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Abschiebung? Nicht mit uns!

9. August 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antirassismus | Asyl

08.08.2011
 

Versteckte Asylbewerber

Abschiebung? Nicht mit uns!

Von Christian Gehrke

Ostseebad Kühlungsborn: Wer versteckt die Asylbewerber? Die Bürger halten dicht
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DPA

Ostseebad Kühlungsborn: Wer versteckt die Asylbewerber? Die Bürger halten dicht

Berlin/Kühlungsborn - Der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geht in die heiße Phase. Ein großes Thema, das für Spannung sorgt, haben die politischen Kontrahenten nicht - aber nun sorgt die geplante Abschiebung einer armenischen Familie für Aufregung. Selbst Ministerpräsident Erwin Sellering hat sich eingeschaltet.

Seit 13 Jahren leben die Baveyans aus Armenien in Kühlungsborn an der Ostsee, nun soll das Ehepaar mit zwei Kindern abgeschoben werden. Doch Mitbürger verstecken die Familie seit zehn Tagen vor den Behörden - und die ganze Stadt hält dicht.

 


Es geht um Artur Baveyan und seine Familie. Vor 13 Jahren kam der Armenier mit seiner Frau Kristine als politisch verfolgter Asylbewerber in das mecklenburgische Kühlungsborn. Das Paar engagierte sich im Ort, hatte sehr schnell viele Freunde. Ihre beiden Kinder Geworg, 12, und Anne, 9, wurden in Deutschland geboren, gingen in den Kindergarten, wuchsen mit der deutschen Sprache und Kultur auf.

 

Die Kinder haben in der Schule gute Noten und sind im Sportverein aktiv. Kristine Baveyan hilft älteren Menschen in deren Alltag. Artur Baveyan selbst betreibt einen Dönerstand. Die Baveyans sorgen für sich selbst - auch deswegen sind sie beliebt in Kühlungsborn.

Die Abstimmung fiel knapp aus: Abschiebung

Doch nun soll die Familie abgeschoben werden. Im Februar dieses Jahres stimmte eine Kommission des Innenministeriums erneut über den weiteren Verbleib der Familie ab. Das Votum fiel knapp zu Ungunsten der Baveyans aus. Wahrscheinlich auch deswegen, weil weiterhin der Verdacht im Raum steht, dass der Vater in der Vergangenheit mehrfach straffällig geworden sei. Zu den genauen Vorwürfen schweigen die Behörden.

Ein Abschiebetermin wurde festgelegt. Am Dienstag hätte die Familie im Flugzeug nach Armenien sitzen sollen. Hätte.

Seit zehn Tagen fehlt jede Spur von ihnen. Es heißt, dass Bürger Kühlungsborns die Familie vor Polizei und Behörden verstecken. Wo, bleibt geheim, niemand sagt etwas. In Kühlungsborn hält man dicht. Um der Familie zu helfen, geht die Bevölkerung jetzt sogar auf die Straße.

Demo am Dönerstand

200 Einheimische, das ist sehr viel für den kleinen Urlaubsort, haben sich vor Baveyans Dönerstand versammelt. Transparente werden in die Sonne gehalten. Schüler und Lehrer sind gekommen, weil sie nicht wollen, dass Geworg und Anne, ihre Freunde und Schulkameraden, gehen müssen.

Fußballer des FSV Kühlungsborn sind erschienen, weil sie auf ihren Stürmer Geworg aus der D-Jugend nicht verzichten können. Baveyans Arbeitskollegen sind da und auch Joachim Robrahn, der die Familie seit über sechs Jahren sehr gut kennt. Die Frau unterstützt den Rentner im Haushalt.

"Es geht hier vor allem um die Kinder. Wenn man sie jetzt abschieben würde, wären sie Ausländer im eigenen Land. Man kann nicht 13 Jahre eines Lebens einfach in einen Koffer packen und dann abreisen", sagt Joachim Robrahn. Jeder der Familie hätte mit maximal zwölf Kilogramm Gepäck ausreisen dürfen. Der Rest, alles, was sie sich aufgebaut haben, hätte zurückbleiben müssen. "Es tut mir sehr leid um die Kinder. Aber auch ich kann diesen Beschluss nicht beugen", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier SPIEGEL ONLINE.

Sellering für Wiederaufnahme des Verfahrens

Seitdem die Geschichte der Familie Baveyan überregionale Aufmerksamkeit erregt, hat sich Ministerpräsident Erwin Sellering ebenfalls in die Sache eingeschaltet. Laut seinem Regierungssprecher möchte Sellering, dass der Fall erneut vor die Kommission kommt und dann noch einmal entschieden wird.

 

Die Familie bleibt weiter im Versteck.

 

Ihnen geht es im Moment schlecht. "Sie schrecken bei jeder Sirene zusammen, die sie hören, und haben große Angst. Die Kinder sind traumatisiert. Die Frau benötigt eigentlich psychologische Betreuung. Auch körperlich geht es ihr nicht gut", sagt ein junger Mann, der in engem Kontakt zur Familie steht.

"Wir haben hier an der Ostsee weniger mit Ausländern zu tun. Die Baveyans sind aber gut integriert", sagt Kühlungsborns stellvertretende Bürgermeisterin Jeane Wohlschlegel. "Wenn es um Abschiebung geht, sollte in Zukunft individueller entschieden werden. Und hier geht es ja auch um Kinder, die fließend Deutsch sprechen, gute Noten haben und denen in Deutschland eine Perspektive offensteht."

Quelle: Spiegel Online

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