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Gesamtschulen im Landkreis ROW

25. September 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bildung

"Nur ein überholter Entwurf“

Gesamtschule: Informant spielt Ergebnisse der Umfrage zu - Von Ines van Rahden

21.09.2009 16:00:00
Landkreis Rotenburg.  Eigentlich sollten die Ergebnisse der Gesamtschulumfrage erst im Oktober bekannt gegeben werden. Ein anonymer Informant machte der Kreisverwaltung nun einen Strich durch die Rechnung und spielte den Zeitungen erste Eckpunkte der Auswertung zu. Demnach haben sich 3.154 Befragte (58 Prozent) für die Beschulung ihres Kindes an einer IGS oder KGS ausgesprochen. Favorisierte Standorte sind Sittensen, Selsingen und Bothel.

"Wer es ablehnt, für die Öffentlichkeit transparent zu arbeiten, muss sich über Illoyalität nicht wundern. Dann müssen Andere das für die Verwaltungsspitze erledigen“, heißt es in seinem Anschreiben. Und weiter: "Das gilt erst recht, wenn bereits terminierte Sitzungen einiger politischer Gremien des Kreises (von September) auf Oktober verschoben wurden.“ 

Nach Auskunft des anonymen Schreibers sind insgesamt 7.336 Erziehungsberechtigte aller Erst- bis Viertklässler im Landkreis befragt worden. Zurückgegeben wurden 5.445 Fragebögen (74,2 Prozent), darunter 5.390 verwertbare Antworten. Die Rückläufe aus den Mittelzentren Bremervörde, Zeven und Rotenburg seien etwas geringer ausgefallen; viele Eltern aus den Städten hatten zudem "aus Protest“ oft handschriftliche Zusätze vorgenommen wie beispielsweise "Gesamtschule in Zeven“ oder "Gesamtschule in Rotenburg“. Für den Besuch eines Gymnasiums haben sich 1.195 (21,95 Prozent), für die Haupt- oder Realschule 692 (12,7 Prozent) der Befragten entschieden. Für die zusammengefasste Haupt- und Realschule stimmten 295 Eltern (5,5 Prozent). Der größte Teil der Eltern (58 Prozent) habe sich für die Gesamtschule ausgesprochen. 

In der Standort-Frage hätten sich die Eltern wie folgt entschieden: Sittensen: 156 Schüler; Selsingen: 147 Schüler; Bothel: 145 Schüler; Gnarrenburg: 128 Schüler; Lauenbrück: 93 Schüler; Visselhövede: 86 Schüler. Dabei handele es sich um Durchschnittszahlen aus den vier befragten Jahrgängen. 

"Bei den veröffentlichten Daten kann es sich nur um einen mittlerweile überholten Entwurf handeln“, erklärt Dr. Torsten Lühring auf Nachfrage der Rundschau. Aus dem Kreishaus stammen sie nicht und er wolle sie daher weder dementieren noch bestätigen. Lühring räumt aber ein, dass es sich um Zahlen der ersten Auszählung handeln könne. Der Dezernent fügt an, dass es Absprachen mit allen Beteiligten gegeben habe, über den aktuellen Stand der Auswertung Stillschweigen zu bewahren. "Wir wollten nicht mit halbgaren Fakten falsche Hoffnungen wecken.“ Schließlich müssten noch Langzeitprognosen zur Schülerzahlentwicklung in die Bewertung einfließen. Per Gesetz muss für die Errichtung einer Integrierten Gesamtschule über 14 Jahre die Bildung von fünf Klassen pro Jahrgang (130 Schüler) nachgewiesen werden. Ferner seien noch Wünsche von Erziehungsberechtigen aus den Nachbarkreisen zu addieren und die Zweit- und Drittwünsche zu gewichten, so der Dezernent. "Es kann also durchaus passieren, dass die Ergebnisse am Ende anders aussehen, als es der derzeitige Stand vermuten lässt.“ 

In Visselhövede und Bothel wurden die Zahlen mit Freude zur Kenntnis genommen. "Sie zeigen, dass der Kreis einer einzigen Gesamtschule im Süden nicht auskommt“, betont der Sprecher der Pro-IGS Visselhövede. In Bothel wird das Ergebnis als "Ohrfeige für die Landesregierung“ gewertet (siehe dazu auch unter www.rotenburger-rundschau.de) © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG

 

 

 

Bothel weit vor Visselhövede

Zahlen der Elternbefragung zeigen: gesamtschulen sind gewollt - Von Thomas Hartmann und Stephan Voigt

21.09.2009 10:31:00
Bothel/Visselhövede.  Die Zahlen liegen auf dem Tisch (siehe Bericht Seite 1): Wenn allein die Erststimmen aus der Elternbefragung für die Entscheidung herangezogen würden, bekäme Bothel eine Gesamtschule – Visselhövede nicht. Die Pro-IGS-Arbeitsgruppen in beiden Kommunen freuen sich aber über das deutliche Elternvotum für die Schulform an sich.

"Kreisweit betrachtet hatte Visselhövede mit seiner Randlage die schwierigste Ausgangsposition für die Befragung. Wir haben keine Nachbarn, von denen wir Schüler hinzugewinnen können. Insofern ist dies die original Visselhöveder Zahl. Wenn der monetäre Aspekt eine Rolle spielte, hätte Visselhövede eine gute Chance, denn: In Bothel müsste ausgebaut werden, während in Visselhövede gleichzeitig Schulraum leerstünde“, sagt Visselhövedes Bürgermeisterin Franka Strehse, nachdem sie von der Rundschau die vorab veröffentlichten Zahlen erfahren hatte. "Wenn wir jetzt nicht berücksichtigt werden, stellt sich die Frage, ob wir in einigen Jahren eine IGS gründen können, wenn die Hürde der Fünfzügigkeit fallen sollte. Dass wir in dieser Situation sind, dazu hat die CDU ihren Teil beigetragen.“

Die Sprecher der Pro-IGS Visselhövede sind zunächst einmal begeistert über das Gesamtergebnis: "Die Zahlen zeigen, dass der Landkreis mit einer einzigen Gesamtschule im Südkreis nicht auskommt. Visselhövede allein hat schon 86 Stimmen bekommen, 36 aus benachbarten Kommunen des Landkreises Soltau-Fallingbostel haben wir zusätzlich eingereicht. Sie tauchen in dieser Statistik nicht auf. Interessant ist außerdem noch die Auswertung der Zweitstimmen.“ Nun müsse der Landkreis entscheiden, ob er in Bothel anbaut, denn die Räume reichen für die Unterbringung aller Schüler schon bei der geforderten Fünfzügigkeit nicht aus. "Sollte es tatsächlich nur eine Gesamtschule geben und müssten interessierte Eltern ihre Kinder beispielsweise auch aus Visselhövede und Lauenbrück nach Bothel schicken, würde die Schule dort eher sechs-, sieben-, oder achtzügig werden. Die günstigste Variante für den Landkreis wäre die Einrichtung mehrerer gesamtschulen im Südkreis. Und das entspräche auch dem bekundeten Elternwillen.“

Karlheinz Krüger, Sprecher der Initiative Pro-IGS Bothel, freut sich ebenfalls über das Ergebnis und sieht darin eine Ohrfeige für die niedersächsische Landesregierung: "Wenn die Zahlen wirklich stimmen, sollte die Wulff-Regierung sich schnellstens überlegen, ob sie auf dem richtigen Weg mit ihrer Bildungspolitik ist.“ Mit Blick auf das Gesamtergebnis – 58 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Gesamtschule aus – betrachtet Krüger die niedersächsische Bildungspolitik als "pulverisiert“.

Speziell über das Ergebnis für Bothel freut er sich: "Bothel ist mit großem Abstand der meist genannte Standort im Südkreis. Es ergibt sich die unabdingbare Forderung zur Einrichtung einer IGS: Selbst wenn die Schülerzahlen zunächst aus demographischen Gründen abnehmen könnten, ist dieser Effekt klar durch die zusätzlichen Kinder aus Orten, die leider noch nicht zum Zuge kommen, zu amortisieren.“

An die Abgeordneten des Kreistages gerichtet, sagt Krüger, sie müssten sich angesichts der Zahlen überlegen, ob sie auf dem richtigen Weg sind: "Als Politiker sollte man nicht in seiner Gemeinde den Eltern zu verstehen geben, dass man alles Nötige für sie getan hat und dann bei der Resolutionsabstimmung wohl aus Fraktionszwang dagegen stimmen.“

Rüdiger Woltmann (CDU), Samtgemeindebürgermeister Bothels, erklärt, er hätte es besser gefunden, wenn die Ergebnisse auf offiziellem Wege an die Öffentlichkeit gelangt wären. Er fügt hinzu: "Die Zahlen an sich freuen mich aber. Sie machen mich zuversichtlich.“ Trotzdem sei die angestrebte Umwandlung der Wiedau-Schule in eine IGS noch nicht sicher, weil zunächst die Nachhaltigkeit bewiesen werden müsse und Investitionen in das Schulgebäude nötig seien. "Bis wir wirklich durch sind, sind noch viele Gespräche nötig. Ich bin kein Mensch, der jetzt schon jubelt“, bilanziert er.

In Visselhövede will die Pro-IGS das geplante Volksbegehren unterstützt, das momentan in Hannover angeschoben wird. Zur Abstimmung stehen neben der Abschaffung der hohen Hürden für die Einrichtung von gesamtschulen gleichzeitig die flächendeckende Einführung der vollen Halbtagsgrundschule und die Zurücknahme des Abiturs nach Klasse zwölf.

 

 

Druck aufrechterhalten

SPD konstatiert: Eltern wünschen Gesamtschulen

21.09.2009 11:41:00
Landkreis Rotenburg.  (r/gm). "Die Zahlen sind natürlich mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, aber deutlich wird, dass es eine große Nachfrage der Eltern nach mehr Gesamtschulen im Landkreis gibt“, stellt der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Bernd Wölbern, fest. Der Sozialdemokrat äußert sich, nachdem erste Ergebnisse zur kürzlich durchgeführten elternbefragung zur Schulstruktur im Landkreis Rotenburg durchgesickert sind.

"Der Wunsch nach Gesamtschulen im Landkreis ist deutlich. Gleichzeitig werden Hauptschulen und Realschulen immer weniger nachgefragt. Die Schulpolitik im Land und im Kreis muss endlich entschlossen darauf reagieren und bestehende Hürden abbauen.“

Sein Fraktionskollege Rüdiger Bruns (SPD) ergänzt: "Es war klar, dass es Enttäuschungen an dem einen oder anderen Standort geben musste. Das liegt in erster Linie an der geforderten Zahl von 130 Schülern pro Jahrgang, die von CDU und FDP ins Gesetz geschrieben wurde. Dies ist pädagogisch nicht zu begründen und wird den Verhältnissen im Landkreis überhaupt nicht gerecht. Das zeigen die Zahlen, soweit ich sie der Presse entnehmen konnte, ganz deutlich. Und da die Zahl der Schüler in den nächsten Jahren weiter zurückgehen wird, bleibt es bei der Forderung: Die Regierung Wulf muss den Weg für sinnvolle Lösungen frei machen.“

Landtagsabgeordneter Ralf Borngräber fügt hinzu: "Wir haben es in Hannover immer wieder mit Anträgen versucht, um die Situation zu verbessern. Wir haben beantragt, Gesamtschulen in Ausnahmefällen sogar bei einer Dreizügigkeit zuzulassen. Leider wurde das alles von CDU und FDP abgelehnt.“ Er kritisiert zudem erneut, dass es keine Informationsveranstaltung des Landkreises zur elternbefragung gegeben habe. 

Lars Klingbeil, Bundestagskandidat der SPD, betont, dass die "Kleinstaaterei" in der Bildungspolitik ein Ende haben müsse und deutschlandweit einheitliche Standards geschaffen werden müssten. Das sei überfällig. Das bestehende Zuständigkeitswirrwarr in Bildungsfragen verstehe der Bürger nicht.

Die Sozialdemokraten forderten die Eltern im Landkreis auf, den Druck aufrecht zu erhalten. "Wir hoffen, die vielen engagierten Eltern lassen sich nicht entmutigen, auch wenn ihre Stadt oder Gemeinde nicht zu den ersten neuen Gesamtschulstandorten gehört. Nur wenn der Druck der Eltern im Landkreis Rotenburg aufrecht erhalten bleibt, können weitere Standorte entstehen“, machten die SPD-Vertreter deutlich. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG


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