Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Rechter "Trauermarsch" in Bad Nenndorf

8. August 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

 
In der niedersächsischen Kleinstadt Bad Nenndorf haben am Samstag, den 2.8. knapp 400 Rechtsextremisten einen „Trauermarsch“ veranstaltet. Die Polizei hatte mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet. Dennoch waren fast 1000 Beamte im Einsatz, um zu verhindern, dass der Zug auf die ca. 300 Gegendemonstranten trifft. Im Vorfeld hatte es große Befürchtungen gegeben, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte. Deshalb sollte ein Aufeinandertreffen beider Seiten unter allen Umständen verhindert werden. „Ich denke, das haben wir auf jeden Fall erreicht“, sagte ein Polizeisprecher, „es ist so weit alles friedlich verlaufen, von beiden Seiten.“

Von Christopher Egenberger

Der Kurort im Kreis Schaumburg hat eine symbolische Bedeutung in der rechten Szene, weil hier nach dem Zweiten Weltkrieg ein britisches Militärgefängnis eingerichtet worden war. Der britische Journalist Ian Cobain fand im Jahr 2006 heraus, dass in dem geheimen und streng abgeschotteten Verhörlager systematisch gefoltert worden ist. 1947 wurde das Lager, in dem in erster Linie hohe Funktionäre des NS-Staates und Mitglieder der SS inhaftiert waren, aufgrund der katastrophalen Bedingungen geschlossen und die Verantwortlichen wurden zur Rechenschaft gezogen.

Die Zustände in Bad Nenndorf waren keineswegs die Regel in der britischen Zone, wurden aber wie die amerikanischen Rheinwiesenlager zu einem politischen Thema in Deutschland. Zahlreiche Neonazis behaupten noch heute, dass die Briten in den regulären Internierungslagern für Nazis dieselben Methoden angewandt hätten wie diese. Aus diesem Grund war das „Wincklerbad“, in dem das Gefängnis untergebracht war, bereits in den vergangenen Jahren das Ziel von Rechtsextremen. Im letzten Jahr waren es jedoch nicht einmal 200 Neonazis, die auf dem „Trauermarsch“ mitgingen. Nun scheint die kleine Kurstadt zu einem neuen Wallfahrtsort der rechten Szene zu werden.

Doch die Einwohner der Gemeinde bleiben davon unbeeindruckt. Nicht einmal 300 Antifaschisten aus der Region versuchten am Samstag, sich dem "Trauermarsch" in den Weg zu stellen. Die Polizei war von deutlich mehr ausgegangen. Den Gegendemonstranten gelang es nicht, in die Nähe der Rechtsextremisten zu gelangen, was auch an dem Großaufgebot der Polizei lag, das sich zum großen Teil auf die Gegendemonstration konzentrierte. Laut ‚redok’ hatten die Gegendemonstranten mit zahlreichen Repressionen zu kämpfen. Auch der erstmals in Bad Nenndorf aufgefahrene Wasserwerfer wurde ausschließlich auf die Linken gerichtet.

Und das, obgleich die Polizei im Vorfeld Erkenntnisse über etwa 70 gewaltbereite „Autonome Nationalisten“ aus Nordrhein-Westfalen hatte, die bereits an anderen Veranstaltungsorten für massive Probleme gesorgt hatten. Gekommen waren dann weitaus mehr Neonazis, die das Outfit der „Autonomen Nationalisten“ trugen und teilweise vermummt aus der Bahn stiegen. Angemeldet hatte den Aufzug Marcus Winter, ein führender Kopf der Schaumburger Kameradschaftsszene, der jedoch nicht vor Ort erscheinen konnte, da er gerade eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung absitzt. Bis 2010 sind jedes Jahr weitere Märsche angemeldet. Und nachdem nun auch der Deutsche Gewerkschaftsbund Handlungsbedarf erkannt hat, werden sich im nächsten Jahr hoffentlich mehr Menschen den Rechtsextremen und Revisionisten entgegenstellen.

www.mut-gegen-rechte-gewalt.de


04.08.2008



Kommentare

Man sollte - um den Nazis den Wind aus den Segeln zu nehmen - deutlich darauf hinweisen, dass dieses Foltergefängnis von den britischen Behörden geschlossen wurde und die Folterer bestraft wurden, als die taten bekannt wurden. Damit waren die Zustände - anders als die Nazis gerne behaupten - nicht typisch für die Besatzer in Deutschland. Und das unterscheidet sie von den deutschen Besatzern im Ausland, welche benso und schlimmer im Ausland wüteten. Außerdem wird es bizarr, wenn man bedenkt, dass dort auch Homosexuelle und (vermutete) Sowjetspione einsaßen. Dass die Nazis für diese demonstriert haben, ist wohl kaum anzunehmen. Sie konzenrtrieren sich auf die NS-Funktionäre, welche in ihren Augen arme, unschuldige Opfer böser Besatzer waren. Und das verdreht die Wahrheit grotesk.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich wusste von einer Mitstreiterin aus dem NGN von dieser Demonstration im Vorfeld.
Sie hatte sich auch Gedanken gemacht, wie man den extremistischen Gruppen entgegen treten könnte und wir hatten ein Konzept erarbeitet.
Nun bezieht sich ihr Bericht aber kaum auf die Gegendemonstranten und das finde ich ein wenig traurig.
Man sollte doch hervorheben das es Menschen gibt, die sich etwas einfallen lassen um den Extremisten das rote Tuch zu zeigen.
Das fördert auch das Bewusstsein der Menschen, das man etwas tun kann.
Ich hoffe sie können diesen Aspekt, dass nächste Mal berücksichtigen und verbleibe mit freundlichen Grüssen.

@WW
So einfach lässt sich nicht der Wind aus den Segeln nehmen.

Erstens wurde das Folterlager erst Zwei Jahre NACH Kriegsende geschlossen. Es wurde also in Freidenszeiten zwei Jahre lang gefoltert.

Zweitens kann man wohl kaum von Bestrafung sprechen, da alle frei gesprochen wurden außer einer. Und seine Strafe war wirklich ganz gemein. Der mußte weil er nach Kriegsende zwei Jahre gefoltert und gemordet hat doch tatsächlich seinen Dienst quittieren.

Nennen sie das eine gerechte Strafe?

Und wie kommen sie darauf das wir nicht auch für Schwule oder andere ermordete Menschen demonstrieren?

Nur weil wir die natürliche Familie fördern wollen und die gleichgeschlechtliche Ehe nicht mit einer Familie gleichgestellt sehen wollen aus der Kinder entstehen, heißt das ja noch lange nicht das wir es befürworten, dass man diese Menschen umbringt.
Sie sollten sich endlich von ihrem schwarz - weiß - Denken lösen.

@ WW:

Die britischen Folterer sind NICHT bestraft worden!

Zurzeit wird gerade die genaue Geschichte des Winklerbades dokumentiert. Diese Dokumentation soll ab Oktober veröffentlicht werden.

1. Ob in Friedens- oder zu Kriegszeiten gefoltert wird, ist irrelevant, weil immer illegal. Dieser Hinweis soll nur wieder darauf hinauslaufen, dass deutsche Folter im Gegensatz zur britischen angeblich nicht schlimm war, weil ja noch Krieg herrschte. Das ist natürlich Unfug. Aber ansonsten wäre dieser Hinweis überflüssig.

2. Über die Strafe für die Briten urteile ich nicht und das muss ich auch nicht. Aber das Verfahren zeigte, dass man von staatlicher Seite solche Taten nicht duldete und sie unterband - anders als von Nazis über "die Besatzer" stets behauptet wird. Übrigens werden heutige Truppen von Nazis immer noch als Besatzer bezeichnet, obwohl deren NATO-Auftrag seit langem ein ganz anderer ist.

3. Dass die Nazis nicht für Homosexuelle und andere demonstrieren, zeigt sich sehr deutlich darin, dass dieselbe Klientel in Osteuropa gerne mit anderen Nazis aufmarschiert und auch deren CSD angreift. Soweit her kann es mit dem Einsatz für Menschenwürde also nicht sein. Und wer aus ideologischer Nähe für NS-Kriegsverbrecher demonstriert (denn das ist ja der wahre Grund, da dieser Mob die allgemeinen Menschenrechte eben nicht anerkennt), der sähe aufgrund dieser Ideologie die Homosexuellen auch gerne im KZ. Die Homophobie ist integraler Bestandteil der völkisch-rassistischen Einstellung, welche oben verharmlosend mit "Familien fördern" angegeben ist. Treffender wäre "Rassenzucht" nach dem Prinzip "Deutschland braucht Soldaten". Dahinter steht also mehr, denn allein für Familienförderung könnte man als Nazi auch in die Kirche eintreten, die dasselbe fordert, aber die demonstriert eben nicht für die Ehre von NS-Kriegverbrechern.
Die Mitgliedschaft in NPD oder Kameradschaft u.ä. aber reicht völlig, um die Personen ideologisch einzuordnen.
Übrigens habe ich selbst gar nicht mit Familienförderung argumentiert, das soll mir wohl unterstellt werden. Dass dieser Phrase trotzdem kommt, bestätigt, dass man für jede Anfeindung eine passende Parole auswendig gelernt hat und sie bei Gelegenheit brav aufsagt. Hauptsache man hat irgendetwas geschrieben.
Übrigens wird man zahlreiche der Anwesenden wieder demnächst auf einem Heß-Gedenkmarsch wiedersehen.
Und schließlich: Ich brauche kein Schwarz-Weiß-Denken. Die Nazi-Politik ist seit jeher gleich und leicht durchschaubar. Hetreosexuell und weiß: gut. Alles andere: böse. DAS nenne ich Schwarz-Weiß-Denken.

Soso, die Einwohner blieben unbeeindruckt und wollten sich nicht an der linken Gegendemo beteiligen. Das sollte wirklich nachdenklich stimmen. Haben vielleicht über sechzig Jahre nach Kriegsende nicht nur die "Neonazis" sondern auch die übrigen Deutschen keine Lust mehr auf die ewig einseitige Vergangenheitsbewältigung? Und haben Menschen etwa die Folter verdient, nur weil sie Mitglied der NSDAP waren? Mit den mißhandelten Irakern haben wir doch auch alle Mitleid, obwohl einige sicher tatsächlich Anhänger von Sadam gewesen sind.

Apropos: Einige Zitate zur Gesinnung der dort Demonstrierenden: Der niederländische Nationalsozialist Konstant Kusters schrie seine antisemitischen Parolen in radebrechendem Deutsch heraus – und erntete tosenden Applaus. „Zionisten packt eure Koffer und geht weg aus Europa!“
Er nahm anschließend Bezug auf die Wulff-Aktion mit der Reichskriegsflagge [Anm: mit Hakenkreuz] in Passau: „Und die Fahne, die auf einem Begräbnis aus der Kiste wiedergeholt wurde, das ist unsere Fahne! Und unsere Fahne flattert voran!“
Der Nazis Tegethoff huldigte dem ehemaligen SS-Panzerjäger Friedhelm Busse und erbrach, es gäbe einen „Auftrag zu kämpfen und zu marschieren, bis Deutschland wieder frei“ sei und „die Fahne unseres Reiches wieder über Deutschland wehen wird!“ Danach sangen die Neonazis die erste Strophe des Deutschland-Liedes: „Deutschland, Deutschland über alles – über alles in der Welt“.

http://www.bnr.de/bnraktuell/brandaktuell/politischeselbstinszenierung/?WWLAUTH=68a812fbe3967e226c85ae80b71d8e4b

Das wenige Gegendemostranten kommen,liegt oft daran,das die Polzei Ängste schürt."Die bösen Antifaschisten".In Eschede war es auch so.War das ein Szenario der Polizei.Freundlicher Empfang am Bahnhof,freundliches geleiten,so dasman sich bloss nicht verläuft.Nächstes mal fahren wir ordentlich auf.Gebt nicht auf,klärt auf.ulli

Die Anzahl der Gegendemonstranten lässt definitiv keinen Rückschluss auf die Einstellungen innerhalb der Bevölkerung zu. Dass jemand eine Demonstration nicht besucht bedeutet nicht dass er den Nazis damit automatisch zustimmt.

Das verbreiten die Nazis zwar gern, aber dies ist nicht mehr als ein Bluff. Damit wollen sie erst die Meinung innerhalb der Bevölkerung beeinflussen. Wirklich funktionieren tut das aber nicht, denn es ist in Wahrheit viel mehr Ablehnung vorhanden als vielleicht öffentlich bekannt.

Ich denke es wäre an der Zeit zusätzliche Wege, mit denen die Bevölkerung ihre Abneigung zum Ausdruck bringen kann, zu erschließen.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post