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Bauernorganisation warnt vor "Agrarindustrie-Bio"

21. März 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Gentechnik - Landwirtschaft - Ernährung


Pressemitteilung
Bauernorganisation AbL warnt vor „Agrarindustrie-Bio“ 

Vor einem weiteren Vordringen von Konzernen in der Bio-Geflügelhaltung zu Lasten bäuerlicher Strukturen warnt die
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und verweist exemplarisch auf den „Wiesengold“-Komplex um den Südoldenburger Unternehmer Heinrich Tiemann. Ein Großteil der deutschen Bio-Eier komme bereits von der „Eiervermarktung Wiesengold Landei GmbH & Co.KG“, dessen Mehrheit vor einiger Zeit vom größten agrarindustriellen Eierkonzern „Deutsche Frühstücksei“ übernommen worden sei. In der ökologischen Hähnchen- und Putenmast drohe eine ähnliche Entwicklung, wobei der Name Tiemann vor allem in Ostdeutschland im Zusammenhang mit dem Aufbau von Bio-Großanlagen immer häufiger auftauche. 

An vielen Standorten wehrten sich bereits Bürgerinitiativen gegen die Emmissionen aus „Öko“-Groß-Farmen mit zehntausend oder gar mehreren Zehntausenden von Tieren. Dieser Tage soll der Landkreis Diepholz nach Angaben und Beschwerden von Anwohnern im Ort Rechtern sogar per Verfügung die rechtswidrige Belegung eines Stalles mit 25.000 Hühnern durch Tiemann untersagt haben.     

Das Statistische Bundesamt hatte bereits 2008 die Herkunft der Bio-Eier in Betrieben mit mehr als 3.000 Hennenplätzen untersucht: knapp die Hälfte stammte aus Betrieben mit mehr als 30.000 Tieren. „Kann das noch Bio sein?“ fragte zu dieser „Bio-Massentierhaltung“ auch die Bio-Zeitschrift „Schrot & Korn“ - angesichts der Pläne der Gollwitzer Agrar GmbH, in Brandenburg 60.000 Biohennen aufzustallen. Solche Größenordnungen, so Kritiker, hätten oft keine eigene Futtergrundlage,  Auslauf und Herdenverhalten der Tiere werde dadurch massiv erschwert oder verhindert, Federpicken und Kannibalismus nähmen zu.

Bestimmte Bereiche der Haltung sind laut AbL von der EU-Öko-Verordnung noch nicht einmal ausreichend erfasst, die z.B. bei der Regelung des Auslaufs ohnehin weniger streng als die Richtlinien von Bioverbänden sei. Mit dem Vordringen von „Bio-Geflügel-Konzernen“ sei auch die Gefahr verbunden, dass deren Einfluss auf die Gestaltung der Richtlinien, der Vermarktung und der Praxis weiter wachse. Berichte über Verstöße in diesem Bereich stützen laut AbL diese Sorgen.

Von einer „Industrialisierung der Bio-Landwirtschaft“ spreche denn auch Walter Höhne, Vorstand der „Biohennen AG“, die die Eier von bäuerlichen Familienbetrieben vermarktet. Dies gilt laut AbL umso mehr, wenn agrarindustrielle Unternehmen auch den Biosektor abgreifen wollten, so z.B. der Landbaukonzern KTG Agrar oder die ostdeutschen Großbetriebe von „Biofarmers“.  Auch Tiemann sei indirekt verknüpft mit Futtermittel-Firmen wie „GS agri“ und „Fleming & Wendeln“, die wiederum an immer mehr riesigen agrarindustriellen Schweineanlagen beteiligt seien.

Es sei zu hoffen, so die AbL-Vertreter Eckehard Niemann, dass der renommierte Bioverband „Naturland“, unter dessen Label Tiemann vermarkte, die damit verbundenen Risiken im Blick habe. Es reiche auch nicht, auf die relativ besseren Haltungsbedingungen in Bio-Konzern-Ställen gegenüber denen in „normalen“ Agrarfabriken hinzuweisen. Auch im Biobereich gebe es eine wachsende Bewegung für „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“.
        3.215 Zeichen - 21.03.2012

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