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Der Nazis neue Kleider sind eher untypisch

30. September 2006 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - lokal

Der Nazis neue Kleider sind eher untypisch

Der „klassische Neonazi“ tritt nicht mehr zwangsläufig glatzköpfig und mit Bomberjacke auf – die Wandlung des äußeren und des ideologischen Erscheinungsbildes rechtsextremistischer junger Menschen beschrieb Falco Schumann vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz) jetzt bei einem gut besuchten Vortrag in Walsrode.

Walsrode. Das apabiz sammelt seit rund 20 Jahren alles zum Thema extreme Rechte, will nach eigener Aussage mit einer umfassenden Veranstaltungsreihe eine möglichst breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Zu der von mehreren Gruppen und Politikern initiierten Veranstaltung waren etwa 150 Interessierte in das Jugendzentrum Walsrode gekommen.

Sechs Vertretern der rechten Szene wurde durch die Polizei der Einlass untersagt. Die Ordnungshüter zeigten dabei eine stärkere Präsenz als bei einer Infoveranstaltung Anfang Mai, als laut Versammlungsleiter Heinz-Dieter „Charly“ Braun eine Störung durch 21 aufmarschierende Rechte erst im letzten Moment verhindert wurde. Auch seien nach Bekanntwerden der Veranstaltung im Jugendzentrum Scheiben eingeworfen und antifaschistische Aufkleber verunstaltet worden.

In einem etwa 90-minütigen Vortrag ging Schumann auf Entwicklungen speziell der vergangenen zehn Jahre in der rechten Szene ein und zeigte an Hand von Bild- und Tonmaterial sub- und jugendkulturelle Veränderungen auf. Zwar sollte man sich vor Verallgemeinerungen hüten, doch sei unübersehbar, dass die Neonazis in den vergangenen Jahren in die unterschiedlichen Jugendkulturen vorgedrungen seien. Sie holten sich nicht länger nur diejenigen „ins Boot“, die ohnehin schon rechts seien, sondern unterwanderten ganze Jugendbewegungen.

Mit rechter Musik, Videos, dem Internet und sogar Klingeltönen würden Jugendliche etwa auch an die NPD gebunden. Als Beispiel für musikalische Unterwanderung nannte Schuhmann die so genannte „Black Metal-Musik“, von der sich ein neuer Zweig abgespalten habe – der NS-Black-Metal, dessen Vertreter rechtsradikale, für den Außenstehenden kaum verständliche Texte auf die übliche Black Metal-Musik legen.

Ebenso verhalte es sich mit dem Hard-core, einer politisch motivierten Abspaltung der Punk- Musik. Daraus habe sich der „hate-core“ entwickelt, eine rechtsradikale und auf Parolen reduzierte Musikform. Der Referent betonte, dass sich ein Großteil der Anhänger der ursprünglichen Musikrichtung entschieden gegen die Verunglimpfung von rechts stelle.

Wie männliche Anhänger der rechten Szene, die als Skater, mit gefärbten Bärten und Irokesen-Haarschnitt oder Nachahmer des linkspolitischen Kleidungsstils ebenso auf Demonstrationen zu finden seien wie die „bekannten“ kahlköpfigen Männer mit Springerstiefeln, hat sich auch das Auftreten der Frauen gewandelt, obwohl laut Schuhmann fast nur die Männer in die Subkultur marschiert sind. Frauen seien nicht mehr „bloßes Anhängsel“ der Männer, sondern hätten mehr Selbstbewusstsein entwickelt. Traten sie früher bestenfalls ebenso kahlrasiert wie ihre Männer als sogenannte „Reneegirls“ auf, so seien sie heute kaum als rechts zu erkennen, „sondern entsprechen durchaus dem gängigen Schönheitsideal unserer Gesellschaft.“

Ein weiteres Merkmal der vergangenen Jahren ist nach Schilderungen des Referenten der Auf- und Ausbau eigener Marken. So gebe es umfassende Kollektionen für Nazis – etwa von der Edelmarke „Thor Steinar“ – , in denen oft Parolen oder germanische Runen versteckt seien. Ebenso seien Musik und Spaß wichtig geworden – es existiere kaum noch eine Hürde: „Einstellung und Erscheinungsbild müssen nicht mehr zwangsläufig verändert werden.“

aus Walsroder Zeitung

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