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Bad Nenndorf 4.8.12 Rede H-D Charly Braun

4. August 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Bad Nenndorf 4.8.12     Rede H-D Charly Braun,       - DGB-Regionsvorstand Lüneburger Heide, 

- Vertreter von Bündnissen gegen Nazis aus der Westheide, 
- ver.di-Bezirksvorstand   und       
- DGB-Verantwortlicher der Jugendarbeit in Bergen-Belsen 

 
 es gilt das gesprochene Wort.SDC12562
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Liebe Schaumburgerinnen und Schaumburger, liebe antifaschistische Freundinnen und Freunde,

ich komme vom DGB-Regionsvorstand Lüneburger Heide und als Vertreter mehrerer Bündnisse gegen Rechts aus der Westheide. Selbstverständlich bin ich Mitglied der VVN/BdA. Die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes wurde von Opfern und WiderstandskämpferInnen nach der Befreiung vom Faschismus gegründet. Ich gehöre zur ersten Nachkriegsgeneration und verschaffe, wie viele von euch, den Staats- und Verfassungsschützern sichere Arbeitsplätze.

Aus der Heide habe ich solidarische Grüße und etliche KollegInnen mitgebracht.

Als Jugendlicher kritisierte ich in unserer Dorfkneipe einen ehem. deutschen Soldaten, nachdem er stolz über seine Heldentaten an polnischen Frauen herzog. Seinen Stiefeltritt gegen mich, werde ich nicht vergessen. 
Die Nazis begingen das unvergleichlich größte Menschheitsverbrechen, u.a. mit Zwangsarbeit bis zum Tod und industrieller Massenvernichtung. Auch nach 1945 und bis heute trainieren
Neonazis, Rassisten, Faschisten an vielen Einzelnen - in den letzten 20 Jahren mindestens182 Tote.

Diese Gewalt setzen manche Politiker gleich mit Extremismus. NEIN, das ist falsch, denn dieGewalt der Neonazis ist Ausdruck ihrer Weltanschauung. Es ist die gleiche Ideologie wie die der Hitler-Faschisten. Ihr sog.  "Recht des Stärkeren" gegenüber sog. "unnützen Essern", läßt sie auf Obdachlose oder Behinderte einschlagen. Ihr Nationalismus und Rassismus erklärt sie zur Herrenrasse. Ihre Drohungen, Verunglimpfungen und Anschläge richten sich natürlich auch gegen all jene, die dieses Herrenmenschentum bekämpfen oder journalistisch aufklären. Dazu gehören die Überfälle auf junge Nazi-GegnerInnen in Bückeburg, drohendes Nazi-Geschmiere an des Bürgermeisters Tür in Bomlitz, bei den Zeugen Jehovas in Walsrode, am Anne-Frank-Haus in Oldau, zerstörte Fenster des JUZE-Walsrode und jetzt ein dicker Stein durchs Fenster beim Vorstandsmitglied von "Bad Nenndorf ist bunt". Molotow-Cocktails sind u.a. in Unterlüß mode     und Schläge gegen Journalisten in Dorfmark.


"Der Schoß ist fruchtbar noch", denn Leute wie Sarrazin sorgen dafür, dass der Boden immer schön mit brauner Gülle gedüngt wird. 
    Auch staatliche Flüchtlingspolitik befördert Rassismus. Wieviele Migrationsfamilien aus Niedersachsen wurden in Nacht-und Nebelaktionen abgeschoben - 
sogar in Länder in denen Hunger, Armut, Haft oder gar Tod drohen ?   Es ist schlicht menschlich, sich dem entgegen zu stellen und unsere Mitmenschen mit Kirchenasyl zu schützen, wie in Hoya oder Rotenburg/ Wümme. Eine Härtefall-Kommission zu Minister Schünemanns Gnaden brauchen wir nicht. Staatliche Flüchtlingspolitik ist auch Ideengeber für den sog. "AbschieBär" der rassistisch im Nazi-Weltnetz seine Runden drehen darf.

Wir brauchen auch keine 
Arbeits- und Sozialgesetzgebung, keine Krisenpolitik, die zahlreiche Menschen in Griechenland und auch hier in Armut schickt. Die Kliniken praktizieren "gefährliche Pflege" und das Bildungssystem zementiert die soziale Auslese.
Diese Zustände wollen Nazis mit Nationalismus und Rassismus lösen. Statt demokratischer und sozialer Rechte sollen in Betrieben Chefs als Betriebsführer herrschen und Gewerkschaften und Streikrecht abgeschafft werden.

Alle sog. Gleichmacherei, sei es durch gewerkschaftliche Streiks, christliche Almosen oder alternative Lebens-und Arbeitsformen   sind den Nazis zuwider und sie überfallen denn auch mal Kirchenleute, GewerkschafterInnen, Punks und Wohnwelt Wunstorf.


Während Neonazis SS-Helden verehren dürfen, ist in Eschede das Aufstellen eines Gedenksteins für das Neonazi-Opfer Peter Deutschmann verboten. Einer seiner Mörder marschiert gern in Bad Nenndorf mit. Das Ostpreussen-Museum Lüneburg zeigt unkommentiert Jagdtrophäen von Hermann-Göring, während für die glühende Hitler-Verehrerin Agnes Miegel in Bad Nenndorf ein Museum unterhalten wird. 
Was Staat nicht hinbekommt, müssen wir mit Zivilcourage betreiben. So nennt das Internationale-Jugendworkcamp Bergen-Belsen in Eigenregie Nazi-Straßennamen in Celle um. Auch in Bad Nenndorf haben AntifaschistInnen inzwischen den Miegel-Platz umbenannt.

Möge die Kommunalpolitik das als Vorbild nehmen. 


Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass das faschistische Menschenbild in den Köpfen von rund 25 % der Bevölkerung festsitzt. Das ist Rechtsradikalismus in der Mitte der Gesellschaft !!
Bei den Kommunalwahlen 2011 hat die NPD zugelegt. Nahezu überall wo sie antraten, wurden sie gewählt. Matthias Behrens, Führer der berüchtigten Kameradschaft Snevern-Jungs, war einer der ersten Marschierer in Bad Nenndorf. Inzwischen ist er stellvertretender NPD-Landesvorsitzender und wurde in der Heide in Stadtrat und Kreistag gewählt. Im Kommunalwahlkampf 2011 wurden über 70 NPD-Plakate in Bad Fallingbostel einer sinnvollen Verwendung, dem Bau eines Hühnerstalls, zugeführt.

Am 17.7.12  wollte Nazi-Behrens auf einer Gesundheitspolitischen Veranstaltung von Linke und Gewerkschaft in Soltau mitreden. Er wurde sofort vor die Tür gesetzt, bevor er Euthanasie als Gesundheitsmaßnahme für den sog. "Volkskörper" anpreisen konnte.
 Die sog. "Deutschlandfahrt" der NPD mit einem auffälligen Propaganda-Lkw wurde für sie jetzt zum Desaster. Ob in Wolfsburg, Hannover oder Delmenhorst - wir waren lauter als die Nazis. In Lüneburg verließen sie nach nur 10 Minuten fluchtartig die Stadt.

Erfolg gegen Nazis ist machbar, auch in Bad Nenndorf !

Was der Staat, auch wegen seiner zahlreichen V-Leute, nicht schafft, müssen wir machen. Und das klappt in Bad Nenndorf in bewundernswerter Weise. Der antifaschistische Widerstand im Schaumburger Land ist kreativ und lustvoll, ernst und klar, breit und couragiert. Liebe SchaumburgerInnen, es ist gut, dass ihr nicht hinnehmt, wenn Nazis als gleichberechtigte Demokraten behandelt werden. Wenn die braune Jauche durch die Stadt schwappt, machen viele Menschen und zuvor unpolitische Vereine sowie die Kommunalpolitik den neuen SA-Horden ihren Ehren- oder Trauermarsch zum politischen Spießrutenlauf. Machen wir es den Nazis ungemütlich.
Was Nazis in Bad Nenndorf präsentieren, ist der schlechteste Karnevalsumzug der Welt.

Wir riechen einfach besser als die braunen Kolonnen, auch wenn sie weiße oder schwarze T-shirts tragen.

Nazis raus aus Straßen, Parlamenten, Schulen, Internet und vor allem den Köpfen. 
Immer mehr SchaumburgerInnen wissen:
  Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen !



ENDE

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