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Mit Gesang wird gekämpft. Streikdemo von Erzieherinnen und Heilpädagogen für Gesundheitsschutz.

27. Mai 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Mit Gesang wird gekämpft. 

Streikdemo von Erzieherinnen und Heilpädagogen für Gesundheitsschutz.


Die Lebenshilfe Walsrode wurde am 26.5.09 teilbestreikt und eine Kindertagesstätte in Soltau blieb geschlossen. Fünfzig Menschen demonstrierten unüberhör- und unübersehbar durch Soltaus Straßen. Einige Eltern mit Kindern und Sozialpädagogen von Freien Trägern aus Walsrode und Fallingbostel zogen solidarisch mit.

 

ver.di - Funktionär Charly Braun freute sich über soviel Courage. Hatten doch zwei Städte im Landkreis Soltau-Fallingbostel versucht, den Streik durch Androhung von Kündigungen und Schadensersatzforderungen zu verhindern. Braun, der auch dem Vorstand der Kita-Landeselternvertretung angehört, erklärte, dass sich derart undemokratisch gebärdende Bürgermeister, mal ins Grundgesetz schauen sollten. Und: "Arbeit mit Menschen macht hierzulande oft physisch und psychisch krank. Gesunde und soziale Bedingungen für Erzieherinnen nutzen auch unseren Kindern."

Brauns Rede wurde immer wieder unterbrochen von spontanen Rufen im Chor, wie "gegen Streß und Lärm und Schmutz, fordern wir Gesundheitsschutz!". 

 

Sabine Lobitz, Betriebsrätin der Lebenshilfe Walsrode, betonte in ihrer Rede, dass die Arbeit in viel zu großen Betreuungsgruppen zunehmend immer häufiger zu langen Krankheiten führe. "Wir wollen gesund ins Rentenalter kommen" fordert die Heilpädagogin.

Kita-Leiterin Stefanie Knoll begründet die Forderung nach einem Gesundheitsschutz-Tarifvertrag mit den vielfältigen Dauerbelastungen. "Rückenmerzen und seelisches Ausgebranntsein ist an der Tagesordnung" betont sie freundlich aber bestimmt.

 

Beim Zug durch die Straßen gabs häufig Applaus und aufmunternde Worte von Passanten. Kein Wunder, bewiesen die vielen Frauen und wenigen Männer doch kämpferische Kreativität. Da gab es neben ver.di-Fahnen bunt gestaltete Transparente, die mit gemalten Bildern die tägliche Arbeit aufs Korn nehmen. Während des Umzuges entstanden spontan Liedverse, die sogleich von allen mitgesungen wurden. Eine Kostprobe: "Eins zwei drei - Gesundheitsschutz herbei. Vier fünf sechs - wir hätten's gern relaxt. Sieben acht neun - da würden wir uns freun".

 

"Gute Leute machen gute Arbeit für Bildung von Anfang an" war immer wieder von den Streikenden zu hören.

Charly Braun erteilte unterm Rathausfenster Nachhilfe: "Die Bildungsanforderungen sind zu recht enorm gestiegen, die Arbeitsbedingungen hingegen schlechter geworden." Dazu sei die Bezahlung sozialer Arbeit oft ein Hohn. "Dass eine Erzieherin bei 30 Wochenstunden nur 1400 Euro brutto verdient, kommt auch hier im Landkreis vor. Dass bei uns andere Kita-Löhne gar so gering sind, dass noch mit HARTZ 4 aufgestockt werden muß, ist eine Hunger-Schande. Das steht in krassem Widerspruch zu den großmäuligen Versprechungen, in die Bildung investieren zu wollen."

 

Die Streikenden versprachen weitere unterschiedliche Proteste.

 

Es war kreativ lustvoll und kämpferisch zugleich, was was die Streikenden auf die Straße brachten.

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