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20.01.2010 Blick nach Rechts „Heilbringende Rassereinheit“

21. Januar 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"

20.01.2010  Blick nach Rechts

„Heilbringende Rassereinheit“

Die „Lebenskunde“-Philosphie von Mathilde Ludendorff erfreut sich in rechtsextremen Kreisen großer Beliebtheit. Der rassistische „Bund für Gotterkenntnis“ fungiert als ideologischer Sammelpunkt für ganze Familienverbände.

Mathilde Ludendorff scheint wieder „in“ in der Szene. Für 6,80 Euro gibt es ein Wandplakat mit ihren „deutschen Mahnworten“ beim extrem rechten „Lesen und Schenken“-Verlag von Dietmar Munier aus Martensrade. Ihr Gedicht „Sei deutsch!“ wird von „Freies Nordhausen“, dem „JVA-Report“ bis zum „Aktionsbündnis Ostfriesland“ als Verhaltenskodex gehandelt. Bei der NPD hat die 1966 verstorbene Ärztin und selbst ernannte Philosophin sogar Einzug in die Grundsatz-Definierung gehalten. So wird unter dem Schlagwort „Volk“ ihre Sichtweise des Begriffs als naturgegeben und biologisch bedingt aufgegriffen und zitiert: „Völker sind potenziell unsterblich“.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann General Erich von Ludendorff sammelte sie seit den 20er Jahren Anhänger im „Bund für Gotterkenntnis“, bis zu 100 000 sollen es gewesen sein. Die Ludendorffs galten zunächst als Anhänger des Nationalsozialismus, überwarfen sich dann bei ihren ehrgeizigen Bemühungen aber mit Hitler. Ihre antisemitische, verschwörungstheoretische Weltanschauungslehre wurde vom NS-Regime jedoch als „dritte Konfession“ geduldet. Als Ludendorff starb, wurde 1937 ein Staatsbegräbnis angeordnet. Nach Kriegsende wurde seine Witwe in einem Entnazifizierungsverfahen als „belastet“ eingestuft. Dennoch gründete sie 1951 den „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff“ neu. Neben Tagungen und Vorträgen ging es vor allem um Jugendtreffen und rituelle heidnische Feiern. Wegen Verfahrensfehlern wurde ein 1961 ausgesprochenes Verbot durch ein bayerisches Verwaltungsgericht 1977 wieder aufgehoben. Seit einigen Jahren gilt die braune Hintergrund-Organisation in einigen Bundesländern wieder als Beobachtungsobjekt. Ihre Hauptaktionsschwerpunkte scheinen die Ludendorffer zur Zeit vor allem in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein zu haben. Vorträge finden demnächst mehrfach in Minden und Dresden statt.

„Volkstumsfahrt“ nach Schweden

Unter dem Tarnmantel „Arbeitskreis für Lebenskunde“ stehen auch für 2010 unter anderem wieder eine „Erziehertagung und Familientreffen“, Jugend- und Familienlager, philosophische Schulungen und eine „Volkstumsfahrt“ nach Schweden an. Traditionell treffen sich 100 bis 200 Anhänger jedes Jahr über die Ostertage in Dorfmark in der Lüneburger Heide. In Baden-Württemberg und in Brandenburg betreibt die rassistische Gruppe Tagungshäuser. Im Nordwesten Niedersachsen, nahe Oldenburg, liegt zudem die „Ahnenstätte Hilligenloh“, von Ludendorff 1932 als privater Friedhof eingeweiht.

Nach Erkenntnis des Brandenburger Verfassungsschutz propagiert der „Bund für Gotterkenntnis“ Lehren, „die als rechtsextremistisch gelten müssen“. Auch bestehen seit Jahren zahlreiche Kontakte ins völkische, neurechte und radikalere Lager. Manche Autoren des Ludendorffschen Blattes „Mensch und Maß“ gelten als Vielschreiber wie unter anderem Elke und Gundolf Fuchs, deren Kommentare und Leserbriefe auch in NPD- und Kameradschaftskreisen gelesen werden. In ihren Weihnachtsgrüßen 2007 wenden sie sich gegen den vorherrschenden „Ungeist“ und „blicken mit einer gewissen Zuversicht ins neue Jahr“, weil sich die „Hohmanns und Hermans als ‘Widerständlicher’“ mehren würden. Falko Gramse, pensionierter Verkehrsrichter und fleißiger Schreiber in „Mensch und Maß“, hatte 24 Jahre lang als ehrenamtlicher Dozent an der Berliner Landespolizeischule referiert, bis er 2007 nach einem bnr-Bericht von seiner Lehrtätigkeit entbunden wurde.

„Die Pflege der arteigenen Sitten“

In der extrem rechten Bewegung fungieren heidnisch geprägte Religionsgemeinschaften wie die „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“, Heidengruppen oder eben der „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff“ als ideologische Sammelpunkte für ganze Familienverbände. Einer Überalterung wird mit schwerpunktmäßiger Einbeziehung des Nachwuchses vorgebeugt. Bei der Ostertagung in Dorfmark tummeln sich jedes Jahr Jungen in Knickerbocker-Hosen und Mädchen mit Zöpfen und Dirndl-Kleidern. Demnach gehört zur Brauchtumspflege und der „Selbst- und Volkserhaltung“ zunächst die „Stärkung des Selbstbewusstseins und des Gemeinschaftssinnes“ sowie Kenntnisse über eine gesunde Lebensweise und „die Naturgesetze“. Wesentlicher Teil der Doktrin nach Mathilde Ludendorff sei die Einsicht, dass der Mensch „das Göttliche“ erleben kann. Heil brächte dabei „die Erhaltung der Rassereinheit und die Pflege des arteigenen Gotterlebnis, der arteigenen Kunst, arteigener Sitten“.

In der rechten Szene wird jedoch nicht nur auf die „Lebenskunde“-Philosophie Bezug genommen, sondern Mathilde Ludendorff auch als Autorin diverser Erziehungsschriften verehrt. In ihrem Buch „Der Kindes Seele und der Eltern Amt“ von 1938 huldigt sie ihren Elite- und Rassevorstellungen, spricht sich aber klar gegen Drill und Zwang bei den Erziehungsmethoden ihrer Zeitgenossen aus: „Am besten entfaltet sich das Kind noch bei jenen sein Wesen verkennenden Erziehern, die nur ein kleines, recht anspruchsvolles, hungriges Säugetierchen in ihm sehen. Es wird dann körperlich gut versorgt und seelisch meist in Ruhe gelassen und deshalb zum mindesten nicht geschädigt“. Ludendorff empfiehlt ihren Anhängern, „das Elternamt“ nicht vor dem 20. Lebensjahr, aber auch nicht nach dem 30. anzutreten. Sie lehnt die „Aufzucht altkluger Vielwisser“ ab und verachtet Erwachsene, die sich an den „Tollspielen“ der Kinder beteiligen und sie so aus dem „Kinderparadies“ phantastischer Spiele vertreiben würden. Auch könnte durch die „tolle Ausgelassenheit“ das Achtungsverhältnis des Kindes den Eltern gegenüber leiden, das störe dann die „Aufzucht“.

„Reinblütige Kinder“ zur Sicherung der Volkserhaltung

Im Kapitel „Wegweiser zum Wissen“ vermittelt Ludendorff ihre Ansicht, Wissen komme durch die Eltern, Schule und Staat könnten nur Versäumtes nachholen. Verächtlich macht sie sich über christliche Erziehung her, bei der die Gleichheit der Menschen gepredigt und nichts über die Unterscheidung der „Rassen“ gelehrt würde. „Seht sie Euch doch an, diese armen, so schlecht beratenen Christenkinder, wenn sie in den Schulpausen miteinander plaudern. Da wünscht sich das Kind, das zehn Jahre später den Gatten wählt und dann darüber entscheidet, ob es Bastarde oder Deutsche unter seinem Herzen trägt, allen Ernstes schwarze Haare statt blonder, ein anderes aber wünscht sich wieder blaue Augen statt dunkle, und alle halten dies für eine ganz äußerliche Angelegenheit, so etwa wie die Farbe des Kleides“. Entsprechend „solcher schauerlichen Aufzucht“ sei dann auch die „Gattenwahl“. Als Ludendorffs Idealbild erscheinen „reinblütige Kinder“, die nach dem „sittlichen Gesetze der Reinheit“ die Volkserhaltung sichern würden.

Der bundesweit wirkende „Arbeitskreis Lebenskunde“ greift diese gefährlichen Pädagogik auf, tarnt sich aber vor allem mit einem nicht-autoritären Anschein. Auf der Homepage heißt es: „Daher dürfen wir den Kindern und Jugendlichen im Ferienlager nur Vorbild sein, niemals aber von ihnen ein bestimmtes moralisches Verhalten verlangen.“

20. 01. 2010 - Andrea Röpke

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