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Berliner Zeitung 2.3.13 -- Ludendorffer unterrichten an öffentlichen Schulen

2. März 2013 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"


 
 
02.03.2013

Rechtsextreme Pädagogen Singen, tanzen, rechte Sprüche

Von Julian Feldmann

Die Eheleute P. aus Schleswig-Holstein sind nicht die einzigen Pädagogen in Ludendorffer-Kreisen.
Die Eheleute P. aus Schleswig-Holstein sind nicht die einzigen Pädagogen in Ludendorffer-Kreisen.
Foto: dpa

Die Grundschullehrerin Maren P. in Schleswig-Holstein war zugleich in einem rechtsextremen Verein aktiv. Das Schulamt Schleswig-Flensburg wurde schon 1998 hellhörig. Der Verfassungsschutz schaute jahrelang zu.
In Schleswig-Holstein ist eine Lehrerin, die seit Jahren in führender Position in einem rechtsextremen Verein tätig ist, auf Betreiben der Schulbehörde aus dem Schuldienst ausgeschieden. Der Verfassungsschutz hatte nicht vor der Erzieherin gewarnt.
Die Grundschullehrerin Maren P. unterrichtete Heimat- und Sachkunde sowie Mathematik an der Matthias-Claudius-Schule in der Kleinstadt Reinfeld (Kreis Stormarn), westlich von Lübeck. In der Bildungsstätte engagierte sie sich beispielsweise in der „Projektgruppe Schulhof“, die sich um die Pflege des Pausenhofs kümmert. P. galt dort als hilfsbereit und freundlich.
Tarnname "Ferienheim Schönhagen"
Doch die 57-Jährige war neben ihrer Arbeit an der öffentlichen Schule Funktionärin einer rechtsextremen Organisation. Seit 2005 sitzt P. im Vorstand des „Ferienheims Schönhagen“. Hinter diesem harmlos klingenden Namen verbergen sich laut Verfassungsschutz völkisch orientierte Rechtsextreme, sogenannte Ludendorffer. Diese orientieren sich an den Schriften von Erich Ludendorff, dem General im Ersten Weltkrieg, und seiner Frau Mathilde. In ihren antisemitischen und rassistischen Publikationen wähnten sich die Ludendorffs im Kampf gegen sogenannte „überstaatliche Mächte“. Dazu zählten sie Freimaurer, die katholische Kirche, Jesuiten – und vor allem Juden. Die völkischen Ludendorff-Anhänger sind bis heute unter anderem im vom Verfassungsschutz als antidemokratisch und rechtsextrem eingestuften „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“ (BfG) organisiert.
Der rechtsextreme Verein orientiert sich an der „Philosophie“ der Antisemitin Mathilde Ludendorff und Ehefrau von General Erich Ludendorff.
Der rechtsextreme Verein orientiert sich an der „Philosophie“ der Antisemitin Mathilde Ludendorff und Ehefrau von General Erich Ludendorff.
Foto: dpa

Wanderungen, Sport, Volkslied
Der „Ferienheim“-Verein betreibt auf dem Osselberg in Schierensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Immobilie. Satzungsmäßige Aufgabe ist die „Durchführung von Jugendlagern mit Wanderungen, Sport, Volkstanz, Volkslied, von Erziehertagungen“ – und zwar „ausgehend von der Weltanschauung und Gotterkenntnis Mathilde Ludendorffs“. Neben P. sitzt im Vorstand die Betreiberin einer Versandbuchhandlung, die mehrmals in den Verfassungsschutzberichten des Landes Schleswig-Holstein erwähnt wurde. Zeitweilig leitete der inzwischen verstorbene Rechtsextremist Lothar Grünkorn das „Ferienheim“.
Weil die Organisation offenbar auch bei Bildungseinrichtungen für ihre Unterkunft geworben hatte, warnte 1998 das Schulamt Schleswig-Flensburg: „Der Aufenthalt von Schulklassen in diesem Ferienheim ist mit den Bildungs- und Erziehungszielen der Schule nicht vereinbar.“ Hinter dem Verein, so das Schulamt, stehe der BfG. Tatsächlich gibt es auch heute noch Sonnwendfeiern in Schierensee.
Dem Kieler Bildungsministerium wurde der Fall Maren P. erst durch Recherchen dieser Zeitung bekannt. Seit Anfang 2013 war sie freigestellt. Der 57-Jährigen konnten jedoch „keine dienstlichen Vergehen nachgewiesen werden, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Nachdem im September Ermittlungen gegen die Lehrerin eingeleitet wurden, wollte die Behörde P. nicht länger im Schuldienst beschäftigen. Mit ihr sei dann ein „Auflösungsvertrag“ zu Ende Januar geschlossen worden, heißt es aus dem Ministerium. Der Schulleiter wollte sich zu der Personalangelegenheit nicht äußern.
Das Landesamt für Verfassungsschutz, das den „Ferienheim“-Verein dem rechtsextremen BfG zuordnet, hatte das Bildungsministerium nicht über die dort tätige Lehrerin informiert. Und das, obwohl Experten seit Jahren vor einer Unterwanderung von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen durch Rechtsextremistinnen warnen. Offenbar haben die Staatsschützer nicht genau hingesehen.
Denn ansonsten hätten sie auch festgestellt, dass Maren P. ebenfalls Mitglied im „Arbeitskreis für Lebenskunde“ (AfL) ist, dessen Webseite auf sie registriert ist. Dieser „Arbeitskreis“ sorgt sich um die Kinder- und Jugenderziehung der Ludendorffer. Er bietet Ferienlager, Wanderungen und „philosophische“ Fortbildungen – allesamt orientiert an der „Philosophie“ der Antisemitin Mathilde Ludendorff. An der Leitung des AfL ist P.s Mann Nordfried beteiligt. Auch er war bis vor wenigen Jahren Lehrer. Der 69-jährige Pensionär unterrichtete an der Berufsschule in Bad Segeberg. Zeitweilig zeichnete er in den 90ern für eine Ludendorffer-Zeitschrift verantwortlich. Bei einem Treffen in Ostwestfalen hielt P. 2008 einen Vortrag vor Gleichgesinnten. Als „bürgerliches Mitglied“ sitzt der Ex-Lehrer im Planungsausschuss der Gemeinde Bühnsdorf (Kreis Segeberg).
Weitere Pädagogen in solchen Kreisen
Die Eheleute P. sind nicht die einzigen Pädagogen in Ludendorffer-Kreisen. Dieser Zeitung liegen mehr als ein Dutzend weiterer Fälle vor, in denen Lehrer während ihrer Tätigkeit an öffentlichen Schulen bei den Völkischen aktiv waren. Ebenfalls beim „Ferienheim Schönhagen“ tätig ist Gernot M., der bis zu seiner Pensionierung 1993 als Bio- und Sportlehrer an einem Gymnasium auf Fehmarn arbeitete. Anfang 2012 musste ein einstiger Schulleiter von seinem Posten bei einem Ludendorffer-Verein zurücktreten, nachdem sein Engagement der Öffentlichkeit bekanntwurde. Während seiner Zeit als Direktor eines Gymnasiums am Bodensee hatte er am Grab eines antisemitischen Verlegers eine Trauerrede gehalten.


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