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180 Streikende im Heidekreis

19. März 2014 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Pressemitteilung

180 Streikende im Heidekreis


Die Tarifrunde für Bund und Kommunen ist angelaufen. Da die Arbeitgeber zur ersten Verhandlung überhaupt kein Angebot vorlegten, antwortete ver.di in den folgenden Tagen mit Warnstreiks. "Die Beschäftigten fordern einen Sockelbetrag von 100 Euro plus 3,5 % mehr Lohn bzw. Gehalt, 30 Tage Urlaub für alle, Übernahme für Auszubildende, Ausschluss sachgrundloser Befristungen und Angleichung des Nachtarbeitszuschlags in den Kliniken", erklärte der Streikleiter für die Lüneburger Heide, Lars Stubbe.

Zum Warnstreik trafen sich am Mittwoch 19.3.14 morgens vorm Walsroder Rathaus 180 Beschäftigte aus allen Teilen des Heidekreis, darunter aus den Sparkassen Soltau und Walsrode, Kreisstraßenmeistereien Soltau und Fallingbostel, Heidekreis-Klinikum, Bauhöfe der Städte Schneverdingen, Bad Fallingbostel, Walsrode, Lebenshilfe Walsrode, Klärwärter aus allen Gemeinden, Gemeindebeschäftigte aus dem Aller-Leine-Tal, Kita-ErzieherInnen und StadtwerkerInnen, aus Bomlitz Beschäftigte aller Berufe sowie einige Zivilbeschäftigte der Bundeswehr aus Munster. Solidarische Unterstützung bewiesen Jugendliche, die an der Berufsbildenden Schule Walsrode zu Sozialassistentinnen ausgebildet werden.


Bei der Kundgebung heizte Susanne Kremer vom ver.di-Landesvorstand richtig ein und erklärte unter großem Applaus die Wichtigkeit und Machbarkeit der Forderungen. KollegInnen aus verschiedenen Berufen schilderten den Stress am Arbeitsplatz, ungeschützte Arbeitsverhältnisse und dass junge KollegInnen heute geringere Einstiegslöhne bekommen, mit denen mensch kaum über die Runden kommen kann.

Mit dem kolumbianischen Gewerkschafter Edgar Páez wurde die Open-Air-Streikversammlung international. Das kommentierte DGB-Kreisvorsitzender Charly Braun mit den Worten: "die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Staaten, sondern zwischen oben und unten". In seiner kabarettistisch gehaltenen Rede nahm er die zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich auf die Schippe. Kostprobe: "Vor lauter Langeweile suchen sich viele RentnerInnen eine Job als selbständige Flaschensammler. Und wer sich im Arbeitsleben zuwenig vor seiner Dienstherrschaft gebückt hat, kann das beim Minilohn-Spargelstechen nachholen".

Braun und Stubbe waren sich einig mit den Streikenden, dass die Lohnforderung mit 100 Euro-Festbetrag gerade für die unteren Lohngruppen notwendig sind, um nicht gezwungen zu sein, das Essen bei der Tafel abzuholen.

Mit lauten rhythmischen Rufen, Transparenten und Trillerpfeifen demonstrierten die Streikenden anschließend durch Walsrodes Innenstadt. Der Umzug endete mit einer Streikversammlung im ver.di-Bildungszentrum. Sollte die Arbeitgeber immer noch kein verhandelbares Angebot vorlegen, "werden wir aus dem Heidekreis mit 250 Leuten am 25.3.14 in Hannover Rabatz machen", versicherte Stadtgärtner Ecki Adam.
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H-D Charly Braun, DGB-Kreisvorsitzender

zum ver.di-Warnstreik-Auftakt Mi. 19.3.14 um 9.00 h vorm Walsroder Rathaus.

-es gilt das gesprochene Wort-

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe NOCH nicht Streikende hinter Walsrodes Rathausfenstern,

ich heiße Charly Braun und bringe euch solidarische Grüße vom DGB. Der Deutsche Gewerkschaftsbund genauso wie der ehrenamtliche ver.di-Vorstand im Heidekreis unterstützt diesen gerechten Arbeitskampf.  ver.di  im Heidekreis hat am 13.3.14 einen neuen Vorstand gewählt mit Renate Gerstel als Vorsitzende. Renate und weitere KollegInnen sind heute hier. Haltet eure Gesichter und Schilder in die Kameras von Karl-Heinz, Renate und anderen.

Der 13.3.14 war auch der Tag, an dem ver.di mit den Vertretern von Bund und Kommunalem Arbeitgeberverbänden gesprochen hat  und die Oberchefs statt eines Tarifangebotes nur mit ablehnenden Sprüchen aufgejault haben.

 

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich freue, dass wir heute so viele sind und schon mal unsere Muskeln trainieren. Wir sind hier eine bunte solidarische Gesellschaft von kommunalen Bauhöfen, Klärwerken, Kitas, Kliniken, Verwaltungen, Sparkassen, Straßenmeistereien, Mülldeponie, sozialen und kulturellen Diensten bis zu Zivilbeschäftigten der Bundeswehr aus vielen Teilen dieses riesigen Heidekreises.

 

Wir sind Deutschland, denn wir sind seit Jahrzehnten fast pausenlos Export-Weltmeister. Wir waren Pabst, bis seine Heiligkeit hoch betagt, sich zum Rentner erklärte. Oh, was sind wir für ein soziales Deutschland, denn wir schicken all die anderen sogar schon mit 67 zum endgültigen Faulenzen. Dafür ziehen wir den, so von der Arbeit befreiten, nur ein wenig von der Rente als dauerhafte Bearbeitungsgebühr ab.

Vor lauter Langeweile suchen sich viele RentnerInnen einen Job z.B. als selbständige Flaschensammler.

Wer sich im Arbeitsleben zu wenig vor seiner Dienstherrschaft gebückt hat, kann das beim Spargelstechen nachholen. Und dafür sollte nun wirklich kein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 € gezahlt werden, sonst verdienen die Plantagenbesitzer so wenig, dass es nicht mal für Designer-Möbel reicht.

 

Wir sind ein wundervolles Deutschland, besonders seit Kanzler Schröder den Vermögens-Milliardären die Steuern gesenkt hat, seit verdammt viele Kliniken vor der Pleite stehen und die Beschäftigten und PatientInnen Personalmangel und Stress zu spüren bekommen, seit Krankenkassen Leistungen einschränken und 1/3 von uns auf dem Arbeitsmarkt nur prekäre und Billigjobs finden.  

 Alle reden davon, wie wichtig Bildung ist, aber die Gruppen in den Kitas sind so groß, dass eine Erzieherin für jedes Kind täglich nur Minuten übrig hat. Tatsächlich können viele Kommunen ihrer Aufgabe in der Daseinsvorsorge nicht mehr nachkommen. 

Aber sollen wir bei soviel verkehrter Politik etwa auf vernünftige Löhne, Urlaub, Übernahme der Azubis usw. verzichten ?

 

Dieses Land hat kein Ausgabe, sondern ein Einnahmeproblem. Konzerne, Banken und Superreiche kommen, wie das Beispiel Bomlitz beweist, ganz legal viel zu oft drum herum, überhaupt irgendeinen Beitrag für die Gesellschaft zu zahlen. Reiche wieder richtig besteuern hilft kleinen Leuten, dem Gesundheits- Sozial- und Bildungswesen sowie den Kommunen.

 

Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten !

Nicht unser Streik, sondern solche Steuerpolitik ist verantwortungslos und unsozial.

 

Endlich mal wieder einen Festbetrag fordern, ist genau so richtig wie ein existenzsichernder Mindestlohn ohne jede Ausnahme. Ausnahme bedeutet im wahrsten Wortsinn Hungerlohn. Gerade wer in den unteren Lohngruppen jobbt, braucht was Anständiges auf den Tisch und darf nicht gezwungen sein, sein Essen bei der Tafel abzuholen. Schluss mit Aufstocken beim Sozialamt. Jede Arbeit muss, verdammt noch mal, ordentlich bezahlt werden.

 

Einen Festbetrag wollen die Arbeitgeber ganz und gar nicht. Sie wollen offensichtlich eine sozial gespaltene Gesellschaft. Aber je weniger Unterschiede zwischen uns sind, desto solidarischer können wir soziale Kämpfe bestehen. Auf den Festbetrag kann überhaupt nicht verzichtet werden.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Tarifrunde kann hart werden. Wer heute noch zuschaut, muss morgen beim Arbeitskampf dabei sein. Wer Lohn, Urlaub, vernünftige Arbeitsbedingungen und Übernahme will, muss sich mit uns unterhaken. Solidarisch können wir jeden Druck von oben abwehren und unsere Forderungen durchsetzen. Gemeinsam sind wir stark !!

 

Und: ihr werdet es vermuten, wir sind die Guten !!

 

 

 

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