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Bombodrom-Widerstandscamp vom 17.-21.7.2008

17. Juli 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antimilitarismus

 

Bombodrom-Pressegruppe 15.07.2008 12:54 Themen: Globalisierung Militarismus
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Die Bundeswehr will das Bombodrom in der Kyritzer Heide zum Krieg üben. Dagegen gibt es seit langem Protest. Auf dem Gelände soll das zielgenaue Abwerfen von Bomben geübt werden. Die Bevölkerung und viele UnterstützerInnen wollen das verhindern. Auch in diesem Jahr wird das Gelände probehalber in Besitz genommen werden, um den Protest zu organisieren und auch den Widerstand "für den Ernstfall zu üben". Geplant sind ein Camp und die Besiedlung des Bombodrom-Geländes als eine Aktion Zivilen Ungehorsams.
www.g8andwar.de | www.freieheide-nb.de | www.ClowsFREIHEIDe.de.tl

Das Bombodrom in der Kyritzer Heide ist seit langem Ort antimilitaristischer Auseinandersetzung. Die Bundeswehr und die NATO wollen das Gelände (siehe den Video-Rundgang übers Bombodrom) nutzen, um das zielgenaue Abwerfen von Bomben zu üben. Die Bevölkerung und viele UnterstützerInnen wollen das verhindern. So wurde der geplante Bomenabwurfplatz schon als Auftakt der bunten und massiven Proteste im vergangenen Sommer gegen den G8 Gipfel in Heiligendamm symbolisch für eine Nacht besiedelt. Mehr zu 2007 und Video der Besiedelung.

Auch in diesem Jahr wird es verschiedene Camps geben, auch in diesem Jahr liegt der Auftakt beim Bombodrom: Fünf Tage lang soll gezeltet und das Gelände probehalber in Besitz genommen werden, "um für den Ernstfall zu üben". Die Camp-Aktivist_innen wollen zeigen, dass sie mit der Militarisierung von Politik und Gesellschaft und mit einem Kriegsübungsgelände wie dem Bombodrom überhaupt nicht einverstanden sind. Geplant sind das Camp und die Besiedlung des Bombodrom-Geländes als eine Aktion Zivilen Ungehorsams - mit Zelten und vielleicht mit ersten Hütten, Zielpyramiden und kreativem Chaos. Die Pyramiden sind - anders als die rot-weiße Zielpyramide, die die Bundeswehr schon auf den Platz gestellt hat, - rosa als Zeichen der Ablehnung von Militär und Patriarchat.

Die Bundeswehrführung plant mit dem Bombodrom einen Ort praktischer Kriegsvorbereitung einzurichten. Die besondere militärische Bedeutung ist dabei kein Geheimnis: ungelenkte Bomben aus dem Tiefflug, selbstständig zielsuchende Raketen aus großer Höhe, das Fein-Zusammenspiel zwischen Luftwaffe und Bodentruppen bei der Steuerung von modernen Lenkwaffen und sogar den sogenannten Schulterwurf, der für den Einsatz einer Atombombe nötig ist - all das will die Bundeswehrführung dort üben lassen. Aber auch machtpolitisch ist der Bombenabwurfplatz wichtig: Wer andere Bündnispartner zum Bomben zu sich "einladen" kann, steht gut da und gibt eher den Ton an. Für die Kriegs- und MilitärgegnerInnen ist das Militär Teil des Problems, als dessen Lösung es präsentiert wird. Militärbündnisse bedeuten Militäreinsätze, und Militäreinsätze bedeuten Krieg.

* Warum ausgerechnet jetzt in die Heide?

Die juristische Ebene des Widerstands gegen den Bombenabwurf hat die Inbetriebnahme jahrelang verzögert (mehr zu den Prozessen). Nachdem das Verwaltungsgericht im vergangenen Jahr gegen die Bundeswehr entschieden hat, hat vor kurzem das Oberverwaltungsgericht dem Antrag der Bundesregierung auf Zulassung der Berufung stattgegeben. Jetzt haben die Bombodrom-Gegner Gelegenheit, zur Begründung der Berufung Stellung zu nehmen. Eine Entscheidung über die Nutzung des Bpmbodroms ist also nicht vor 2009 zu erwarten. Erfahrungsgemäß wird aber über Kriegsübungsplätze (wie auch über Atomanlagen) nicht vor Gericht sondern politisch entschieden. Daher macht es schon heute Sinn, auch den politischen Widerstand in der Praxis zu üben und zu sich mit dem Ziel der praktischen Verhinderung des Kriegsübungsplatzes zu organisieren.

* Unterschiedlichkeiten stärken den Widerstand.

Die unterschiedlichsten Organisierungsansätze (Überblicksplattform) mit ihren diversen Aktionsformen - Klagen gegen die Bundeswehr sind eine, ein Aktionscamp eine andere und es gibt noch viel mehr - bringen letztlich ein gemeinsames Ziel zum Ausdruck: Kein Krieg, keine Militarisierung, kein Bombodrom, nicht hier und auch nicht anderswo. Konkret rufen zum antimilitaristischen Aktions-Camping auf: das Bündnis "Rosa Heide" und die neugegründete "Friedensinitiative Kyritz-Ruppiner Heide" gemeinsam mit Unterstützer_innen der Kampagne "Bomben nein - wir gehen rein", antimilitaristischen Gruppen und Einzelpersonen aus der Region und aus Berlin. Und auch die Clownsarmee mobilisiert zum "Vamülientreffen"...

Gleichzeitig knüpfen die AktivistInnen mit an verschiedenen überregionalen Widerstandsnetzwerken: Europaweit (Stichwort Bombodrom in den Bardenas/Baskenland oder in Vieques/Puerto Rico), bundesweit (etwa: die im NeMA, "Netzwerk gegen Militärstandorte und deren Auswirkungen", gebündelten lokalen Gruppen) und regional im ganz frischen Bündnis Brandenburgischer BürgerInnen-Inis (gegen den Großflughafen, gegen den Braunkohleabbau und schließlich gegen das Bombodrom, vgl. MAZ-Bericht).

* Die Zukunft mit im Blick

2009 will die Nato ihren 60sten Geburtstag feiern. Die Nato ist seit Jahren das aggressivste Militärbündnis der Welt. Daher laufen schon heute die Vorbereitungen für Proteste gegen die Feierlichkeiten beim Nato-Gipfel in Straßburg. Auch die Bombodromgegner_innen werden dabei sein, wenn die globalisierungskritische und die Friedensbewegung die Feierstimmung zu stören versuchen werden: Wer weltweit Kriege anzettelt, hat weder ein Recht auf friedliches Feiern - und schon gar nicht auf ungestörtes Üben auf einem Bombenabwurfplatz. Mehr gegen die Nato-Feiern

* Der Campsommer

Das Camp am geplanten Bombodrom steht im Rahmen des spektrenübergreifenden Camp-Sommers: Die inhaltlichen Überlappungen mit dem Anti-Atombomben-Camp in Büchel (1|2), dem Migrations-Camp (militarisierte Abschottung gegen Migration) und dem Klima-Camp (die schon laufenden Ressourcenkriege und zu erwartenden militärischen Klimainterventionen) liegen auf der Hand.

* Krieg ist Gewalt

Krieg ist Gewalt. Armut, Hunger, Landvertreibung ist Gewalt. Umweltverschmutzung/-zerstörung und die damit verbundenen globalen Auswirkungen auf diejenigen, die nicht ausweichen oder sich anpassen können, ist Gewalt. Die Patentierung von Nahrungsmitteln und Lebewesen ist Gewalt. Daher wird es auch eine Aktionen geben gegen Felder mit gen-manipulierten Pflanzen in der Region ums Bombodrom. Der Zusammenhang mit Militär und Krieg ist auch hier offensichtlich: Wo bäuerliche Landwirtschaft durch Saatgutmultis zerstört wird, dort steht meist schon das Militär bereit: Um Hungerrevolten zu ersticken, Menschen von ihrem Land zu vertreiben und zur Lohnarbeit in den Städten und in der Agro-Industrie zu zwingen.

Dabei hat die Vergangenheit gezeigt: vielseitiger und entschlossener Widerstand lohnt sich. Nicht nur im karibischen Vieques, wo die Inselbevölkerung 2003 nach 60 Jahren die Schließung eines US-Bombodroms erreicht hat. Sondern auch in der BRD, wo in den 1970ern das Atomkraftwerksprojekt in Whyl am Kaiserstuhl und in den 1980ern die atomare Wiederaufarbeitungsanlage im oberbayerischen Wackersdorf verhindert wurden. Dabei geht es nicht nur um juristische Auseinandersetzung und physische Blockaden, sondern um vielseitige Widerstandsformen und um einen dauerhaften Imageschaden, den auch die Bundeswehr - so ein Offizier im Interview - immer wieder gegen den militärischen Nutzen eines Bombodroms abwägt.

* Ziviler Ungehorsam

Da andere ihre Gewalt massenhaft organisieren und üben wollen, nämlich im Militär, ist Ziviler Ungehorsam gegen die Pläne der Bundeswehr angesagt. Das kann z.B. Schluss mit Gehorchen heißen, wenn jemand verbieten will, das Bombodrom-Gelände zu betreten. Am geplanten Bombodrom gibt es viel Erfahrung mit Aktionen Zivilen Ungehorsams. Viele wissen, dass es gar nicht so leicht ist, eine Gruppe aufzuhalten, die mit ruhiger/fröhlicher Entschlossenheit unterwegs ist. Ziviler Ungehorsam heißt, um Absperrungen und Menschen, die im Weg stehen, herum zu gehen. Das Gelände ist riesig und hat eine lange Grenze ohne Zaun, die nur mit enorm großem Aufwand/großer Gewalt hermetisch abgeriegelt werden könnte. Ziviler Ungehorsam ist nicht gewalttätig, sondern die Verhältnisse sind es und die, die sie tagtäglich mit Zwang aufrechterhalten oder durchsetzen.
Für die BombodromgegnerInnen ist klar: Die Liste derer, von denen dagegen Gewalt ausgeht ist lang: Gewalt geht aus von deutschen Bombern und Spezialtruppen in Afghanistan; von den Bauplänen für das Ehrenmal der Bundeswehr mit seinem Heldenverehrungsunfug; von europäischen Militärinterventionen zur Ressourcensicherung wie im Kongo; von weltweiter militärischer Einmischung unter dem Vorwand der humanitären Intervention; von der Rekrutierung zum Morden in den Jobcentern der Arbeitsagentur; von Folter in weltweiten geheimen Militär-Gefangenenlagern; vom feierlichen Einschwören aufs Morden bei den Bundeswehrgelöbnissen; von deutscher Kriegsmarine am Horn von Afrika und vor Israel und Libanon; von Bundeswehrinlandseinsätzen gegen die eigene Bevölkerung wie beim G8 und beim Castor; von militarisierten Außengrenzen der EU, an denen täglich dutzende Menschen krepieren...

* Veranstaltungen und Aktionen am und im geplanten Bombodrom

Auf dem Camp-Programm für Donnerstag, den 17. bis Montag den 21. Juli 2008 stehen neben der Besetzung noch diverse weitere Veranstaltungen und Aktionen, vgl. Details zum Camp-Programm und zu vielen organisatorischen Fragen.

weitere Infos: www.g8andwar.de | www.freieheide-nb.de | www.ClowsFREIHEIDe.de.tl

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