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Otto Brenner Preis für Andrea Röpke

10. Dezember 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #alternative Medien

Otto Brenner Preis 2008 für Kritischen Journalismus verliehen

Berlin, 22. Oktober 2008


Otto Brenner Preis 2008 für Kritischen Journalismus verliehen

Jürgen Peters: „Aktuelle Erfahrung zeigt wie wichtig aufgeklärter, unabhängiger und unbequemer Journalismus ist.“

Berlin – Die Otto Brenner Stiftung, die Wissenschaftsstiftung der IG Metall, hat am Mittwoch in Berlin die diesjährigen Preisträger des Otto-Brenner-Preises für Kritischen Journalismus „Gründliche Recherchen statt bestellter Wahrheiten“ ausgezeichnet. Anita und Marian Blasberg erhalten für ihren Beitrag „Abschiebeflug FHE 6842“ erschienen in DIE ZEIT, Magazin Leben, den ersten Preis. In der Begründung der Jury heißt es: „Eine grandiose Recherche und Journalismus in seiner besten Form mit einer schlimmen Botschaft: Die falsche Flüchtlingspolitik führt geradewegs in die Unmenschlichkeit. Mit ihrer Reportage über eine dieser EU-weit organisierten Zwangsdeportationen bringen Anita und Marian Blasberg das Schicksal der Abgeschobenen und die Kälte der eingesetzten bürokratischen Maschinerie in fesselnder Dichte und präziser Sprache den Lesern ganz nah.“

Der zweite Preis ging an den WDR-Autor Jürgen Döschner für seine Hörfunksendung „Fire and forget – Krieg als Geschäft“ über die Rüstungsindustrie. In der Begründung der Jury heißt es: „Jürgen Döschner hat mit seiner Hörfunksendung ‚Fire and Forget’ ein exzellentes Radiofeature vorgelegt. Hier kommt alles Gute zusammen: kritische Themensetzung und tief gehende Recherche, analytischer Zugriff und eine faszinierende, radiofone Gestaltung. Ein spannendes Hörerlebnis voller Anschaulichkeit, das aus Sicht der Jury für politische Aufklärung von hohen Graden sorgt.“

Mit dem dritten Preis werden Steffen Judzikowksi und Hans Koberstein ausgezeichnet. Die Redakteure des ZDF-Magazins Frontal 21 zeigen in ihrer Dokumentation „Das Kartell – Deutschland im Griff der Energiekonzerne“, wie die vier großen Energiekonzerne den Energiemarkt in Deutschland beherrschen. „Die Fernseh-Dokumentation schildert in vorbildlicher Form die Strukturen des deutschen Energiekomplexes und stellt mutig die Profiteure bloß. Der meisterhaft komponierte und hervorragend recherchierte Film dokumentiert zugleich, dass es auch im Fernsehen möglich ist, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich darzustellen“, heißt es in der Begründung der Jury.

In seiner Begrüßungsrede warf Jürgen Peters, Verwaltungsratsvorsitzender der Otto-Brenner-Stiftung, die Frage nach der Verantwortung der Medien in der Banken- und Börsenkrise auf. „Mit dem Finger auf die Bankenmanager zu zeigen, ist vollkommen richtig. Doch ist die Finanzkrise auch ein guter Grund für die übergroße Mehrheit der Wirtschaftsberichterstatter, in den Spiegel zu schauen und sich zu hinterfragen.“
Die aktuelle Erfahrung zeige, wie wichtig ein aufgeklärter, unabhängiger und unbequemer Journalismus für eine Gesellschaft. Dass dieser Anspruch eben nicht für Sonntagsreden tauge, sondern wahrhaft konstitutives Element der Demokratie sei. „Der Otto-Brenner-Preis atmet diesen Geist, er will den Journalisten, die sich diesem Anspruch stellen, eine Hilfe sein,“ sagte Peters.

Den Preis in der Kategorie „Spezial“ erhält Christian Bommarius von der Berliner Zeitung für seine Kommentare, Leitartikel und Meinungsbeiträge. „Die Jury würdigt einen Autor, der mit seinen Kommentaren und Leitartikeln die Grund- und Freiheitsrechte verteidigt – scharfsinnig, pointiert und wunderbar geschrieben. Der Leitartikel galt einst als Diamant des deutschen Journalismus. Bommarius bringt ihn wieder zum Glänzen. Er ist mit seinen Meinungsartikeln ein journalistischer Widerständler: Er leistet Widerstand gegen den Abbau des Rechtsstaats“, so die Bewertung der Jury.


Den Newcomer-/Medienprojektpreis bekommt die freie Journalistin

Andrea Röpke  für ihre Arbeiten zum Thema Rechtsextremismus. „Die Jury prämiert eine schwierige und akribische Rechercheleistung, sie würdigt die Hartnäckigkeit und den Mut der Autorin, die sich von Drohungen aus der Neonazi-Szene nicht hat abschrecken lassen. Andrea Röpkes Arbeit ist praktizierter Verfassungsschutz – journalistische Nothilfe für Demokratie und Grundrechte“, heißt es in der Begründung.


In Kooperation mit der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ sind zusätzlich drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Recherche-Stipendien vergeben worden. Die geplanten Themen der geförderten Journalisten sind unter anderen „Kinderhandel in der Ukraine“ von Clemens Hoffmann und „Das Geschäft mit illegalen Einwanderern“ von Veronica Frenzel. Mit den Stipendien soll den Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit gegeben werden, frei von ökonomischen Zwängen und mit professioneller Begleitung ihre Projektthemen recherchieren zu können.

Die Preisträger wurden aus mehr als 500 Einsendungen ausgewählt. Insgesamt wurden zum vierten Mal sieben Auszeichnungen mit einem Preisgeld von insgesamt 45.000 Euro vergeben. Zu den Jury-Mitgliedern gehören Sonia Mikich (Monitor, WDR), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Dr. Volker Lilienthal (epd Medien), Dr. Thomas Leif (Netzwerk Recherche), Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) und Jürgen Peters (Verwaltungsratsvorsitzender der Otto-Brenner-Stiftung).

Hinweis: Weitere Informationen über die Preisverleihung am 22. Oktober 2008 finden Sie unter www.otto-brenner-stiftung.de.

Adresse:

Otto Brenner Stiftung
Wilhelm-Leuschner-Str. 79
60329 Frankfurt am Main
Tel: 069 / 6693 - 2808
Fax: 069 / 6693 - 2786
Email: obs@igmetall.de

Weitere Infos: www.otto-brenner-preis.de

Download: Pressemitteilung vom 22. Oktober 2008 [PDF - 80 KB]
Link: Pressemeldung des epd vom 25. Oktober 2008

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