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Kampagne zur Förderung der Gemeinschaft Schwarzer Menschen in Deutschland

13. Mai 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antirassismus | Asyl

Schwarz und Stolz

                 Kampagne zur Förderung der Gemeinschaft Schwarzer  Menschen in  Deutschland

 (c) 2009 Tibor Sturm / Noah Sow

 

Egal, welche Hautfarbe du hastEgal, woher du kommstEgal, wohin du mal gehen wirst - SEI STOLZ AUF DICH !

 

Wir schreiben das Jahr 2009. Noch immer sind rassistisch motivierte Diskriminierung und Überfälle in Deutschland an der Tagesordnung. Die Frage, wann die vorhandene öffentliche, politische und zivilgesellschaftliche Sensibilität gegenüber Diskriminierungen bzw. rassistischen Handlungen verstärkt wird, kann nur dadurch verdeutlicht werden, dass die Personen, die Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt sind, Zeichen setzen.

 

Deutschland soll ein Land mit den gleichen Chancen und Möglichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger werden. Es ist uns daher ein dringendes Anliegen, Rassismus seine Grundlagen zu entziehen.

 

Um Deutschland hierbei mit geeigneten Mitteln maßgeblich zu unterstützen und Experten diese Arbeit tun zu lassen, muss selbstbestimmte Aufklärungsarbeit gefördert werden.

 

Schwarze* Menschen sind im gesamten öffentlichen Diskurs  wie z.B. der Schule, dem Arbeits- und Lebensumfeld, in Medien oder bei Behörden noch heute diskriminierenden, aus  kolonialen Vorzeiten bestehenden rassistischen Bezeichnungen ausgesetzt, ohne das dies von der Mehrheitsgesellschaft wesentlich wahrgenommen und bekämpft wird. Aus Gründen wie diesen hat es sich die Kampagne „Schwarz und Stolz“ zur Aufgabe gemacht, durch öffentliche Aktionen für die Belange Schwarzer Menschen in Deutschland einzutreten.

Am 18.07.2009 ruft die Kampagne zum ersten Aufmarsch Schwarzer Menschen in Deutschland auf. An diesem Tag werden während der Kundgebung  von Politikern und Medien ff. Themen gefordert:

if !supportLists]-->1.     <!--[endif]-->Rassismus WIRKSAM bekämpfen

<!--[if !supportLists]-->2.     <!--[endif]-->Diskriminierungssachverhalten aufklärend und präventiv Entgegenwirken

<!--[if !supportLists]-->3.     <!--[endif]-->Für den Grundsatz der Menschenwürde  eintreten

<!--[if !supportLists]-->4.     <!--[endif]--> Gleichberechtigung auf allen Ebenen erreichen

<!--[if !supportLists]-->5.     <!--[endif]-->Vielfältigkeit anerkennen

 

1.     

 

Rassismus

Rassismus ist im alltäglichen Leben auf allen Ebenen gesellschaftlicher Strukturen vorhanden. Im Leben von Schwarzen Menschen in Deutschland gehören rassistische Vorkommnisse zum „normalen“ Tagesablauf. Kinder werden bereits im Kindergarten mit dem Bild vom außergewöhnlichen, exotischen Schwarzen Menschen  in Liedern und Märchen konfrontiert und dazu gedrängt, diese rassistische Konnotationen als „normal“ zu empfinden. Im Geschichtsunterricht an Schulen wird die Zeit des Kolonialismus oftmals am Beispiel des Sklavenhandels unter Verwendung des damals geläufigen kolonialrassistischen „N-Wortes“ dargestellt. Noch heute gibt es Schulbücher und Lehrer, die „10 kleine N....lein“ für den Unterricht empfehlen.

 

Koloniale Konstrukte wurden nicht dekonstruiert sondern verklärt und halten sich daher hartnäckig im Konsens der Mehrheitsgesellschaft. Im Ergebnis werden Schwarze Menschen in Deutschland weiterhin rassifiziert und diskriminiert.

 

So lange die Angehörigen der Mehrheitskultur als naturgegeben dominant dargestellt bleiben, und so lange auch die Medien ein verzerrtes Bild von der Identität Deutschlands wiedergeben, so lange wird der Nährboden für Rassismus aufrechterhalten bleiben, auf dem hier seit etlichen Jahren unter anderem

 

- gewalttätige Übergriffe

 

- geringeres Selbstbewusstsein und damit Chancenminderung für Kinder weil sie nicht weiß sind

 

- Zugang zu vollständiger Demokratie und persönlicher Freiheit nur  für einen Teil der Bevölkerung bestehen.

 

 

Deutschlands koloniale Vergangenheit wurde bis dato nicht präzise aufgearbeitet.

In weiten Teilen des Landes ist über diese Epoche sogar heute noch nichts oder nur geografisch-Rudimentäres in der Schule zu lernen.

Un-verklärte Informationsvermittlung über Deutschlands koloniale Aktivitäten, der damit verbundenen institutionellen Entmenschlichung und Rassifizierung Schwarzer Menschen und insbesondere auch über die Folgen, die sich daraus ergeben haben, findet seitens unseres Staates und seines Bildungssystems kaum statt. Es werden nach wie vor neue Denkmäler für Kolonial"herren" errichtet und Gebäude und Straßen nach ehemaligen Sklavenhändlern benannt, die für ihre Taten aufgrund mangelnder Aufklärung in Deutschland heute noch großes Ansehen genießen.

 

 

Die in der Kolonialzeit wurzelnden Vorurteile Weißer über Schwarze Menschen halten sich durch eben diese verklärende öffentliche Haltung hartnäckig bis heute im gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens, was sich in insbesondere anhaltender Klassifizierung, Marginalisierung und verschiedensten Dominierungsstrategien fortschreibt.

Eine Aufklärung der Gesamtgesellschaft ist hierbei bisher in so geringem Umfang erfolgt, dass dieses Verhalten gar nicht generell als "rassistisch" eingestuft wird. Dieser un-aufgeklärte Zustand erschwert jedoch jede ernsthafte Arbeit zum Erreichen eines demokratischen Zustandes, der für alle Menschen in Deutschland Gültigkeit hat und Chancengleichheit garantiert. 

 

Unsere Medienlandschaft stellt Schwarze Menschen größtenteils defizitär bzw. beladen mit Stereotypisierungen eines von der Mehrheitsgesellschaft konstruierten Bildes dar, das kolonialen Phantasien näher ist als Schwarzer deutscher Lebensrealität. Dies führt dazu, dass Schwarzen Menschen im bürgerlichen Leben oftmals eine vorurteilsbehaftete, negative und subtil rassistische oder exotisierende Grundstimmung begegnet. Auch im medialen Umfeld häufen sich „Witze“, Glossen, Cartoons, die Schwarze Menschen mit dem N-Wort bezeichnen und stereotypisieren, und die keinerlei sozialkritischen oder gar antirassistischen Hintergrund haben.

 

Schwarze Deutsche BürgerInnen sind in diesem Kontext von klein auf subtilen Rassismen ausgesetzt. Die Aufarbeitung ihrer Biografien, Geschichte und Lebensrealität wird durch das Ausblenden Schwarzer Menschen als integraler Bestandteil Deutschlands erschwert und geschieht so unzulänglich, fremdbestimmt. Unzählige Beispiele der jüngsten Vergangenheit zeigen deutlich auf, das Schwarze Deutsche trotz der weit zurückreichenden eigenen Geschichte noch immer in ein ethnisch fremdes „Klischee“ verbannt werden, obgleich sie mitunter die zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste... Generation von Schwarzen Deutschen repräsentieren. Von bildungspolitischen und medialen Organen wird mehrheitlich nichts unternommen, um diskriminierende Bilder richtigzustellen. Die Schwarze Deutsche BürgerIn bleibt weiterhin statistisch zwar Deutsch, doch wird sie aufgrund der Hautfarbe als Nicht-Deutsch angesehen sowie mit vielfältigen Vorurteilen assoziiert.

 

Die Kampagne „Schwarz und Stolz“ fordert eine nachhaltige Abarbeitung des noch immer als medial und bildungstechnisch defizitär anzusehenden Diskurses einer dominanten medialen Meinungsgeberin.

 

 

*Die Begriffe „schwarz“ und „weiß“ verstehen wir als konstruierte Zuordnungsmuster, auf die momentan noch nicht verzichtet werden kann, da ihre Wirkungsmacht bis heute weite Teile unserer sozialen und ökonomischen Realität beeinflussen. Unsere Zielsetzung ist es, diese Wirkungsmacht aufzuzeigen, mit dem Fernziel, durch diese Muster hindurchzugehen, und Rassismus aufzulösen.

 

Residenzplicht als rassistisches Instrument der Gesetzgeberin:

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Definition:

 Als Residenzpflicht bezeichnet man die Verpflichtung von Asylsuchenden und Geduldeten, ihren Wohnsitz in der Stadt bzw. dem Landkreis, manchmal dem Bundesland, einzunehmen, in dem die für sie zuständige Ausländerbehörde ist. Wollen sie diesen Bereich verlassen, zum Beispiel um Verwandte zu besuchen, müssen sie zuvor eine schriftliche Erlaubnis erbitten. Der Verstoß gegen die Residenzpflicht wird mit einem Bußgeld bestraft, im Wiederholungsfall droht ein Strafverfahren.

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Im Jahr 2009 jährt sich das Bundesdeutsche Grundgesetz zum sechzigsten Mal. In ebendiesem Grundgesetz ist unter anderem das Recht auf Freizügigkeit, das Recht auf freie Entwicklung der Persönlichkeit, das Diskrimierungsverbot  sowie das Recht auf Meinungsfreiheit und das Recht auf Schutz jeder Person verankert.

All diese Rechte sind für asylverfahrenssuchende und geduldete Personen im Bundesgebiet nicht existent. Trotz des statistisch erwiesenen Anstiegs rechtsextremer bzw. rassistisch motivierter Straftaten sieht der Staat noch immer keinen Handlungsbedarf bzgl. residenzpflichtiger Personen (Von den 1937 Personen, die im Jahr 2008 insgesamt Opfer eines politisch motivierten Gewaltverbrechens wurden, waren 60,3 Prozent Opfer rechter Gewalt, darunter zwei Tötungsdelikte. http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2009/04/entwicklung_politisch_motivierte_kriminalitaet.html). Sie werden oftmals den Gefahren rassistisch motivierter Straftaten ausgesetzt, ohne dass sie auf die im Grundgesetz verankerten Rechte wie z.B. dem Recht auf Schutz jeder Person, zurückgreifen können. Die Folgen hieraus sind oftmals psychische Traumata, Depressionen, suizidale Gedanken oder auch Verzweiflungstaten wie z.B. „Flucht“. Letztere führt wiederum oftmals zu Gerichtsverfahren wegen „Missachtung der Residenzpflicht“. Art. 1 GG sagt deutlich aus, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Hierdurch bekennt sich das Deutsche Volk zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

 

 

 

Wo aber bleibt allein dieser erste Artikel des Grundgesetzes bei Asylverfahrensstellerinnen bzw. geduldeten Menschen?

Das aktuellste Beispiel der Residenzpflicht-Willkür zeigt auf, wie das Recht auf Freizügigkeit  eines jeden Menschen in Deutschland für AsylverfahrensstellerInnen nicht gilt:

Felix Otto, ein langjähriges Mitglied von The VOICE Refugee Forum, war [Datum] infolge einer Polizeikontrolle auf der A4 zwischen Erfurt und Jena, wo er zusammen mit einem Freund unterwegs war, inhaftiert und in das Gefängnis Suhl-Goldlauter gebracht worden.

Hintergrund ist eine Bewährungsstrafe wegen Verletzung der Aufenthaltsbeschränkung (Residenzpflicht). Man warf Felix Otto vor, gegen Auflagen der Meldebehörde verstoßen zu haben. Deshalb war die Bewährung ausgesetzt worden. Nun muß er eine Gefängnisstrafe von acht Monaten verbüßen.

Fast ein dreiviertel Jahr muß Felix Otto dafür ins Gefängnis, weil er sein natürliches Recht in Anspruch genommen hat, wie ein freier Mensch zu leben, ein Recht, das Asylbewerbern in Deutschland verweigert wird.

Er hatte sich geweigert, das Asylbewerberheim, das kilometerweit vom nächsten größeren Ort in einem Stück Wald bei Juchhöh im Landkreis Schleiz an der Südgrenze Thüringens liegt, als seinen beständigen Aufenthaltsort zu akzeptieren, hatte sich dem totalitären Zugriff der Ausländerbehörde auf seine Person entzogen, wollte der ihm zwangsweise auferlegten sozialen Isolation entkommen.

Felix Otto hat sich lediglich genommen, was gemäß den Menschenrechten einem jedem Menschen, aber nicht einem Asylbewerber in Deutschland zusteht: Bewegungsfreiheit und ein Leben in einem Minimum an Würde.

Das deutsche Asylverfahrensgesetz aber macht es zu einem Verbrechen, die Grenze des zugeteilten Landkreises ohne Genehmigung der Ausländerbehörde auch nur zu überschreiten. Wer das Gefängnis des Landkreises, zu dem man als Asylbewerber ohne irgendein Verbrechen für Jahre verurteilt ist, nicht anerkennt, wird mit Gefängnis bestraft.

(http://thevoiceforum.org/node/1212)

Deswegen stellt die Kampagne „Schwarz und Stolz“ den Antrag zur Aussetzung der Residenzpflicht vom 17.07.2009 (0.00 Uhr) bis zum 19.07.2009 (23.59 Uhr), so dass es jedem Menschen im Bundesgebiet freigestellt sei, am Marsch der schwarzen Menschen in Deutschland teilzunehmen. Desweiteren fordert die Kampagne die Genehmigung der Aussetzung, um vom Deutschen Staat eine Ankerkennung der unumstrittenen Diskussionswürdigkeit der Asylverfahrenspolitik zu erhalten.

 

 

Gleichberechtigung:

Artikel 3 GG sagt unter anderem aus, dass Niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf.

Im täglichen Leben und unter Berücksichtigung der alltäglich stattfindenden Rassismen, sind Schwarze Menschen in Deutschland häufig ungeachtet der Gleichberechtigungs-Bemühungen aufgrund noch immer unaufgeklärter, vorurteilsbehafteter Anschauungen seitens der sozialen Mehrheitsgesellschaftsschichten benachteiligt.

Die Kampagne „Schwarz und Stolz“ setzt sich, gemeinsam mit anderen Organisationen und Menschen der Schwarzen Gemeinschaft in Deutschland, entschieden dafür ein, den Gleichberechtigungs-Diskurs im gesellschaftlichen Gesamtkontext durch die Aufnahme schwarzer deutscher Geschichte zeitgerecht in ein als vielfältig bekanntes Deutschland zu ergänzen.

Schwarze Menschen in Deutschland bekleiden wichtige Positionen in der allgemeinen Gesellschaft. Dennoch werden sie als „Ausnahme der Regel“ wahrgenommen und als nicht uneingeschränkt zugehörig betrachtet. Die Kampagne „Schwarz und Stolz“ ruf deshalb zur Zeichensetzung für die Wahrnehmung Schwarzer Menschen in Deutschland als integraler Bestandteil des gesamtgesellschaftlichen Systems und gegen Rassismus zum ersten Aufmarsch schwarzer Menschen in Deutschland am 18.07.2009 in Berlin auf. Dieser Tag wird historisch als Orientierungspunkt vorangegangener, jahrelanger Gemeinschaftsbildungsarbeit zusammen mit Organisationen ebendieser Schwarzen deutschen Gemeinschaft in das gesamtdeutsche Bewusstsein eingehen.


ERST DURCH DICH WIRD AUS DEM UNS EIN WIR

Komm am 18.07.2009 zum ERSTEN MARSCH SCHWARZER MENSCHEN IN DEUTSCHLAND nach Berlin und zeig, dass WIR ALLE DEUTSCHLAND REPRÄSENTIEREN UND MIT ALL SEINEN VIELFÄLTIGEN GESICHTERN ERST DAS DEUTSCHLAND DARSTELLEN, DASS DIE WELT KENNT!

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