstand. Was wir brauchen, sind z.B. Möglichkeiten und Zentren für selbstbestimmte antifaschistische Kultur, Bildung und Freizeit - sind kommunale Programme für existenzsichernde Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

 

Das Beste, was wir an antifaschistischer Erziehung für unsere Kinder tun können, ist, selbst vorbildlich im Handeln zu sein. Vorbildlich im Handeln:  Wie es jene tun, die in Hoya von Abschiebung Bedrohte mit Kirchenasyl schützen.  Wie jene, die sich gegen Dumpinglöhne für ausländische Billigarbeiter wenden,   Wie jene, die gegen Sozialabbau und Ausgrenzung von z.B. Behinderten, Alten und Pflegebedürftigen eintreten,    Wie jene, die jeglichen Faschisten Straßen, Räume, das Internet und Parlamente verwehren.

Die Geschichte hat uns eine Lehre erteilt. Es ist notwendig, bereits den Wegbereitern der Neofaschisten entgegenzutreten. Antifaschismus ist auch eine sozialpolitische Aufgabe.   

 

Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten.

            Nieder mit dem Faschismus !

 

Es hat lange Tradition, billige und rechtlose Arbeiterinnen und Arbeiter, insbesondere aus osteuropäischen Ländern auf deutsche Baustellen und deutsche Felder zu holen, zu miesesten Bedingungen versteht sich. Und das drückt natürlich die sozialen und Arbeitsbedingungen auch für InhaberInnen deutscher Pässe herunter. In ungebrochener Tradition wird so versucht ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter gegen deutsche auszuspielen.       Das ist der Nährboden für Nationalismus und Rassismus.   Die Gefahr heute geht nicht nur von brandstiftenden Neonazis aus. Die Gefahr kommt aus Konzernzentralen.

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Erklärung des    DGB-Kulturarbeitskreis Soltau-Fallingbostel               November 2006

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