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Aufnehmen statt abwehren – Flucht, Asyl und zivilgesellschaftliches Engagement

3. Februar 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Literatur | Zeitschriften | Ausstellungen

Ende 2011 erschien im Loeper Literaturverlag – anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Menschenrechtsorganisation PRO ASYL e.V. – die Publikation „Aufnehmen statt abwehren – Flucht, Asyl und zivilgesellschaftliches Engagement“.

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Der Schriftsteller Ilija Trojanow kritisiert im Vorwort des Buches „Wir führen gerne Worte wie Menschenrechte („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) im Mund, wir haben es uns in Nischen der Humanität gemütliche gemacht; was unser System und unser Wirken verwerflich macht, blenden wir aus, rationalisieren es weg. Könnten wir gemeinschaftlich in den Spiegel schauen, würden wir das Zerrbild einer Gesellschaft erkennen, die sich von dem Gedanken der Solidarität und Empathie zunehmend verabschiedet.“ Der kommentierte Bildband ist ein Plädoyer für eine solidarische und menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen.

 

Der Text- und Bildband stellt die Geschichte von Flucht und Asyl von 1933 bis zur Gegenwart vor. Er beleuchtet sowohl die Entwicklung einer immer strikteren Asylpolitik, einem Europa was sich zunehmend abschottet, als auch den Widerstand gegen die menschenunwürdige Behandlung, die Schutzsuchende erfahren. So bilden die Grundlage des Buches die Dokumentation asylpolitischer und -rechtlicher Entwicklungen wie die Konferenz von Evian, die Neuregelung des Asylrechts 1982, das Thema Asylpolitik im Wahlkampf, die Abschiebehaft oder die Dublin II-Regelung, die kritisch hinterfragt werden. Sie zeigt die Solidarisierung der Zivilgesellschaft auf, sowie die Geschichte einzelner Flüchtlingsgruppen, wie die der Flüchtlinge aus dem Ostblock, die aus Chile in die BRD, die der Roma oder die der Flüchtlinge aus Jugoslawien. Besonders mitreißend sind die Einzelschicksale, wie das von dem Libanesen Ali Kamal, der nach elf Monaten Abschiebehaft schrieb: „ (…) Ich habe (…) seit so langem gehofft hier herauszukommen. Ich kann nicht mehr, es ist wie sterben, denn das Leben ist am Ende, es geht nicht weiter. Welche Schuld lastet auf mir? Ich habe Angst vor dem Sterben, aber meine Zelle ist meine Zeugin: Ich kann nicht mehr! Und auch das Leben macht mir Angst. Ich will nicht mehr leben. So viele Verletzungen, Du weißt nicht, wie viele Verletzungen jeden Tag hinter diesen Mauern, das wird man nie wieder vergessen…“.

 

Interessant und nützlich ist auch das Literaturverzeichnis am Ende des Bildbandes, wie auch die Linksammlung und der Hinweis auf andere aktuelle Buchveröffentlichungen von PRO ASYL.

Zielgruppe des Buches sind neben Menschen aus Theorie und Praxis, die die Asylbewegung über die letzten Jahre begleitet haben, Multiplikatoren in den Bereichen Migration und Flucht sowie thematisch Interessierte.

Mit dem Text- und Bildband „Aufnehmen statt abwehren“ kommt PRO ASYL seinem eigenen Anspruch nach, den Günter Burkhardt, Geschäftsführer des Vereins, am 03. September 2011 während der 25-jährigen Jubiläumsfeier in seiner Abschlussrede formulierte: „Wir werden eintreten für die Menschenrechte – kompromisslos. Wir machen keine faulen Kompromisse. Für die Flüchtlinge. Für die Menschenrechte. Pro Asyl.“

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