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Boris Sluckij: Die Kölnische Grube Spurensuche: Ein unbekanntes Kriegsgefangenen- /Zwangsarbeiterlager

5. Februar 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Historisches

Boris Sluckij: Die Kölnische Grube

Spurensuche: Ein unbekanntes Kriegsgefangenen- /Zwangsarbeiterlager

 


Boris Sluckij: "DIE KÖLNISCHE GRUBE“, 1944

Wir lagen, siebenzigtausend Gefangene,
im Grund einer riesigen Steilschlucht lungernd,
wortlos Verlangende, trotzig Bangende,
in einer Grube bei Köln verhungernd.

Da droben am Rand ist ein Platz hingeflacht;
der senkt eine schräge Rampe ins Loch.
Da wird, täglich einmal, ein Schindgaul gebracht
Und heruntergeworfen,
lebendig noch.

Und wie der Gaul in die Tiefe poltert,
und wie wir ihn teilen und wie wir da knabbern,
und wie uns vor Fressgier die Zähne klappern –
o Bürger von Köln,
ob die Schmach euch nicht foltert!

O Bürger von Köln, ja wie fügte sich das?
Wo wart ihr Nüchternen, Redlichgewillten,
als grün wie Gras, nein, grün wie Aas
im kölnischen Loch wir vor Hunger brüllten?
Mit Nägeln und Schlägeln,
mit Messer und Schabstift
gruben in Stein wir
die eigene Grabschrift:
Genosse Soldat! Mach halt hier am Rand.
Hier bleichen unsre Gebeine im Sand.
Wir waren siebenzigtausend Gefangene.
Wir fielen bei Köln für das Vaterland!
Sie wollten uns werben,
sie wollten uns kaufen,
wir sollten zum Brotbeutel überlaufen.
Sie sangen von Wein
und von Weibern:
"Komm mit!"

Doch die Unsern flüsterten:
"Nicht einen Schritt!"

Genau lest die Aufschrift auf unserm Grabe!
Wir dürfen an Pflicht und Nachruhm glauben!
Hat einer zu leiden nicht mehr die Gabe,
so wird die Partei ihm den Freitod erlauben.

Die ihr unser Herz, Bewusstsein, Gewissen
Habt kaufen gewollt für ein Linsengericht –
Seht her, wie das Fleisch wir vom Handteller bissen
Und dann unser Leben zerbrachen aus Pflicht!

Wir graben
mit Nägeln und Krallen, wir graben.
Wir heulen wie Tiere aus rauher Kehle.
Und alles bleibt, wie es war:
Sie haben
ihr Linsengericht und wir unsre Seele.

Sludzki.JPG
Boris Sludzki © Archivfoto

Von Heide Kramer

Im November 2006 Zeit fragte mich René Senenko (1) von der Hamburger Willi-Bredel-Literaturgesellschaft/Geschichtswerkstatt während eines themenbezogenen telefonischen Gedankenaustausches, ob mir das Gedicht des sowjetischen Dichters Boris Sluckij (sprich: Boris Sludzki) "Die kölnische Grube" bekannt sei. Ich hatte noch nie davon gehört, wurde neugierig, ließ mir berichten. Schließlich übermittelte mir René Senenko äußerst informative Schriftstücke aus dem Nachlass seines Vaters Dr. Heinz Senenko aus Sebnitz in Sachsen, und ich erfuhr um den historischen Hintergrund des Gedichtes. Bei diesem Dokument handelte sich um einen sehr persönlich abgefassten Brief des Literaturwissenschaftlers Professor Dr. Jirí Franĕk (2) aus Prag/Tschechien vom Jahre 1993 an René Senenkos (inzwischen verstorbenen) Vater.

Jirí Franĕk gehörte zum kommunistischen Widerstand in Auschwitz. Er wurde in die tausend Mann starke Gruppe der tschechoslowakischen Juden eingereiht, die die Nazis nach Deutschland deportierte. Die Häftlinge sollten zur Wiederherstellung des durch alliierte Bomber zerstörten Synthesewerks Schwarzheide (es produzierte Benzin aus Braunkohle) nördlich von Dresden eingesetzt werden. Nur weil er bei einem weiteren Angriff der Alliierten auf die Fabrik von einer Bombe getroffen und schwer verletzt wurde, entging Jirí Franĕk dem Todesmarsch nach Theresienstadt, den er gemeinsam mit anderen Häftlingen im April 1945 noch antreten sollte. (Zum Tod von Jirí Franĕk am 30. Dezember 2007)

Die verletzten, kranken und erschöpften Häftlinge, darunter Jirí Franĕk, wurden mit zwei Bussen von Schwarzheide aus in das Außenlager Sachsenhausen überstellt mit dem Ziel der unverzüglichen Vernichtung durch die Gaskammer. Die Betroffenen waren darüber nicht unterrichtet. Jirí Franĕk: "Als ein SS-Mann kam und uns zu verstehen gab, "es gibt kein Gas mehr, Ihr könnt gehen", sind wir gegangen. Wir fanden keinen Platz im Lager, um wenigstens schlafen zu können, haben nichts zu Essen bekommen und selbstverständlich auch keine ärztliche Versorgung. Gott sei Dank dauerte es nicht mehr lange, denn 'die Russen' näherten sich Sachsenhausen sehr schnell. Wieder wurde ein Todesmarsch vorbereitet. Ich konnte wegen meiner Verletzung nicht auf Transport gehen. Die Verbliebenen sollten erschossen werden. Doch auf einmal waren die Russen schon ganz in der Nähe und die SS innerhalb weniger Minuten verschwunden. So bin ich zum zweiten Mal dem Tod ausgewichen".

Der Pädagoge Dr. Heinz Senenko hatte in den siebziger und achtziger Jahren gemeinsam mit seinen Schülern Forschungsarbeiten zum Todesmarsch nach Theresienstadt durchgeführt. Dadurch war der Kontakt mit dem Literaturwissenschaftler Professor Jirí Franĕk und Überlebenden aus der CSSR entstanden. Der heute Fünfundachtzigjährige gehörte bis vor kurzem dem Vorstand der überlebenden Schwarzheide-Häftlinge an.

Im Brief an Dr. Heinz Senenko ist u. a. nachzulesen, dass Franĕk bereits während eines Deutschlandaufenthalts Mitte der sechziger Jahre um Hintergrundaufklärungen zum Sluckij-Gedicht "Die kölnische Grube" bemüht war. Der Literaturwissenschaftler kam 1968 aus Prag. Er arbeitete insgesamt vier Jahre an den Universitäten in Bochum, Göttingen und Tübingen als Lektor, Gastdozent und Gastprofessor. Die Aussagen im Gedicht Sluckijs fanden zwar Interesse in den Hörsälen, doch die Authenzität blieb spekulativ. Franĕks Bemühungen, auf dem Schriftwege durch Kölner Slawisten, die Stadtverwaltung Köln und zuständige NS-Dokumentationsstätten im Raum Nordrhein-Westfalens Klärung zu erreichen, blieben erfolglos.

Jirí Franĕk: "Als ich die "Kölner Grube" suchte, habe ich die Stadt Köln, ich glaube es war die Kulturabteilung, gefragt. Diese hat auch bei den anderen Teilen des Magistrats, oder wie es damals hieß, nach Auskunft gesucht. Besonders dieses Stadtamt war sich sicher, dass es sich nicht um Köln handelt. Vielleicht könnte die Korrespodenz dort noch existieren? Es wurden unterschiedliche Theorien erwogen, z. B. dass möglicherweise ein Dorf oder ein Ort mit dem Namen Köln o. ä. existiert. Ich habe auch den Kontakt mit der tschechischen Stadtverwaltung gesucht. Köln heißt tschechisch Kolin, und es existiert auch eine tschechische Stadt Kolin. Aber dieser Weg hat sich als ganz falsch gezeigt. Man kann auch damit spekulieren, dass im Russischen 'Kjol´skij' und 'Umanskij' evtl. ähnlich sind.

Man müßte auch die Handschrift Sluckijs nachvollziehen können, denn es wäre möglich, dass in seiner Schrift 'Uman´skaja' und 'Kjol´nskaja' ähnlich aussehen und er sich geirrt hat. Ich versuchte es, aber bei mir waren 'Uman´skaja' und 'Kjol´nskja' nicht identisch, was aber nichts bedeutet".


Jirí Franĕk erfuhr also, dass die historischen Abläufe in Deutschland nach 1945 nicht dokumentiert wurden und ein Zwangsarbeiterlager in oder um Köln unter der Bezeichnung "Kölnische Grube" nicht existent war. Wie dem obigen Wortlaut Franĕks zu entnehmen ist, entstand somit die Vermutung, dass es sich möglicherweise um eine "literarische Fiktion" des Dichters gehandelt haben könnte.

Boris Sluckij gab uns mit den Aussagen in seinem Gedicht so große Rätsel auf, dass Diskussionen entstanden sind bzw. der Wunsch nach Aufklärung.

Ich entschloss mich zu ermitteln.

Meine Recherchen führten mich zunächst in den nordrhein-westfälischen Raum. Ich erfuhr von Ulrich Sander (3-5), Landessprecher der VVN-BdA NRW in Dortmund und Mathias Wagner in Lüdenscheid, dass nachweislich in und bei Köln zwar Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager existierten, aber weder eine so überdimensional große Anzahl von Gefangenen noch unter der Bezeichnung "Kölnische Grube". Es sollen jedoch besonders in den letzten Kriegsmonaten viele kölnische Zwangsarbeiter in das Arbeitserziehungslager Hundswinkel bei Lüdenscheid zum Einsatz gekommen sein. Sie arbeiteten am Bau eines Staudammes zur Süßwassergewinnung. Allerdings waren es keine 70.000 Russen, aber doch eine beträchtliche Anzahl von Menschen.

Die in Nordrhein-Westfalen eingeholten Auskünfte lagen so greifbar nahe, dass ich mich bereits dicht am Ziel meiner Spurensuche wähnte, mich dann aber doch irrte. (Siehe auch Quellenangaben).

Ein weiterer Kontakt führte mich zu MEMORIAL Deutschland e. V. in Berlin. Von Dr. Vera Ammer (6) erfuhr ich eine völlig andere, aber sehr konkrete Version, hier auszugsweise:

"Das Gedicht von Sluckij beruht auf dem Bericht eines Partisanen, der in Kriegsgefangenschaft geraten war und überlebt hatte (vielleicht geflohen war) Zwei Zeilen aus dem Gedicht (auch die Zahl 70.000) entstammen offenbar diesem Bericht. Aron Shneer (7) (Historiker, geb. in Riga, lebt in Jerusalem, arbeitet in Yad Vashem) zufolge hat es die "Kölner Grube" in Wirklichkeit nicht gegeben. Shneer verweist auf das Kriegsgefangenenlager in Uman/Ukraine (die "Umaner Grube"), wo über 100.000 sowjetische Kriegsgefangene ums Leben kamen.

Mir liegt das Gedicht auch auf Russisch vor - die Übersetzung ist korrekt, es heißt tatsächlich "Kölner Grube", und im Weiteren werden die Kölner Bürger direkt angesprochen. Ich nehme an, dass Sluckij verschiedene Berichte versatzstückartig kombiniert hat".


So kam mir der Gedanke, unmittelbar bei Professor Dr. Aron Shneer in Yad Vashem/Jerusalem nachzuforschen. Seine aufgeschlossene Reaktion brachte Klärung und somit das Ende meiner Recherchen und aller Spekulationen. Professor Shneers Antwortbrief soll hier vollständig wiedergegeben werden:


"Sehr geehrte Frau Kramer,

es ist nicht klar, wie der Begriff “Umaner Grube“ entstand, aber ganz sicher ist die Tatsache, dass es sich sehr schnell in der ganzen Umgebung verbreitete, und nicht nur in den daneben liegenden Doerfern und Staedten, sondern auch die Frontlinie ueberschritt:
Die "Umaner Grube“ war ein riesiger Canjon mit steilen Waenden von 5 bis 15 m hoch, die einst Tonerde fuer das Ziegelwerk foerderte. Gerade in dieser Grube wurde das KZ Stalag No. 349 gegruendet, wo die sowjetischen Kriegsgefangenen, die Ende Juli – Anfang August 1941 in der Naehe des Waldes „Zelonja Brama“ bei dem Dorf Podwisokojo gefangen und unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt wurden.

Einer der Haeftlinge des Lagers, Avraham Fradkin, der Anfang August 1941 in Gefangenschaft geriet, erinnert sich: „....am Stadtrande von Uman – eine große Grube, mit vielen Menschen ...Laeusen, Schmutz und am schlimmsten – Hunger...“. Es kamen taeglich im Lager ca. 400 Menschen ums Leben. In meinem Buch „Plen“ (Gefangenschaft), 1. Band, Seiten 280-290) bringe ich die Erinnerungen von Yaakow Talis, der im Stab der 12. Armee als politischer Instrukteur (Politruk) eingesetzt und der Haeftling des Lagers war:
"In der Naehe von Uman haben die Faschisten uns gefangen. Viele von uns nahmen sich das Leben. Ich versuchte auch Selbstmord zu begehen, aber da ich verwundet war, konnte ich meine rechte Hand nicht richtig bewegen, um aus der Pistole zu schießen. Man hat uns in die Umaner Grube geworfen, wo es schon Tausende von Menschen gab. Von dort wurden diejenigen, die Kraefte hatten, zur Arbeit geschickt, die Verwundeten sind am Ort erschossen worden. Es gab kein Essen. Man hat die Pferde gegessen...

Ich hatte mich entschlossen, mit zwei anderen Offizieren zu fliehen. Schaikinow wurde erschossen, aber mir und Malikow ist es gelungen, die Grube zu verlassen und wegzulaufen...“

Das Lager existierte bis zum 7. Maerz 1944. Nach dem Zeugnis des ehemaligen Haeftlings A. Pisatschkin gab es im Lager zur Zeit der Evakuierung etwa 8000 Menschen. Nach verschiedenen Angaben befanden sich im Lager von 35-100tausend Gefangene.

Beachten Sie die Tatsache, dass das Gedicht von Sluckij im Jahre 1944 geschrieben wurde. Genau wann - kann ich nicht sagen, aber ich denke nach Maerz 1944, d. h. nach der Befreiung von Uman (am 10. Maerz 1944). Damals gab es Moeglichkeiten, sich mit ehemaligen Haeftlingen des Lagers zu treffen, es erschienen die ersten Publikationen in den Sowjetzeitungen. Ich empfehle Ihnen, Ihre Aufmerksamkeit der Zeitung „Krasnaya Zwezda“ zu schenken. Kann sein, dass Sluckij selbst sich mit einem ehemaligen Haeftling getroffen hat. Moeglich waere, dass er sich auch mit E. Dolmatowski – dem Dichter, der in der "Umaner Grube“ als Haeftling war und dem es gelang von dort zu fliehen, getroffen hatte. Dolmatowski selbst ist auf dieses Thema erst in den Achtzigern zurueckgekommen, als er ein Buch „Zeljonaja Brama“ veroeffentlicht hat. In seinem Buch beschreibt er einen der ersten Kaempfe des Krieges. Es gibt im Buch auch eine Erinnerung ueber die "Umaner Grube“.
Sie koennen dort eine Szene mit dem Pferd finden, die der Beschreibung der oben genannten Erinnerung von Talis entspricht. Solche Faelle gab es hauefig in den Lagern fuer sowjetische Kriegsgefangene. Ich bringe in meinem Buch Tatsachen ueber Leichenessen und Kannibalismus in dem Lager. Diese Tatsachen sind auch in der deutschsprachigen Fachliteratur zu finden.

Einige Zeilen aus meinem Buch „Iz NKVD v SS i obratno“ (aus KWD in SS und zurueck, Seiten 70-71). Das sind Gespraeche mit einem sowjetischen Spion, der sieben Jahre in der SS gedient hat. Mein Held ist Alexander Petrowitsch (A.P.), ich (A. S.):

"A.P. Hier z. B. "Umaner Grube". Schmutz, Regen, kein Obdach, Stacheldraht, kein Essen. Der Mensch, von Hunger besessen, wirft sich auf Stacheldraht. Was soll der deutsche Waechter tun, er schießt.

A.S. Warum gab man kein Essen?

A.P. Woher konnte man das bringen?

A.S. Man konnte doch mit Lebensmitteln versorgen. Außerdem hat die lokale Bevoelkerung ihre Lebensmittel gegeben, die ihnen von den Deutschen abgenommen wurden. Die Gefangenen bekamen aber nichts davon.

A.P. Ich kann Ihnen versichern , dass es in “Umaner Grube“ solche Faelle nicht gab.

A.S. Doch, es gab. Auch in anderen Orten. Die Menschen, wenn sie hungrig sind, koennen zu Kannibalen werden".

Kommentar 10. Schon im Herbst 1941 gab es Kannibalismusfaelle in den Lagern von Bobrujsk, Brjansk, Gomel, Rezekne, Salaspils, Osrow-Mazowiecki und anderen :
I. Getman. – Audioaufnahme mit dem Autor vom 26.6.1993. – Archiv von Yad Vashem, O.3 / 6896, M.33/ 479, Seiten 7,35,39,43; M.33/480, Seite 18,20,21.

Die Beschreibung des Hungers im Lager Molodetschno gab in seinen Zeugnissen am 1.4.1945 waehrend der Untersuchung der Leiter der Lagerpolizei – P. Krasnoperkin: "Die Menschen sind total abgemagert, das Lager selbst war ein riesiger Friedhof, wo alle Gestorbenen 'auferstehen sind'. Die Menschen litten furchtbar unter Hunger und Durst. Die Hungerschwaeche hat aus den Menschen Schatten gemacht. Der Hunger machte die Menschen verrueckt, sie nahmen sich das Leben. Sehr oft hat man die Kannibalen den Deutschen uebergeben, die sie vor der Erschießung fotografierten. Spaeter nutzte man diese Fotos fuer Propagandaziele aus, um die Sowjetgefangenen als “Untermenschen“ zu zeigen. – A.Schneer. „Plen“ (Gefangenschaft). Jerusalem, 2003, Seite 190.

Man muss nicht vergessen , dass die Sowjetliteratur eine wichtige ideologische Waffe war, die als Propagandamittel gegen den Feind in der Erziehung eine große Rolle spielte. Deswegen sind die Werke wie z. B. "Nauka nenawisti“ (Wissenschaft des Hasses) von A. Tolstoj, "Ubej nemza“ (Moerde den Deutschen) von K. Simonow, Artikel von Ehrenburg, veroeffentlicht worden. Ich glaube nicht, dass solche Literaturwerke immer nach Vorschrift geschrieben wurden, aber sie zeigen die Position des Autors. Darum sehe ich die Umsetzung der tragischen Geschichte nach Deutschland als ganz natürlich. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Sowjetunion um diese Zeit ihre Invasion nach Deutschland vorbereitete und die negative Beschreibung eines Deutschen als Barbaren ganz stark unterstuetzt wurde.

Man kann ahnen, dass Sluckij direkt ueber “Umaner Grube“ schreiben wollte, aber die Zensur hat ihm das nicht erlaubt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Bemerkungen Ihnen in Ihrer Arbeit helfen werden.

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Aharon Schneer"


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Quellen:


© Boris Sluckij: "Kjol'nskaja jama". (Deutsche Übersetzung: "Die kölnische Grube" von Hugo Huppert). Aus: "Solang es dich, mein Russland, gibt". Russische Lyrik von Puschkin bis Jewtuschenko, Herausgegeben von Roland Opitz, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig, 1960, 2. Auflage 1961.
© René Senenko, Hamburg. Schriftstücke aus dem Nachlass seines Vaters Dr. Heinz Senenko.
© Professor Dr. Jirí Franĕk, Prag/Tschechien, Literaturwissenschaftler, verstorben im Dezember 2007.
© MEMORIAL Deutschland e. V., Mitglied des Internationalen MEMORIAL (Sitz: Moskau)
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin, www.memorial.de, www.memo.ru



Publikationen zu diesem Thema (allgemein, nicht speziell zum Raum Köln):
Bonwetsch, Bernd: Die sowjetischen Kriegsgefangenen zwischen Stalin und Hitler. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 41. Jg., H. 2, Berlin 1993, S. 135-142
Keller, Rolf, und Otto, Reinhard: Das Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen und die Wehrmachtbürokratie. Unterlagen zur Registrierung der sowjetischen Kriegsgefangenen
1941 - 1945 in deutschen und russischen Institutionen. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen, 57. Jg., H. 1, München/Wien 1998
Kriegsgefangene / Wojennoplennyje. Sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland - Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion. Hg. Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Düsseldorf: Droste Verlag 1995 (ISBN 3-7700-1043-4)
Die Tragödie der Gefangenschaft in Deutschland und in der Sowjetunion 1941-1956. Hg. Klaus-Dieter Müller, Konstantin Nikischkin, Günther Wagenlehner. Köln - Weimar: Böhlau 1998, S.
291ff. (ISBN: 3-412-04298-6)
Streit, Christian: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945. Bonn: Dietz Verlag 1991 (ISBN 3-8012-5016-4) Neuausgabe, Bonn 1997
Osterloh, Jörg: Sowjetische Kriegsgefangene 1941-1945 im Spiegel nationaler und internationaler Untersuchungen (Berichte und Studien, 3). Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung 1995 (ISBN 3-931648-02-8)
Osterloh, Jörg: Verdrängt, Vergessen, Verleugnet. Die Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen in der historischen Forschung in der Bundesrepublik und der DDR. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 47. Jg., H. 10, Seelze 1996, S. 608-619
Otto, Reinhard: Lager für sowjetische Kriegsgefangene in Westfalen (1941 - 1945). In: Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, 1993, S. 155 - 185.
Otto, Reinhard: Wehrmacht, Gestapo und sowjetische Kriegsgefangene im deutschen Reichsgebiet 1941/42.München: Oldenbourg 1998 (ISBN: 3-486-64577-3).

©Textbeitrag: Heide Kramer, Februar 2007.

 

(Aktualisiert: Februar 2010).

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