Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

«Snevern Jungs» die Verkleidung ausziehen

17. August 2007 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - lokal

Nummer 20 / 2007

«Snevern Jungs» die Verkleidung ausziehen

Schneverdingen.  Die «Snevern Jungs» (SJ), im niedersächsischen Verfassungsschutzbericht 2006 als eine besonders bedeutende Kameradschaft herausgestellt, mühen sich um den Titel «die netten Nazis von nebenan». Sie beteiligen sich bei Blutspenden, Preisskat, kommunalen Umweltaktionen, kämpfen «für freie Kartoffelwahl - Rettet Linda» und kommen bei manchen lokalen Honoratioren gut an, weil sie interessiert Rats- und Kreistagssitzungen besuchen. Entsprechend der Nazi-Wortergreifungsstrategie durften sie 2006 bei der SPD diskutieren und bei Grünen im Saal bleiben. Damit ist es endgültig vorbei - wie bei DGB und Antifa-Initiative längst praktiziert.

Als ihr Führer Matthias Behrens im feinen Zwirn eine Kreis-Jugendhilfeausschusssitzung besuchte, musste er sich aus Grünem Munde anhören: «Die braune Jauche verkleidet und parfümiert sich».

Die «Snevern Jungs» pflegen viele Kontakte im In- und Ausland, fehlen bei keinem Aufmarsch, feiern Fasching in Klu-Klux-Klan-Kostümen, treiben Heldenverehrung für Schlageter, Heß und Wehrmachtssoldaten, verbreiten über sog. «Witze» rassistische Hetze in ihrer homepage, sind beim Nazi-»Stammtisch-Nord» und NPD-Parteitag dabei. Der erste niedersächsische NPD-Landtagswahlkampfinfostand fand am 9.6.07 in Schneverdingen, von den SJ durchgeführt, statt. Und manchmal rutscht ihnen doch mal, nicht nur die Hand gegen Antifas aus.

Der jüngste Versuch, von der Mitte der Gesellschaft akzeptiert zu werden, misslang den Kameraden.

Am 13.8.07 beschlossen SPD, Grüne, CDU, FDP im Stadtrat Schneverdingen -gegen die Stimmen von Wählergemeinschaft und Bürgermeister Kasch/ CDU (!) - eine Resolution an alle Vereine, gegen Nazi-Einfluss aktiv zu werden. Der DGB forderte Stadtrat und TV Jahn als Veranstalter auf, den Kameraden nach Jahren endlich die Teilnahme am Internationalen Volkslauf des Heideblütenfestes zu verweigern. Das ginge nicht, da es «keine gerichtliche Handhabe» gebe, meinte der TV-Jahn-Vorsitzende, der gerade erst als stellvertretender Bürgermeister (SPD) der Rats-Resolution zugestimmt hatte.

25 KameradInnen, davon 20 in schwarzem Einheitsdress, zogen am 25.8.07 vor der NDR-Kamera im Block zur Volkslauf-Anmeldung. Darunter auch Kameraden aus Verden, Bremen und Lüneburg: Daniel Fürstenberg (NPD-Ratsherr im Heisenhof-Ort Dörverden), Roman Greifenstein (NPD-Landtagskandidat für Lüneburg), Marcel Schindler mit eintätowiertem Kluklux-Klan und verbotenem «Blood & Honour» auf dem Bauch.

Der TV Jahn verweigerte, sie unter der Gruppenbezeichnung «Snevern Jungs» zu notieren. Die 14 laufbereiten KameradInnen kamen am Start mit Widerwillen und Drohgebärden schließlich der Aufforderung nach, ihre T-Shirts so zu wenden, dass die Kameradschaftslogos und der Spruch («Wer von der Lüge lebt, muss die Wahrheit fürchten») nicht zu sehen waren. Auch Zettel mit ihrer «Weltnetz»-Adresse mussten weg.

Durch DGB und Antifas informiert, distanzierten sich viele SportlerInnen vor der TV-Kamera und kritisierten die Halbherzigkeit der lokalen Verantwortlichen. Viele Läufer brachten angebotene Antifa-Aufkleber auf ihrer Sportkleidung an. Eine Gruppe junger Frauen startete mit dem Trikot-Aufdruck «Schöner leben ohne Nazis». Während die jüngeren KameradInnen sich an die Auflagen hielten, zogen die Führer auf der 5 km-Strecke ihre T-Shirts erneut um, so dass ihre Nazi-Indentität wieder sichtbar wurde. Am Ziel wurden sie von Touristen und Schneverdingern mit Buh-Rufen und «Nazis raus» empfangen. Während die Lokalpresse z.T. nichts berichtete, z.T. die überregionalen Medien als «Aufwertung» für die Kameraden abtat, war im N3-TV-Bericht zu sehen, wie Führer M. Behrens Journalisten bedroht. Das hindert die NPD nicht, die Volkslauf-Beteiligung als nachahmenswert zu verkaufen.

Vor Ort wurden die AntifaschistInnen von sehr vielen SportlerInnen, Touristen und SchneverdingerInnen angesprochen. Bis auf eine Person sprachen sich alle gegen Nazi-Teilnahme am Volkslauf und gegen Nazis überhaupt aus, und verteilten Lob für den antifaschistischen Einsatz.

Außer dem TV-Jahn-Vorsitzenden (und stellv. Bürgermeister) war niemand aus der Politik zu sehen. Der TV Jahn war so schlau und strich wenige Tage zuvor aus der Internet-Ergebnisliste 2006 nachträglich die Gruppenbezeichnung «Snevern Jungs» (vergaß aber, das auch in den Listen der Vorjahre zu tun). Charly Braun vom DGB kritisiert die Verantwortlichen: «Ist das nicht ein Verhalten nach dem Motto: was ich nicht sehe, das gibt es nicht? Wieviel ist die Stadtratsresolution wert, wenn sie 12 Tage nach ihrer Geburt, schon bei ihrer ersten Anwendung nicht hält?» und er schlägt vor, künftig «antifaschistische Volksläufe gegen Rassismus» durchzuführen.

Im Weser-Kurier am 25.8.07 rät Gerd Bücker, Leiter der Clearingstelle zur Prävention gegen Rechtsextremismus im Landespräventionsrat Niedersachsen, den Schneverdinger Verantwortlichen: «das Problem offensiv anzugehen, möglichst geschlossen für die Demokratie auf die Straße zu gehen und Aufklärungsarbeit zu leisten - vor allem dort, wo Jugendliche sind. In der Jugendarbeit darf kein Vakuum entstehen, das Neonazis besetzen können.»

Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut nennt das Verharmlosen «fatal». Es erinnere ihn an Mügelns Bürgermeister, denn «Ignorieren und Verharmlosen sind die schlimmsten Fehler im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.» Der Landkreis Soltau-Fallingbostel hat laut Pfeiffer-Studie den zweithöchsten Wert fremdenfeindlicher Aussagen von Jugendlichen in Niedersachsen.

Nach soviel Kritik, hat nun die lokale SPD und sogar der Bürgermeister erklärt, dass was gegen Nazis getan werden müsse. DGB und Antifa-Initiative warten nicht darauf und setzen ihre Arbeit fort.

B/E

Quelle:  Antifaschistische Nachrichten

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post