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Autoren räumen mit Mythos ums Folterlager auf

6. Juli 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Die mit Spannung erwartete Dokumentation über die Ereignisse im Wincklerbad nach dem Zweiten Weltkrieg ist beim Internationalen Kulturfest des Bad Nenndorfer Bündnisses gegen Rechtsextremismus vorgestellt worden.

Moderator Klaus Strempel (von links) im Gespräch mit den Autoren Utz Anhalt und Steffen Holz sowie Gerhard Bücker vom Landespräventionsrat. © tes

Bad Nenndorf (tes). Unter dem Titel „Das verbotene Dorf“ beleuchten die Autoren Utz Anhalt und Steffen Holz die Geschehnisse im Verhörzentrum, das der britische Geheimdienst von 1945 bis 1947 im früheren Badehaus betrieben hat. Dabei räumen die Autoren auf mit Mythos und Legende um das „geheime Folterlager“ der Besatzungsmacht.

Ein Thema, das seit 2006 von Neonazis missbraucht wird, um Geschichte umzudeuten. So dient das Buch zusätzlich zur Aufklärung auch dem Ziel, den Druck auf die Entscheidungsträger zu erhöhen, den alljährlichen sogenannten „Trauermarsch“ der Neonazis zu verbieten. Die Rechtsextremen begründen ihre Kundgebung nämlich damit, dass Verbrechen der Alliierten im Verhörzentrum Wincklerbad verschwiegen worden seien.

„Diese Behauptung ist falsch“, erklärt Anhalt. „Es war die kritische Öffentlichkeit in Britannien, die dafür gesorgt hat, das Verfahren öffentlich zu halten.“ Anhalt ist als Historiker den Tatsachen auf den Grund gegangen und hat im britischen Nationalarchiv recherchiert. Die Quellenlage zu den im Wincklerbad inhaftierten Nazis erlaube ein deutliches Bild, bestätigt Holz.

In Haft saßen beispielsweise Oswald Ludwig Pohl, persönlicher Berater von Heinrich Himmler und Organisator des Massenmordes an den europäischen Juden, sowie Helmut Beck-Broichsitter, Major im Generalstab der Panzerdivision Großdeutschland. Dessen Lehrregiment „Brandenburg“ für den inszenierten Überfall auf den Sender Gleiwitz verantwortlich zeichnete, mit dem Hitler den Krieg gegen Polen rechtfertigte.

Zusammenfassend lasse sich sagen: „Die Nazis sind nicht gefoltert worden“, so Anhalt. Allerdings habe es Misshandlungen durch einige Wachen gegeben. Vielmehr sei in den Unterlagen deutlich geworden, dass die Hauptopfer vermeintliche Kommunisten oder Spione waren, die im Vorfeld des kalten Krieges Infos über die Sowjetunion liefern sollten.

Daraus folgert Holz: „Die Trauermärsche der Nazis in Bad Nenndorf sind Heldengedenktage für verstorbene NS-Verbrecher, die hier zeitweilig eingesperrt waren.“ Die Mitglieder des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“ sehen darin die direkte Verlängerung der 2005 verbotenen Rudolf-Hess-Gedenkmärsche in Wunsiedel und fordern: „Die als Trauermärsche verkleideten Heldengedenktage der Nazis sind ein für alle mal zu verbieten.“

 

Quelle: Schaumburger Nachrichten 04.07.2011

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