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AN 19.5.11 Dorfmark: Internat. Protest gegen Ludendorffer

19. Mai 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"

Antifaschistische Nachrichten Nr. 12    19.5.11

Internationaler Protest gegen Ludendorffer

Polizei behindert Bundestagsabgeordneten

Dorfmark/Bad Fallingbostel. Die sehr unterschiedliche Berichterstattung der Medien über die rassistischen Ludendorffer und die antifaschistischen Proteste am 22.4.11, erfordert unsere Stellungnahme. Im Gegensatz zu NDR und Weser-Kurier berichteten lokale Medien nicht oder stellten nachts zerstörte Hotel-Scheiben in den Mittelpunkt. Wir verweisen auf die neue Broschüre über Ludendorffer „Im Kampf gegen „überstaatliche Mächte“„, Herausgeber: ARUG (Arbeitsstelle gegen Rechtsextremismus). Da das Bürgermeister-geführte Bürgerbündnis gegen die Ludendorffer untätig ist, verließ ver.di das Bündnis, um mit anderen das „Bündnis gegen Ludendorffer“ zu gründen.


Gegen die völkisch-antisemitischen-antichristlichen Ludendorffer protestierten am Karfreitag 22.4.11 in Dorfmark den Tag über insgesamt 300 Menschen, darunter auch das Internationale Jugendworkcamp Bergen-Belsen mit Teilnehmenden u.a. aus Südafrika, Israel und osteuropäischen Ländern. Als angesichts der weiträumigen Straßensperrung der Grüne Bundestagsabgeordnete Sven Kindler sein Abgeordneten-Kontrollrecht gegenüber der Polizei wahrnehmen wollte, wurde er von der Polizei daran gehindert. Erst nachdem ein couragierter Medienvertreter sich einmischte, wurde ihm dies demokratische Recht zugestanden. Die engen Auflagen gegen den Protest sind das Ergebnis einer überdimensionierten Gefahrenprognose des Staatsschutzes. Der örtliche Staatsschutz-Chef ist zugleich CDU-Ratsherr in Bad Fallingbostel.
Seit über 30 Jahren hält der rassistische „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorffer) e.V.“ in Dorfmark seine Ostertagung ab. Proteste dagegen gab es bereits in den 1980er Jahren. Da Pressemitteilungen und das Thematisieren im zuständigen Rathaus Bad Fallingbostel nicht wirkten, gibt es seit 2007 Straßenproteste. Die Resolution des Stadtrates gegen die Bewirtung der Ludendorffer kam zustande, nachdem 2008 überregionale Medien über Drohungen und rassistische Pöbeleien von Dorfmarker Einwohnern gegen Protestierende des Internationalen workcamps Bergen-Belsen berichteten. (Beispiel: „Bei Hitler haben die Neger nicht auf der Straße getanzt“).

Die Resolution des Stadtrates hatte keine praktischen Folgen. Der Dorfmarker Tourismusverein und ein Hotelier machten hingegen deutlich, dass die Hotels und Pensionen sich das Geschäft nicht entgehen lassen wollen. Nach unserer Kenntnis lehnt bisher erst ein einziger Pensionswirt die Vermietung an Ludendorffer ab. Die Auseinandersetzung mit dem Rassismus lehnen die Profiteure und große Teile der Politik ab. Informationspapiere über die Ludendorffer, die bei einer Ausstellung über Neonazis ausgelegt waren, wurden vom Ortspastor entsorgt. Für unabhängige Info-Veranstaltungen über Ludendorffer steht in Dorfmark kein Raum zur Verfügung.
Mehrfach, zuletzt im April 2011, hat der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche Hannover zu den Ludendorffern erklärt: „das rechtsextreme Menschenbild ist mit dem Christentum nicht vereinbar“ und „die Ludendorffer sind eine Gefahr für die Demokratie“.
Mit Volkstanz und Vorträgen wird Kindern bis SeniorInnen der spezielle Rassismus von Mathilde und Erich Ludendorff gelehrt. Immer wieder sind bekannte Nazis dabei, wie Steffen Hupka oder Jugendliche des – inzwischen verbotenen – Bund „Heimattreue Deutsche Jugend“. Mathilde Ludendorff, selbsternannte Philosophin und Frau des Hitler-Putsch-Gefährten von 1923, General Erich Ludendorff, teilt in ihrer Lehre die Menschen in „Licht- und Schachtrassen“. Die nordischen „Lichtrassen“ seien „dem Göttlichen nahe“, die „Schachtrassen“ aber unvollkommen und sündhaft. Die einen seien von Natur aus zum Herrschen, die anderen zum Dienen geschaffen. „Blutsmischung“ führe zum „Volkstod“. Deutsche Kinder würden durch eine „verjudete christliche Erziehung“ geschädigt.
Die Journalistin Andrea Röpke, die für ihre Recherchen in der rechten Szene den Courage-Preis erhielt, stellt fest, dass Nazi-Gruppen Ludendorffs „Deutsche Mahnworte“ als Plakat und ihr Gedicht „sei deutsch!“ als Verhaltenskodex verbreiten. Bei der NPD wird unter dem Schlagwort „Volk“ die Sichtweise von Ludendorff aufgegriffen. Als Ostern 2010 Journalisten auf der Straße die Anwesenheit des prominenten Altnazis Hajo Herrmann dokumentieren wollten, wurden sie von Ludendorffern tätlich angegriffen.
Während die Ludendorffer durch Dorfmarker Honoratioren und andere ständig verharmlost oder verteidigt werden, wurden in den letzten Jahren in der Walsroder-Zeitung Leserbriefe von Ludendorffern veröffentlicht – bei gleichzeitiger Nicht-Veröffentlichung von antifaschistischen Leserbriefen. Die Ordnungsbehörde machte 2011 dem Protest auf der Straße sehr einengende polizeiliche Auflagen, während die Polizei dem Grünen Bundestagsabgeordneten sein Kontrollrecht im barschen Ton verweigerte.
Wer sich angesichts dieser politischen Gesamtsituation über Beschädigungen oder Proteste aufregt, sollte darüber nachdenken, wie das alles zu vermeiden ist. Wenn in Dorfmark und Umgebung die Ludendorffer nicht weiter bewirtet, beherbergt und verharmlost werden, gewinnen Dorfmark und die ganze Stadt Bad Fallingbostel den Ruf von couragierten Demokraten. Und das kann auch für den Tourismus nur positive Folgen haben.
Pressemitteilung des „Bündnis gegen Ludendorffer“

Dem „Bündnis gegen Ludendorffer“ gehören an: Antifa-Initiative Soltau-Fallingbostel, Die Grünen, DGB, DIE LINKE, Ehrbares Handwerk, GEW, Grüne Jugend, IG BCE-Jugend, Jusos, Linksjugend solid, MdB Johanna Voss, MdB Sven Kindler, ver.di SFA, ver.di-Jugend, VVN/BdA

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