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Andrea Röpke über die Ludendorffer

25. Februar 2007 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"

2007
Erstmalig wurde die alljährliche Ostertagung der rassistischen „Weltanschauungsgemeinschaft Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ in diesem Jahr von öffentlichen Protesten vor Ort begleitet. Rund 100 Anhänger eines „Aktionsbündnisses gegen Rechts“ und des DGB hatten sich im Heideort Dorfmark vor dem Gasthof „Deutsches Haus“ postiert, verteilten Infomaterial und Kuchen.

„Der Bund für Gotterkenntnis“ (BfG) geht auf die Lehren der Ärztin Mathilde Ludendorff zurück, deren Ehemann Erich Ludendorff General unter Hitler war. Ihr Denken war von antisemitischen Verschwörungstheorien geprägt. In einem Entnazifizierungsverfahren wurde die „Philosophin“ 1950 zunächst als Hauptschuldige, dann jedoch als „Belastete“ eingestuft. Der BfG war nach 1945 verboten, formierte sich jedoch 1951 offiziell neu und wurde 1961 erneut wegen Verfassungsfeindlichkeit verboten. Wegen Verfahrensfehler hob ein bayerisches Verwaltungsgericht das Verbot 1977 jedoch auf. Seitdem wird die rassistische Organisation immer wieder vom Verfassungsschutz beobachtet. Nach Angaben der Hamburger Behörde gehören dem in Tutzing ansässigen Bund bundesweit rund 240 Mitglieder an, angeführt wird er von dem Arzt Dr. Günther Duda.

Zur Ostertagung 2006 Jahr war auch der ehemalige NPD-Stratege Steffen Hupka mit einem Büchertisch nach Dorfmark gereist. Wie in diesem Jahr bevölkern seit über 30 Jahren völkisch gekleidete Familien das Dorfbild zu Ostern, sie reisten aus Hamburg, Bremen, Bad Doberan, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und auch aus Österreich an. Neugierig versuchten ältere Anhänger mit den Gegendemonstranten ins Gespräch zu kommen. Eine Frau im Dirndl erstattete aufgeregt Anzeige gegen Fotografen, während der Gastwirt vom „Deutschen Haus“ selbst die Teilnehmer des Bündnisses fotografierte und eine Mitarbeiterin schimpfte, sie würde auch die NPD ins Haus lassen. Sie räumte ein, die Ludendorffer würden „viel Geld ins Dorf“ bringen und außerdem seien das „friedliche Leute“.

Auf dem Programm der viertägigen Tagung stand neben einem „Bunten Abend“, Vorträge über „die alleinige und all-einende Gottheit“, „die Wikinger – Aufstieg und Niedergang eines frühmittelalterlichen Kulturkreises“, sowie „Reichtum der Genialität – zum 130. Geburtstag der Philosophin Mathilde Ludendorff“.  Immer wieder gab es in der Vergangenheit personelle Verflechtungen und Kooperationen zwischen dem BfG und Gruppen wie der „Wiking-Jugend“ oder der NPD. In Dorfmark gaben sich die Ludendorffer bewußt demokratisch. „Mit der NS-Zeit“ wolle man nichts zu tun haben, aber die NPD sei ja nicht verboten, rechtfertigte sich ein älterer Herr, während eine Frau an seiner Seite den Gegendemonstranten eine Schrift in die Hand drückte. Darin heißt es, die Ludendorffer seien „nicht germanengläubig“, es werde auch nicht „das Recht des Stärkeren“ propagiert. Sondern: „Aus der unterschiedlichen Art des religiösen Erlebens erkennt die Philosophie sog. „Lichtlehren“ und „Schachtlehren“. Dabei wird erkannt, daß sich die Rassen und Völker mit Lichtlehren dem Göttlichen nahe wähnen, während die Rassen mit Schachtlehren im Gehorsam gegen Gott ihr tiefes religiöses Erleben finden.“ Man erkenne „jede Rasse und jedes Volk als einmalige Äußerung göttlichen Willens“ an und eben diese Einstellung schließe Rassismus aus, heißt es abschließend.

Während sich Anhänger des BfG auch auf dem Pamphlet als Opfer potentieller Angriffe darstellten und vor Ort von möglicher Gewaltanwendung sprachen, raste ein Auto mit lokalen Neonazis an der Mahnwache vorbei, einer schrie „Sieg Heil“ aus dem Fenster und zeigte den Hitlergruß. Gegendemonstranten mit einer Transparent sprangen rechtzeitig zur Seite. Auf dem selbstgemachten Banner stand: „Rosa Luxemburg statt Mathilde Ludendorff“.

 

Andrea Röpke

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