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Braune Mitläufer in der Schneverdinger Heide

28. August 2007 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - lokal

Niedersachsen

Braune Mitläufer in der Schneverdinger Heide

Anhänger der NPD © picture-alliance
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Nach den Vorfällen im sächsischen Mügeln schauen viele vorwurfsvoll nach Osten und beklagen einen Mangel an Zivilcourage. Doch auch im Westen ist es damit nicht allzu weit her - zumindest nicht überall. Zum Beispiel im niedersächsischen Schneverdingen: Zur festen Tradition des am Sonntag zu Ende gegangenen Heideblütenfestes gehört dort der Heidelauf. Zum dritten Mal in Folge nahm an diesem Wettlauf eine rechtsextremistische Kameradschaft teil, auf deren T-Shirts - verklausuliert. aber für jedermann erkennbar - der Holocaust in Frage gestellt wird. Obwohl der Schneverdinger Sportverein aus dem niedersächsischen Verfassungsschutz um den Hintergrund dieser Gruppe wusste, hinderte der Verein die Neonazis nicht an der Teilnahme.

Verfassungsschutz warnt vor "Snevern Jungs"

Start zum Volkslauf beim Heideblütenfest. Viele Hundert Teilnehmer aus der ganz Deutschland gehen auf die Strecke. Diesmal aber ist die Stimmung getrübt. Zum dritten Mal kündigte eine rechtsextremistische Kameradschaft - die sogenannten Snevern Jungs - ihre Teilnahme an. Eine Gruppierung, vor deren Aktivitäten im Verfassungsschutzbericht ausdrücklich gewarnt wird. Wenige Minuten vor Ende der Einschreibfrist erscheinen die gewalttätig wirkenden "Snevern Jungs" in der Sporthalle des TV Jahn. Deutlich erregt, versucht der Vereinsvorsitzende Hans-Jürgen Thömen sie zu bewegen, wenigstens die Hemden mit der verkappten Holocaust-Leugnung auszuziehen: "Ihr startet hier nicht. Entweder ihr zieht das T-Shirt aus und ein anderes an oder ihr startet nicht", sagte Thömen.

Läufer entsetzt über Teilnahme der Rechtsextremisten

Luftballon auf Demonstration gegen Neonazis. © dpa

Noch gibt sich die rechte Gruppierung kompromissbereit. Doch ein Pressefotograf, der das Geschehen im Bild festhalten will, wird von den braunen Kameraden rüde angegangen. Vereinschef Thömen weiß genau, wen er mit den "Snevern Jungs" vor sich hat: "Es war eine aufgeheizte Atmosphäre. Als ein Fotograf die 'Snevern Jungs' fotografieren wollte, hätte der Kopf der Gruppierung am liebsten gleich zugeschlagen. Aber er hat sich noch zurückgehalten." Andere Läufer, die das Geschehen beobachten sind entsetzt über die Teilnahme der Rechtsextremisten, die aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machen: "Ich finde das eine Schweinerei. Wenn ich das vorher gewusst hätte und unsere Kinder nicht dabei gewesen wären, wäre ich zu Hause geblieben. Nächstes Jahr komme ich nicht wieder." Ein anderer Läufer empört sich: "Zu wenig Leute trauen sich zu sagen, dass es inakzeptabel ist, dass neofaschistischen Gedankengut so öffentlich demonstriert werden darf."

DGB kritisiert SPD-Ratsherr

Tatsache ist: In der Woche vor dem Lauf hatte es wegen der zu erwartenden Teilnahme der Rechtsextremisten eine Debatte im Ortsparlament gegeben. Mit großer Mehrheit wurde eine Resolution verabschiedet, die auch die Vereine auffordert, sich gegen Extremisten zur Wehr zu setzen. Auch Vereinschef Thömen nahm an dieser Sitzung teil, denn er ist Ratsherr der SPD. Auch deshalb muss er sich Kritik vom Deutschen Gewerkschaftsbund anhören. Charlie Braun ist DGB-Regionalvorstandmitglied Nordost-Niedersachsen und erbost über die Teilnahme der "Snevern Jungs": "Man hätte von seinem Hausrecht quasi als Verein Privatrecht wahrnehmen und sagen können: 'Wir schließen Nazis aus.' Man hätte zudem eine Resolution vorlegen können - die des Stadtrates - und sagen können: 'Die müsst ihr alle unterschreiben, die hier teilnehmen.' So hätte man einen weiteren Ausschlussgrund gehabt. Und: Schneverdingen hätte als Stadt und Fremdenverkehrsort ganz positiv dastehen können", erklärte Braun. Für Vereinschef Thömen kein geeigneter Weg: "Ich weiß nicht, wie die Läufer und Wanderer darauf reagiert und alle mitgemacht hätten, und wie dann in Zukunft der Volkslauf, für die, die mitmachen, empfunden worden wäre."

Aus Sorge um Sicherheit Neonazis zugelassen

Nach NDR Informationen aus Vereinskreisen hatten sich Vorstandsmitglieder noch wenige Tage vor dem Lauf aus Sorge um ihre eigene Sicherheit und die ihrer Familien gegen ein Teilnahmeverbot für die "Snevern Jungs" ausgesprochen. Tatsache: Im Zieleinlauf zogen die "Snevern Jungs" ihr T-Shirt mit der verkappten Holocaust-Leugnung wieder an. Auch ihre Ankunft wurde beklatscht.

Autorin/Autor: Stefan Schölermann, NDR Info
Stand: 28.08.2007 13:05

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