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Bürger kämpfen gegen braune Kaderschmiede

22. Oktober 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Heimattreue Deutsche Jugend

Bürger kämpfen gegen braune Kaderschmiede

WR, 21.10.2008, Tim Müßle
Detmold. Die Bürger wehren den Anfängen. Dutzende Detmolder haben Angst um ihre Kinder und gründen das Bündnis „Berlebeck gegen Rechts”. Und stellen sich damit den Neonazis der rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) entgegen.

Denn diese versucht in der Umgebung, Nachwuchs zu rekrutieren - etwa durch Zeltlager. „Angefangen hat alles im Jahr 2006”, erinnert sich Harald Matz, Ortsvorsteher des Detmolder Stadtteils Berlebeck. Da veranstaltete die HDJ ein Sommerlager in einem Nachbarort. Die Detmolder wurden vor allem durch Medienberichte darauf aufmerksam - wesentliche Rolle spielte ein Foto aus dem Lager, das ein Schild mit der Aufschrift „Führerbunker” an einem der Zelte zeigt. Da beschlossen die Bürger, sich zu wehren. Mit Sonntagsspaziergängen und Informationsveranstaltungen über die Symbole, Musik und Kleidung der Neonazis.

Verbotsverfahren?

Erst am 9. Oktober rüttelte das Bundesinnenministerium die HDJ-Organisation in ganz Deutschland ordentlich durch: Wohnungen und Büros wurden durchsucht, möglicherweise belastendes Material beschlagnahmt. Das Material werde zurzeit ausgewertet, bestätigte Stefan Paris, Sprecher des Bundesinnenministeriums, gegenüber der WR. Experten schätzen, dass so ein Verbotsverfahren vorbereitet werden soll.

Anfang des Jahres trat die Rockband „Sportfreunde Stiller” bei einem Aktionstag in Detmold auf. Die Vereine der Stadt haben mitgemacht, ebenso die Kirchen. Sie wollen Kinder vor den rechten Rekrutierern schützen. So wie es aussieht, tun sie gut daran.

NS-Soldatenlieder am Lagerfeuer

Denn die Heimattreue Deutsche Jugend ist kein harmloser Zeltabenteuer-Verein. Sie zeigt in einem Werbefilm im Internet offen ihre Sympathie für die NS-Ästhetik nach Art von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel (BDM). Da prasseln Fackeln, eine schneidende Jungmannstimme dröhnt: „Wir suchen Kameraden.” Tragende Musik untermalt Bilder von Kindern und Jugendlichen, die sich eine Schneeballschlacht liefern. Alle stecken in schwarzen Uniformen.

Völkisch erzogen und militärisch gedrillt

„Wir suchen den Kämpfer”, tönt es. In den Zeltlagern selbst herrscht ein anderer Ton - alte NS-Soldatenlieder. Sagt eine, die es wissen muss: Die HDJ-Aussteigerin Tanja Privenau. „Sie werden völkisch erzogen, geschult, militärisch gedrillt”, erzählt sie in einem Radio-Beitrag des NDR. Nicht nur Führergruß und „Sieg Heil!”-Rufe zählen laut Privenau zum guten Ton bei der HDJ, sondern auch geschichtliche Abläufe: „Wer hat den Krieg begonnen? Natürlich nicht die Deutschen.” Es sind nicht nur wütende Kahlköpfe oder glatte Anzugträger, die sich im HDJ-Umfeld tummeln.

40 Mitglieder in NRW

Ein WDR-Beitrag zeigte ganze Familien in einem HDJ-Lager. Die Kinder sind kaum im Grundschulalter. Dabei ist die Organisation in NRW mit rund 40 Mitgliedern noch überschaubar. Bundesweit werden ihr gut 150 Menschen zugeordnet. Den Berlebeckern ist besonders die „Leitstelle West” ein Dorn im Auge, ein Funktionär der HDJ, den Dörflern bestens bekannt. „Er ist sich keiner Schuld bewusst”, erzählt Ortsvorsteher Matz. „Er stellt die Naturverbundenheit in den Vordergrund und spielt den politischen Aspekt herunter.” Dennoch, oder gerade deswegen: „Aufpassen ist unsere Devise.”

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