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Ausweitung der Kitastreiks geplant

16. Mai 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Thema des Tages


Ausweitung der Kitastreiks geplant

Köln/Berlin (dpa) - Nach dem Start einer unbefristeten Streikwelle an Kindertagesstätten wollen die Gewerkschaften den Arbeitskampf ausweiten. «Wir haben einen langen Atem», sagte ver.di-Chef Frank Bsirske am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Am Freitag wurden in sieben Bundesländern hunderte Kita-Einrichtungen lahmgelegt, das große Chaos blieb aber aus. Rund 11 000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter legten die Arbeit nieder, teilten die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit.

Mit dem Streik an kommunalen Kitas und Sozialeinrichtungen wollen die Beschäftigten Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen durchsetzen. Betroffen waren zunächst Kitas in Nordrhein-Westfalen, Hessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Bsirske kündigte an, dass vom kommenden Montag an auch in anderen Bundesländer wie Bayern und Niedersachsen gestreikt werde. Allein in Nordrhein-Westfalen wird mit 6000 Erziehern, Sozialarbeitern und Sozialpädagogen im Ausstand gerechnet. Erklärtes Ziel von ver.di und GEW ist es, den Gesundheitsschutz tarifvertraglich zu regeln.

Zehntausende Eltern mussten am Freitag für ihre Kinder eine andere Unterbringung organisieren oder sie selbst betreuen. Sie waren aber nach Gewerkschaftsangaben gut informiert und hatten sich frühzeitig um Alternativen bemüht. Not-Gruppen - wie in Mainz eingerichtet - waren schnell ausgebucht. Insgesamt besuchen in Deutschland rund 2,25 Millionen Kinder Tageseinrichtungen. Bundesweit gibt es knapp 50 000 Kitas, davon 17 000 in kommunaler Trägerschaft. Einrichtungen in privater Trägerschaft sind von der Streikwelle nicht betroffen.

«Die körperlichen und emotionalen Belastungen sind groß», sagte Bsirske. Vor allem die Lärmkonfrontation mit gemessenen Spitzenwerten von weit mehr als 100 Dezibel müsse alarmieren. «Das entspricht dem Wert eines startenden Düsenjets.» Muskel- und Skeletterkrankungen seien verbreitet, weil die Erzieherinnen ständig Kinder hochheben müssten. Bei einer Veranstaltung in Köln mit 2000 Streikenden forderte der ver.di-Chef einen Gesundheitstarifvertrag für die bundesweit 220 000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter bei den Kommunen.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) äußerte Verständnis für die Anliegen: «Dieser Beruf muss besser in der Bewertung werden», sagte sie in Hannover. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir erklärte, die Erzieherinnen machten zu Recht auf ihre «desolate Lage» aufmerksam. Nach Gewerkschaftsangaben können sich nur 26 Prozent der Erzieher und 58 Prozent der Sozialarbeiter vorstellen, bei den derzeitigen Arbeitsbedingungen das Rentenalter gesund zu erreichen.

Allein in Nordrhein-Westfalen blieben laut ver.di in 26 Städten kommunale Kitas dicht, mehr als 5500 Erzieherinnen kamen nicht zur Arbeit. In Rheinland-Pfalz beteiligten sich 1000 Erzieherinnen am Streik, in Mainz waren alle Kitas dicht. An 60 Kitas in Bremen und Bremerhaven war zu lesen: «Diese Einrichtung wird bestreikt.» Auch in Hessen lief der Arbeitskampf laut ver.di planmäßig. Im Saarland blieben zehn Kitas zu. In Schleswig-Holstein lag der Schwerpunkt in Kiel, 25 der 36 städtischen Kitas blieben geschlossen. «Wir haben eine höhere Streikbeteiligung, als wir ursprünglich gedacht haben», sagte ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen in Berlin.

Die Arbeitgeber kritisierten, es gehe den Gewerkschaften gar nicht um Gesundheitsschutz, sondern um mehr Geld. Dazu sagte Bsirske, er hoffe sowohl bei der Bezahlung als auch beim Gesundheitsschutz auf ein «baldiges Einvernehmen». Die GEW verlangte mit Blick auf die nächste Verhandlungsrunde am 27. Mai, die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) solle ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch legen und die «Hinhaltetaktik» beenden.

Der ver.di-Fachgruppenleiter für Soziales, Harald Giesecke, verwies auf das Beispiel skandinavischer Länder, wo bei Kita- Neubauten viel Wert auf lärmdämmende Decken und Wände gelegt werde. Er forderte, dass aus den Konjunkturpaketen Geld für solche Maßnahmen verwendet werden solle. Zudem müsse rückengerechteres Mobiliar angeschafft werden, sagte er der dpa. «Es muss eine Aufwertung sozialer Berufe geben, die Rahmenbedingungen sind dabei wichtiger als Geld.»

 


Artikel vom: 15.05.2009

Quelle: Walsroder Zeitung Online 15.05.2009

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