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Mit Peter Fox und Rosenstolz: Nazis aus dem Takt bringen - ein MUT-Song-Contest auf MySpace

5. Juli 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Aktions Logo

Jetzt machen auch Marius Müller-Westernhagen, Polarkreis 18, 2raumwohnung, Söhne Mannheims, Eisblume, K.I.Z, Peter Fox und Rosenstolz mit. Smudo, BossHoss, Qietstorm und Oceana haben den Wettbewerb für Nachwuchsbands am 9. Juni gestartet... 

Von Holger Kulick
 und Julia Schörken


Die Idee hat viele Väter und einen Anlass. Als im Februar nach der GEHDENKEN-Demonstration gegen  Neonazis in Dresden, Gewerkschafter auf der Rückfahrt angegriffen wurden und am 1. Mai ähnliches in Dortmund geschah, fingen DGB-Chef Michael Sommer und Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu brüten an, was gemeinsam für ein „aktives Zeichen“ gegen Neonazis gesetzt werden könnte. Sie waren schockiert: In Dortmund hatten mehrere Rechtsextreme die Teilnehmer einer DGB-Kundgebung mit Steinen und Holzstangen attackiert.

Den Bundestagswahlkampf voraus war klar, es wird nicht lange dauern, da wird die rechtsextreme NPD wieder mit ihren Propaganda-Schulhof-CDs auf Dummenfang gehen und Jungwähler ködern, die es einfach cool finden, Nazi zu sein, weil man damit so schön provozieren und Frust ablassen kann. Wie dämlich (und lebensbedrohend) die Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen ist, die Neonazis vertreten, darüber machen sie sich kaum einen Kopf.


Bei der PK

Zugleich brüteten mehrere zivilgesellschaftliche Initiativen in Berlin, wie gemeinsam eine Neuauflage jener CD klappen könnte, die vor über einem Jahr Premiere hatte, aber längst vergriffen ist: „Starke Stimmen gegen Rechts“ mit Songs von Silbermond, SEEED, Jan Delay, Toten Hosen, Jennifer Rostock, Keimzeit undundund. Initiatoren waren u.a. die Initiative GesichtZeigen!, die Redaktion Blick nach rechts (www.bnr.de), das Jüdische Museum Berlin, und die MUT-Redaktion der Amadeu Antonio Stiftung. Zur Premiere konnte damals Außenminister Steinmeier gewonnen werden – und da schloss sich nun der Kreis.

Durch Zufall erfuhren beide Gruppen wieder voneinander, holten den Musikmanager Tim Renner und den Verband der Musikindustrie mit ins Boot und legen nun gemeinsam los: „Starke Stimmen gegen Rechts II“ wird künftig „Nazis aus dem Takt bringen“ heißen und in diesem Jahr zum Wettbewerb:


Boss und Hoss

Foto: The BOSSHOSS beim flammenden Appel für den Wettbewerb: "Wir finden es erschreckend, dass die neuen Nazis mit ihrem Rechtsrock seit Jahren Propaganda an den Schulen machen, ohne dass es ausreichende Gegeninitiativen gibt. Wir wollen mit unserem Beitrag junge Bands ermutigen vor Ort gegen rechten Mob aktiv zu werden. Rock ist alles nur nicht Rechts, wenn wir die neuen Nazis aus dem Takt bringen!". Die Band sitzt mit in der Jury, ebenfalls Smudo, Quiet Storm und Oceana.

Der Wettbewerb richtet sich vor allem an junge Musiker, die eine eigene Stimme oder Band haben, aber noch keinen Labelvertrag. An sie appellieren die Initiatoren:  "Wir wollen die Demokratie stark machen. Mit einem Wettbewerb für junge Bands, die eine klare Botschaft haben: Rechtsextremismus hat bei uns keinen Platz! Nicht im Internet, nicht in der Musik, nicht in der Schule, nirgendwo! Das aus der deutschen Geschichte gelernt zu haben, müsste doch möglich sein".

Das Procedere ist wie folgt:

1. Ihr braucht ein Bandprofil auf myspace.com, auf das ihr eure Musik hochgeladen habt.

2. Fügt die Seiten myspace.com/nazisausdemtaktbringen undmyspace.com/myspacebandradar als Freunde hinzu.

3. Schreibt uns auf myspace.com/nazisausdemtaktbringen zwischen dem 26.6. und 1.7.2009 einen Kommentar, in dem ihr euch und eure Musik vorstellt und sagt, warum gerade ihr es schafft, Nazis aus dem Takt zu bringen. Ihr nehmt so automatisch an dem „Nazis aus dem Takt bringen“- und „Myspace Featured Artist“- Wettbewerb teil.

4. Macht ordentlich Werbung und erzählt allen, dass ihr an dem Wettbewerb teilnehmt. Denn wenn euch die Jury mit Tim Renner, The BossHoss, Oceana, Smudo, Dieter Gorny und QuietStorm von Brothers Keepers - ihn hat die MUT-Redaktion nominiert, als eine von zehn Bands auswählt, braucht ihr eure Fans, um unter die ersten drei gevotet zu werden.

5. Gevotet wird vom 3.7. bis zum 10.7.2009. Die Songs der zehn besten Bands werden auf einer CD veröffentlicht, die drei Gewinner des Votings werden bei einem Konzert auftreten mit mindestens drei der übrigen „bekannten Bands“. BOSS HoSS überlegt auch, gemeinsam Titel aufzunehmen und auf eine Tournee zu gehen. Das Konzert und die CD-Premiere finden im September statt, wo, bleibt noch geheim.

6. Rockt mit uns gemeinsam, um Nazis endgültig aus dem Takt zu bringen. Legt los!


Oceana

"Mitmachen! Mutmachen!" bat die Soul-Sängerin Oceana. Sie habe es satt, in Orten aufzutreten, in denen die NPD 64 Jahre nach dem Untergang des Nazireichs noch Präsenz zeigen könne und Fremde Angst um ihr Leben haben müssen, nur weil ihre Hautfarbe nicht weiß sei. 

Auf der Pressekonferenz machten alle Initiatoren deutlich, für eine Gesellschaft eintreten zu wollen, "in der jede und jeder sich überall und ohne Angst frei bewegen und entfalten kann. Unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung." Angesichts von Gewalt und Einschüchterung durch Nazis koste es oft Überwindung und Courage zu widersprechen. "Deshalb darf damit niemand allein stehen. Sich gemeinsam einmischen, das ist befreiend und macht Mut", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. „Musik entfacht eine emotionale Kraft, die politische Reden nicht erfassen können“, so Steinmeier. Mit Musik alleine sei natürlich Rechtsextremismus nicht zu besiegen, schränkte er ein, hier seien auch Lehrer, Eltern, Mitschüler und Nachbarn gefragt, um zu helfen, dass Nazis keinen Nachwuchs mehr ködern können. Dies geschieht nämlich häufig über das Verteilen von Demo-CDs vor Schulhöfen. Steinmeier hofft nun auf Diskussionen, die auf Schulhöfen, durch das junge Projekt angeregt, entfacht werden könnten. Auch die Politik müsse sich noch stärker engagieren und "alles daran setzen, die Programme des Bundes gegen Rechtsextremismus zu verstetigen".


Tim Renner am Pult

Mit Steinmeier trat Tim Renner vom Musiklabel MotorFM vor die Presse: "Rock und Pop sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zum Provozieren taugt das nicht mehr. Diese Lücke nutzen Nazibands. Wir sollten das nicht länger zulassen", sagte der frühere Musikmanager im Hinblick auf eine wachsende Musikszene am rechten Rand.

CD und Konzert, die am Ende dieses Wettbewerbs stehen, sollen für die Idee eines  Miteinanders werben - in einer Kultur geprägt von Toleranz und Akzeptanz. "Dass es Nazis überhaupt noch gibt, die andere Menschen ausgrenzen und für minderwertig erklären", so BOSSHOSS, sei entsetzlich und beschämend. Einer ihrer Musiker stamme aus Madagaskar, in manchen Orten bleibe er nach Konzerten lieber im Teambus zurück und gehe nicht unter die Leute - weil er einfach nur wegen seiner Hautfarbe Aggressionen zu spüren bekommt. "Doch gerade in Deutschland" dürfe so etwas "nie wieder sein!". 

Eine Merkwürdigkeit aufspießen, müssen wir am Ende noch."nazisausdemtaktbringen" ist trotz starker Steinmeier-Rückendeckung  keine Parteiveranstaltung, sondern mehr als 30 Initiativen machen mit - wurden aber, abgesehen vom DGB, fast mit keinem Wort auf der Pressekonferenz erwähnt. Und als die MUT-Redaktion während der PK eine Frage stellte, nämlich danach, wie denn der Bundesaußenminister über das Mittel Musik hinaus an jene Jugendlichen herankommen will, die das Neonazidasein derzeit scheinbar wählbar finden (wie zwei Tage zuvor bei den Kommunalwahlen am 7. Juni in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen teilweise geschehen), da kam sogleich eine Pressechefin der SPD auf den Fragesteller zu und ermahnte: "Ich möchte Sie darauf hinweisen, hier sind nur Fragen erlaubt, die mit dem Thema zu tun haben".  Doch es ging genau um das.  


Plakat

Unterstützer der Aktion sind bis heute: 

A&B FACE2NET GmbH
Aktion Sühnezeichen
Amadeu Antonio Stiftung - Mut gegen rechte Gewalt
AWO Bundesverband e.V.
bnr.de - Blick nach rechts
Bund der Katholischen Jugend
Bundesverband Musikindustrie
BUTTER. Agentur für Werbung GmbH
Compact Team
Deutsche Schreberjugend
DGB Jugend
DGB - Deutscher Gewerkschaftsbund
Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.
Jüdisches Museum Berlin
Jugendpresse Deutschland - Bundesverband junger Medienmacher
Jusos in der SPD
Laut gegen Nazis
Motor Entertainment GmbH
myspace.com
Naturfreundejugend Deutschlands
NGG - Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
NGG Jugend
Schule ohne Rassismus
Solidaritätsjugend
Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken
Tolerantes Brandenburg
ver.di Jugend
Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.

SPENDEN FÜR DIE AKTION BITTE AN:

stern MUT Aktion gegen rechte Gewalt
Kennwort: CD-Projekt
Deutsche Bank
Konto 030331329
BLZ 50970004

MEHR ZUM WETTBEWERB: 

www.nazisausdemtaktbringen.de &www.myspace.com/nazisausdemtaktbringen

MEHR ZUM THEMA:

"Unsere Geschichte lehrt uns auf der Hut zu sein" - Ein MUT-Interview mit Frank-Walter Steinmeier 

The best Song ever?  "Schrei nach Liebe von den Ärzten"

UND NOCH EIN SONG-WETTBEWERB:

Die Soundwahl für Demokratie in Berlin-Brandenburg


www.mut-gegen-rechte-gewalt.de /  Fotos: Holger Kulick 


10.06.2009

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