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„Wir wollen keine Nazis auf unseren Straßen“

25. Juli 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Bad Nenndorf / Demonstration

„Wir wollen keine Nazis auf unseren Straßen“

Bad Nenndorf. Erstmals mit geballten demokratischen Kräften wollen Bad Nenndorfer und Rodenberger dem „Trauermarsch“ der Neonazis am 1. August entgegen treten. Etwa 40 Delegierte aus Vereinen, Organisationen, Kindergärten, Staatsbad, Kirche, Polizei und Parteien sind zum Treffen ins Hotel „Hannover“ gekommen, zu dem die Stadt unter Ausschluss der Presse eingeladen hatte.


Dieses Jahr müssen Rechtsextremisten mit Gegenwind aus den Reihen der Bürger rechnen. Ein Fazit, das im Pressegespräch nach der Versammlung deutlich geworden ist. Stadtdirektor Bernd Reese brachte das Anliegen auf den Punkt: „Die Taktik, die Neonazis durch Ignorieren und Geringschätzung zu vertreiben, ist nicht aufgegangen.“ Zuletzt marschierten mehr als 400 „Trauernde“ Richtung Wincklerbad. Ohne breite gesellschaftliche Gegenwehr werden die Rechtsextremisten an Bad Nenndorf als Wallfahrtsort festhalten – mindestens bis zum Jahr 2030. Solange ist die alljährliche Propagandaveranstaltung der „Freien Kameradschaften“ beim Landkreis angemeldet. Ein Zustand, der von zunehmend mehr Bürgern als unerträglich empfunden wird. 

„Dieses Jahr besteht ein ganz anderes Echo in der Bevölkerung“, bestätigte DGB-Regionssekretär Steffen Holz als Veranstalter der Gegendemonstration und betonte, dass ein Großteil der 600 Unterschriften von Unterstützern aus der Samtgemeinde stamme. Auf Unverständnis stieß die Tatsache, dass es aktuell keine Handhabe gebe, die Neonaziaufmärsche zu verbieten. Dies sei nach derzeitigem Recht nicht zu verhindern, bedauerte Polizeichef Michael-Andreas Meier. In Wunsiedel habe es 14 Jahre gedauert, die Aufmärsche zu beenden. „Das beste Signal wäre, mit 10 000 Bad Nenndorfern zu zeigen: Wir wollen keine Nazis auf unseren Straßen“, waren sich die Beteiligten einig. Aus diesem Grund sind Mitmachaktionen geplant, „um optisch und akustisch gegen zu halten“, erklärte Reese. „Wir wollen aus einer Trauermeile eine kreative Meile machen.“ 

Wer welche Aufgabe übernimmt, blieb offen. Fest steht allerdings: Alle, die mitmachen wollen, sollen sich am Freitag, 31. Juli, um 14 Uhr beim Schlammbadehaus zur Vorbereitung einfinden und möglichst bunte Schals und Krawatten mitbringen. Damit soll von vielen helfenden Händen das Wincklerbad farbenfroh gestaltet werden. Kreative Ideen sind auch für die Kleidung der Teilnehmer an der Gegendemonstration am 1. August erwünscht. „Alles nur nicht schwarz“, heißt hier die Devise. KurT-Chefin Silke Busche regte an, Firmen als Sponsoren für eine bunte Ausstattung zu gewinnen. „Ist von der Stadt irgendwas angeschafft worden wie Mützen?“, fragte CDU-Fraktionsvorsitzende Ellen Hültenschmidt. Reese berichtete von 500 Luftballons und Fähnchen. Mehr Geld auszugeben, sei Bürgermeisterin Gudrun Olk zuwider: „Aber es steht jedem frei, eigene Beiträge zu leisten.“ Sie habe vor, mit Tanz ein Zeichen gegen den „Trauermarsch“ zu setzen. „Wir wollen die Aktion der Neonazis karikieren.“ 

Im Pressegespräch ließ sich Olk von Holz überzeugen, einen Redebeitrag bei der Auftaktkundgebung an der Bornstraße zu leisten. Im Demonstrationszug wird die Bürgermeisterin gemeinsam mit dem Stadtdirektor hinter dem Transparent „Bad Nenndorf wehrt sich!“ hergehen. Im Vorfeld soll es Besuche bei den Anliegern in Bahnhofs- und Poststraße geben. Wer an dieser Strecke wohnt, ist aufgerufen, Vorgarten und Fenster bunt zu schmücken. Als „Pflicht“ betrachten es die Vertreter der Stadt, Aushänge und vier unterschiedliche Transparente gegen Extremismus an dieser Strecke anzubringen. Als „Kür“ könnten die Ortseingänge berücksichtigt werden, sagte Reese. Angedacht ist auch, das Gewerbegebiet Gehrenbreite als Parkfläche auszuweisen. 

Warum es keinen gemeinsamen Pressetermin von DGB, „Bad Nenndorf ist bunt“ und der Stadt gegeben habe, begründete Holz mit Kommunikationsproblemen: „Wir haben nebeneinander geplant.“ Es sei wichtig, dass diesmal der DGB Anmelder der Gegendemo ist, betonte die Bürgermeisterin. „Das ist ein seriöser Anbieter, auf den sich Bad Nenndorf verlassen kann.“ Veranstalter Holz äußerte sich optimistisch: „Es ist ein neues Bewusstsein da in der Stadt. Wir hoffen auf eine beachtliche Teilnehmerzahl.“ Der Vorsitzende des Männergesangsvereins, Otto Engelking, selbst Zeitzeuge, betonte: „Ich bin auf jeden Fall dabei, um die Lügen der Neonazis zu widerlegen.“ tes

 

Quelle: Schaumburger Nachrichten 21.07.2009

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