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Bürger wollen Rockerklubs loswerden

10. November 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Bürger wollen Rockerklubs loswerden    

 

 

Von Rose Gerdts-Schiffler                       Weser Kurier 10.11.2010


Bremen. Die spannendsten Diskussionen lieferten sich die Kontrahenten am
Ende der Beiratssitzung in der Arbeitnehmerkammer: Im Ausgang standen
zwei breitschultrige Hell?s Angels und forderten ausgerechnet von
Ortsbürgermeister Robert Bücking ein Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit:
'Gilt für uns etwa nicht die Unschuldsvermutung?' Einen Moment hielt
Bücking irritiert inne. Dann konterte er entschieden: 'Dafür ist mir die Liste
der euch zugeschriebenen Tötungsdelikte zu lang. Das ist einfach so.'


Kurz zuvor hatte der Viertelbürgermeister
mit der durchdringenden Stimme noch
einen flammenden Appell an die Zuhörer
gerichtet. An die drei Rocker im Publikum
gewandt, rief er in den Saal: Unterschätzt
die Bürger nicht. Wir sind entschlossen,
uns von niemandem mehr einschüchtern
zu lassen. Gemeinsam mit einer mutigen
Presse und der Polizei sind selbstbewusste
Bürger eine ziemliche Macht.'
Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ulrike
Hiller betonte, dass die Rocker ein
politisches Thema seien, das die ganze
Stadt angehe. Den Auftakt zu dem Abend,
der unter dem Motto stand 'Den Hell's
Angels die Grenzen zeigen', machte Wolfgang Budde von der Anwohnerinitiative.
Er beschrieb, wie sich das Leben der Anwohner im Rembertiviertel verändert habe,
seit im Sommer 2000 erst die Hell's Angels ihr heutiges Klubgebäude Am Dobben
bezogen und 2009 die Red Devils eine ehemalige Klempnerei in der Eduard-
Grunow-Straße anmieteten.


Ausnahmezustand im Rembertiviertel
'Die Aktivitäten haben in den vergangenen zwei Jahren extrem zugenommen',
betonte Budde. Die Feste der Klubs würden bis zu 300 Rocker aus dem
niedersächsischen Umland ins Wohngebiet ziehen. Hinzu kämen 'Memorial Runs'
zu Ehren Verstorbener und die wöchentlichen Klubabende. Bei den größeren
Veranstaltungen herrsche 'Ausnahmezustand' im Rembertiviertel. 'Öffentlicher
Raum wird wie selbstverständlich okkupiert, Verkehrsregeln gelten nicht mehr,
martialisches Auftreten, ohrenbetäubender Lärm', zählte der Sprecher auf.
Eine Zuhörerin in dem voll besetzten Saal schilderte eine Szene, in der ihr ein Red
Devil nach einer Beschwerde bei der Polizei gedroht habe: 'Wenn du noch mal die
Bullen anrufst, schlage ich dich tot.'
Christine Kröger, Redakteurin des WESER-KURIER, warnte davor, dass Mitglieder
krimineller Rockerklubs nach gesellschaftlicher Anerkennung suchten. Sie könnten
sich so viel herausnehmen, weil sie 'Angst machen und weil sie geschickt
vorgehen'. Außerdem benützten sie legale Geschäftsfelder, um ihr illegal
verdientes Geld zu waschen. Die Redakteurin war auf Wunsch der Anwohner zu der
Beiratssitzung geladen worden, da sie in der Vergangenheit wiederholt kritisch
über die Rockerszene geschrieben hatte. Anhand einiger Fotos, die sie zeigte,
unterstrich sie ihre These, dass die Hell's Angels gemeinsame Sache machten mit
rechten Hooligans. Ein Verbot der Hell's Angels bezeichnete Christine Kröger als
'diskussionswürdig'. In dieselbe Kerbe schlug Wilhelm Hinners, innenpolitischer
Sprecher der CDU. In einem gemeinsamen Antrag der CDU, SPD und Bündnis
90/Die Grünen wird der Senat aufgefordert, künftig auf 'Grundlage einer
Null-Toleranz-Strategie gegen alle Rechtsverstöße aus dem Rockermilieu
vorzugehen'. Dazu seien alle Möglichkeiten des Straf-, Ordnungs- und
Straßenverkehrsrechts konsequent zu nutzen. 'Kooperative Absprachen' dürfe es
nicht geben, außerdem solle ein Vereinsverbot geprüft werden. Über den Antrag
wird heute in der Bürgerschaft beraten.


Polizei räumt Versäumnisse ein
Polizeipräsident Holger Münch räumte am Montagabend ein, dass die Polizei in der
Vergangenheit die Nöte der Anwohner von Rockerklubs nicht genug berücksichtigt
habe. Künftige Beschwerden über Hell's Angels und Red Devils sollten polizeiintern
so hoch gehängt werden wie Notrufeinsätze. 'Sie können von uns erwarten, dass
wir bei Festen und großen Treffen der Rocker nicht auf Ihre Anrufe warten, sondern
vor Ort sind', so Münch. Szenen, wie es sie zuletzt Anfang August gegeben hatte,
als Hell's Angels den Verkehr 'regelten', um in Gruppen zu einem sogenannten
Memorial Run zu fahren, werde es nicht mehr geben. Münch will sich außerdem so
lange einmal im Monat mit den Anwohnern treffen, bis sich die Bürger und
Bürgerinnen sicher fühlten und wieder Vertrauen in die Polizei hätten. Das nächste
Treffen soll Anfang Dezember stattfinden.
Eine Kooperation mit den Hell's Angels oder gar Gespräche auf Augenhöhe werde
es mit ihm als Polizeipräsidenten nicht geben, sagte Münch gestern auf Nachfrage.
Die Polizei kooperiere nur mit 'Leuten, die gleiche Ziele und Wertvorstellungen
haben'. Münch: 'Wenn die mit uns sprechen möchten, können sie sich wie jeder
andere an das zuständige Revier wenden.' Große Zustimmung im Saal fand der
Vorschlag der Initiative, die Waffenverbotszone von der Disko-Meile auf das
Rembertiviertel auszudehnen und für Bürger eine Hotline einzurichten.
Rudolf Triller, Pressesprecher der Hell's Angels, verwahrte sich gegen die
'Pauschalverurteilung' der Mitglieder. Wer im Klub mit Drogen handele, fliege raus.
Die Aussage erntete Gelächter der Umstehenden. Nach Auskunft der Polizei haben
die Bremer Hell's Angels knapp 40 Mitglieder. Münch: '13 von ihnen sind auf
Bewährung draußen, drei im Gefängnis.'

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