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blog.campact.de 5.8.14 -- Fracking-Gutachten - Angst vor eigener Courage?

5. August 2014 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Umwelt

Gutachten zu Fracking: Angst vor der eigenen Courage?

Es wurde schon lange erwartet: In der vergangenen Woche hat das Umweltbundesamt (UBA), die höchste deutsche Umweltbehörde, sein Gutachten zum Thema Fracking veröffentlicht. Und auch die Ergebnisse der Studie sind wie erwartet: Fracking ist und bleibt eine “Risiko-Technologie”. Damit bestätigt das UBA erneut die vielen Befürchtungen, die mit der umstrittenen Gasfördertechnik einhergehen. Fracking gefährde demnach Grundwasser, könne möglicherweise Erdbeben auslösen und schädige das Klima. “Solange sich wesentliche Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen und damit beherrschen lassen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas geben“, so das Fazit von Behördenleiterin Maria Krautzberger. Das Gutachten lenkt somit einen mächtigen Schwall Wasser auf die Mühlen unsere Kampagne. Es unterstreicht unsere Forderung nach einem Fracking-Verbot – und setzt damit ein klares Ausrufezeichen in die gegenwärtige Debatte.
Trotz klarer Analyse: Umgang mit dem giftigen Flowback ist ungeklärt
Seltsamerweise fällt es in seinen Schlussfolgerungen jedoch hinter die eigenen Ergebnisse zurück. Denn im Wesentlichen laufen die Forderungen zielgenau auf die Eckpunkte der Bundesminister Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks hinaus. So forderte die UBA-Chefin, “dass die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vorgelegten Eckpunkte jetzt schnell in ein Gesetz münden müssten.”
Doch schon bei der Veröffentlichung dieser Eckpunkte hatten wir kritisiert, dass Gabriel und Hendricks nur bestimmte Formen des Fracking verbieten wollen – wie übrigens die Bundesländer auchDas Fracking in Sandstein soll weiterhin erlaubt sein – das bezweifelt auch explizit UBA-Chefin Krautzberger nicht. Das Gutachten ihres Hauses liefert allerdings gute Gründe, warum auch diese Form des Fracking problematisch ist. So heißt es in einerPressemitteilung des UBA zum Gutachten:
Die Aufbereitung des so genannten Flowback (Rückflusswasser) ist laut UBA-Gutachten bislang ungelöst. Unter Flowback versteht man die Spülungsflüssigkeit, die während des Bohrens und Frackens und kurz danach wieder oberirdisch austritt. Dieser Flowback enthält neben den zum Fracken verwendeten und eingebrachten Chemikalien weitere, zum Teil giftige Substanzen aus dem Untergrund, etwa Schwermetalle, aromatische Kohlenwasserstoffe oder örtlich sogar radioaktive Substanzen. […] Ein tragfähiges Entsorgungskonzept hat bislang kein Unternehmen vorlegen können.
Mit anderen Worten: Der Umgang mit dem Wasser, das aus der Erde nach oben kommt, ist ungeklärt. Und dieses Flowback wäre selbst beim Fracking mit klarem Wasser ein Problem, weil aus dem Boden Gifte ausgespült werden. Damit betrifft das Problem jede Form des Fracking. Und so schreibt auch die taz:
Doch trotz der klaren Analyse verzichtet Deutschlands oberste Umweltbehörde darauf, die logische Konsequenz zu fordern: ein völliges Verbot von Fracking. Stattdessen stellt sich das UBA im Wesentlichen hinter die Regierungslinie, die starke Einschränkungen für Fracking vorsieht, aber auf Druck der Erdgasindustrie Probebohrungen und die Nutzung von tiefliegenden Gasfeldern ermöglichen will. Der Mut zum klareren Widerspruch fehlte offenbar.
Doch hilfreich ist das Gutachten allemal. Es dokumentiert die Risiken der Gasförderung unter Hochdruck amtlich.Es bietet 600 Seiten Gemeinwohl-Argumente gegen die Interessen der Energiekonzerne. Und es wird in der Auseinandersetzung um das Fracking, die diesen Herbst ansteht, den Ton angeben. Denn spätestens jetzt kann niemand mehr sagen, er oder sie habe von nichts gewusst.

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