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"Riegers" Vorposten

31. Juli 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Rieger - NPD

Amtsgericht Celle verneint im Fall der Faßberger Hotelbesetzung den Antrag auf „besondere Dringlichkeit“ des Insolvenzverwalters. Jetzt muss das Landgericht in Lüneburg am 4. August darüber entscheiden, ob die Aktion der Neonazis illegal ist. Aber auch wenn, sofort wird das Hotel wohl nicht geräumt werden.

Auf dem vergilbten braunen Holzschild an der Hauptstraße in Gerdehaus steht in altdeutscher Schrift: „Hier kannst du futtern wie bei Muttern“. Die Hotelschilder sind abmontiert worden. Dafür wehen jetzt zahlreiche Fahnen in den Farben des Deutschen Reiches auf dem weitläufigen, zugewachsenen Gelände. Aus den Fenstern des ehemaligen „Landhotels Gerhus“ hängt ein schwarzes Transparent mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand Celle“. An der Zufahrt weht eine schwarze Fahne, darunter ein weiteres Schild: „ Verändere das System – bevor es Dich verändert. Celle 73.“

Seit dem 17. Juli besetzen Neonazis aus der Region unter Führung von Dennis Bührig aus Celle das alte Hotel, sie geben an, es im Auftrag von Jürgen Rieger zu tun. Der will mit einem Pachtvertrag von 600 Euro monatlich seinen Anspruch an der umstrittenen Immobilie geltend machen. Zwangsverwalter Jens Wilhelm zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung des Amtsgerichtes. „Das ist nicht besonders glücklich und kommt auch überraschend“ schreibt er in seiner Pressemitteilung. Er ergänzt: „Selbst wenn Rieger Recht hätte und der Pachtvertrag wider Erwarten als gültig angesehen würde, gibt es in Deutschland nicht das Recht zur Selbstjustiz“.

Faßberg scheint zum Pilgerort für die regionale Szene geworden zu sein

„Ick kann jar nich so viel fressen, wie ich kotzen möchte“, dieser Spruch von Max Liebermann aus dem Jahr 1933 steht auf einem großen Transparent, inmitten einer Mahnwache, die seit Sonntag etwa 100 Meter vor dem Eingang täglich abgehalten wird. In bunter Schrift steht da auch: „ Haut ab!'“ und „Nazis raus aus Gerdehaus“. Eine Gruppe junger und älterer Leute aus der Region haben sich zu dieser Aktion entschlossen. Sie werden unterstützt von einem Ortsvorsteher und vom Pfarrer aus Unterlüß.

Ein bulliger Glatzkopf nähert sich vom bewaldeten Grundstück auf der gegenüberliegenden Hotelseite her und fotografiert die Demonstranten einzeln ab. Seit dem Wochenende zeigt die Polizei Dauerpräsenz. Bei einer Zusammenkunft von Rechten vor einer Kneipe in der Nähe wurde der Schlagstock eines 23-Jährigen aus Winsen sichergestellt. Der Neonazi gab sich als Kontaktmann von Rieger aus. Innerhalb der Neonazi-Szene an der Aller war es im letzten Jahr zu Waffenfunden und Informationen über Wehrsportübungen gekommen. Spielende Kinder toben vor dem Hotel herum. Dann steigen sie in einen ausgemusterten Bundeswehrbus aus Ratzeburg ein. Zwei kräftige schwarzgekleidete Neonazis mit Basecaps aus Hermannsburg kontrollieren den Eingang. Einer trägt: „Mein Leben für Odin“ auf dem Shirt.

Faßberg scheint zum Pilgerort für die regionale Szene geworden zu sein. Viele lassen sich hier mal blicken, sie wollen bei der Besetzung dabei gewesen sein. Am Wochenende wurde ihre Anzahl auf über 20 Anhänger geschätzt. Die „Kameradschaft Celle“ schwärmt auf ihrer Homepage, dass ein älterer Herr mit seinem Wagen ans Gelände kam, seine Solidarität betonte und den Neonazis „zwei extra mitgebrachte Kisten Bier“ geschenkt habe.

Der niedersächsische Verfassungsschutz hält die Besetzer für gefährlich, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet. „Das sind Leute, die auch hinlangen“, wenn sie meinen, dass sie provoziert werden“, betont Präsident Günther Heiß, „Ich kann mir vorstellen, dass sie durchaus handgreiflich werden“. Er bezeichnet den kürzlich verurteilten Bührig als „Riegers Vorposten in dem Hotel“. Auch eine andere, ältere Bekannte des umtriebigen Anwalts taucht im Zusammenhang mit Faßberg auf: Siv Annette von Fintel. Die Norwegerin hält die Domain von „Landhaus-Gerhus“. Im nahen Unterlüß betreibt sie den „Esoteris-Versand“, im Internet stellte sie einst Rieger als guten Freund dar. Auch versucht sie seit Jahren die Rieger-Immobilie in Hameln per Internet zu verkaufen.

Familie verfügt noch über ein weiteres leerstehendes Hotel in Reinsdorf

Vorrangige Aufgabe der Behörden ist es jetzt, die Seriosität des Pachtvertrages zu prüfen. Neonazi Rieger hatte ihn nur einen Tag vor dem Beschluss zur Zwangsverwaltung mit Elfriede Hennies, der Witwe des Altbesitzers, abgeschlossen. „Wir prüfen, ob es sich um einen Scheinvertrag handelt oder ob er vordatiert wurde“, räumte der zuständige Oberstaatsanwalt gegenüber dem „Abendblatt“ ein. Das Hotel gehört der Familie Hennies aus Apelern im Landkreis Schaumburg. Wegen Insolvenz wurde die Zuständigkeit an Zwangsverwalter Wilhelm übergeben. Rainer Hennies, der über Kontakte zum Umfeld von Ursula Haverbeck in Vlotho verfügt, lobt gegenüber den „Schaumburger Nachrichten“ die Verlässlichkeit Riegers, „nur Rieger hat Wort gehalten“. Angeblich habe dessen „Wilhelm-Tietjen-Stiftung“ seinem Vater in der Vergangenheit sogar schon 3 Millionen für das Hotel mit 80 Betten in der Lüneburger Heide geboten. Der Landwirt und seine Familie scheinen hoch zu pokern. Einen Investor für Faßberg, der rund 750 000 Euro für die Errichtung eines Seniorenheimes bot, hatten sie kürzlich abgelehnt.

Nazigegner aus der Region Schaumburg weisen besorgt darauf hin, dass die Familie noch über ein weiteres leerstehendes Hotel verfügt: das „Hotel Salzbach“ in Reinsdorf.

28. 07. 2009 - Andrea Röpke

Quelle: Blick nach Rechts 

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