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Resolution des Schulvorstands der IGS Linden zur geplanten Einführung des „Turboabiturs“

15. März 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bildung

Resolution des Schulvorstands der IGS Linden zur geplanten

 Einführung des „Turboabiturs“ an den niedersächsischen Gesamtschulen

einstimmig beschlossen auf der Sitzung am 26. 02. 2009

 

Der Schulvorstand der IGS Linden spricht sich entschieden gegen den mit der Einführung des „Turboabiturs“ notwendig verbundenen zerstörerischen Eingriff in die integrative Struktur der Sekundarstufe I aus. Eltern, Schüler und Lehrer wollen, dass  die Integrierte Gesamtschule in ihrer jetzigen Form als die Schule ihrer Wahl erhalten bleibt.

 

Die geplante künftige Gesamtschule mit einem Abitur nach 12 Jahren hätte mit der heutigen nichts mehr zu tun. Die Sekundarstufe I würde sich bis zur Unkenntlichkeit verändern. Schülerinnen und Schüler, die einmal das Abitur machen sollen, müssten frühzeitig gesondert unterrichtet und aus dem integrativen Unterricht und Schulleben herausgelöst werden. Auch in der IGS müsste ab Jahrgang 5 eine Aufteilung – äußere Differenzierung in welcher Form auch immer - stattfinden. An eine  gemeinsame Ganztagserziehung  wäre nicht mehr zu denken: „Gymnasialschüler“ hätten einen anderen Stundenplan als ihre Mitschüler. Endgültig getrennt würden die Schüler/innen am Ende des 9. Jahrgangs.

Letztlich bedeutet all dies, dass das gegliederte Schulwesen in die IGS Einzug hält und sie in ihrer Substanz und in ihrem Wesensgehalt zerstört.

 

Integrierte Gesamtschulen stehen zur Zeit im Wettbewerb mit dem dreigliedrigen Schulwesen sehr gut da. Sie werden zunehmend nachgefragt, sowohl bei den Anmeldungen im 5. Jg. als auch im 11. Jg. Eltern und Kinder sind mit der IGS zufrieden. Allenthalben gibt es Initiativen zur Gründung neuer Gesamtschulen. Fast scheint es so, als würde den IGSen dieser verdiente Erfolg nicht gegönnt und als sollten sie für ihn bestraft werden.

 

Der Erfolg bestätigt aber doch nur, dass die Gesamtschulen die Zeit, die sie ihren Schülern zur Entwicklung einräumen, pädagogisch sinnvoll nutzen. Im Ganztagsbetrieb werden Kinder individuell gefördert, haben Zeit für AGs, in denen sie z.B. technische Versuche oder naturwissenschaftliche Experimente durchführen oder in Schreibwerkstätten literarische Erfahrungen sammeln.

 

Für die Ganztags- und Förderkonzepte, die Vorbereitung der Schüler/innen auf Beruf, Ausbildung und Universität erhalten die Integrierten Gesamtschulen Bestnoten in der Inspektion, liegen beim Wettbewerb um den Deutschen Schulpreis seit Jahren ganz vorne und werden mit anderen Auszeichnungen bedacht. All diese Stärken erwachsen aus einer integrativen Pädagogik und integrativ ausgerichteten Organisation des Unterrichts und Schullebens.

 

Das gilt auch für die Maßnahmen und Projekte, für die sechs Gesamtschulen aus der Hand des Ministerpräsidenten das Gütesiegel „Berufswahl- und Ausbildungsfreundliche Schule in der Region“ erhalten. Mit anderen Worten: Die IGSen werden für ein Programm ausgezeichnet, dessen Durchführung ihnen künftig angesichts der zu befürchtenden Eingriffe in ihre integrative Struktur nicht mehr möglich sein wird.

 

 

 

 

Die IGSen haben sich der Chancengleichheit im Bildungsprozess verschrieben: Kein Kind soll zurückbleiben, alle Bildungsreserven sollen ausgeschöpft werden – und jedes Kind soll den besten ihm erreichbaren Abschluss machen können. Dazu ist Zeit erforderlich; bei benachteiligten Schülerinnen und Schülern wird häufig erst im 9. oder 10. Jahrgang, nach intensiver und erprobter Förderung im IGS-Ganztagsbetrieb, klar, dass sie auch die Oberstufe und das Abitur schaffen können. Auch hier gibt der Erfolg den Integrierten Gesamtschulen recht: Sie gewährleisten durch ihre Arbeit, dass besonders viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund Abitur machen können.

 

All das wird übersehen, wenn die Landesregierung „Chancengleichheit“ zwischen dem Gymnasien und der IGS fordert. Welches Gymnasium würde sich wohl ein Abitur nach 8 Jahren zutrauen, das, wie es für die IGSen ganz selbstverständlich ist, im 5. Jahrgang mit einer Mischung aus Kindern anfinge, die von den Grundschullehrern zu je einem Drittel das Gutachten für die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium erhalten haben?

 

Der Schulvorstand befürchtet, dass in Zukunft auch an den IGSen dem Turboabitur die Durchlässigkeit nach oben geopfert wird und frühzeitige Selektion die bestmögliche individuelle Entwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers verhindert.

 

Der Schulvorstand der IGS Linden fordert den Erhalt der Integrativen Gesamtschule und die Beibehaltung des Abiturs nach 13 Jahren.

 

 

 

 

 

 

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