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Demokratin mit Vorbildcharakter

24. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antirassismus | Asyl

„Sie tut etwas, anstatt nur zuzugucken“: Nicht nur der 16-jährige Niklas Schmitt ist von Irmela Schramm und ihrem Engagement gegen rechtsradikales Gedankengut beeindruckt gewesen. Auch seine Mitschüler aus dem zehnten und elften Jahrgang am Bad Nenndorfer Gymnasium (GBN) waren fasziniert von der 65-jährigen Berlinerin, die seit vielen Jahren in ganz Deutschland Aufkleber und Schmierereien von Neonazis fotografiert und anschließend abreißt, übermalt und unkenntlich macht.

Mit bunten Stiften und Kreativität gegen menschenverachtendes Gedankengut: In einem Workshop setzen sich die GBN-Schüler mit Nazi-Parolen auseinander.

Irmela Schramm trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. © kcg

Bad Nenndorf (kcg). Aus ihren Fotos hat Schramm die Ausstellung „Hass vernichtet“ zusammengestellt, die schon in zahlreichen europäischen Städten zu sehen war und derzeit im GBN gezeigt wird. In zwei Workshops hat sie zudem mit den Bad Nenndorfer Schülern ausprobiert, sich den fotografierten Hassparolen mit viel Kreativität entgegenzustellen.

Schramm war begeistert von den Ideen der Jugendlichen, die mit bunten Stiften und einer ordentlichen Portion Einfallsreichtung im Workshop Plakate mit menschenverachtenden Sprüchen verfremdet haben. Und so wurde zum Beispiel aus der Parole „Multikultur – Nein Danke“ der Slogan „Multikultur – Ja Bitte. Nein Danke zur Eintönigkeit“.

„Absolute Spitze“, lobte die Berlinerin, die zuvor von ihrem Erfahrungen mit Neonazis und Ordnungkräften berichtete. Immer wieder werde sie für ihre Arbeit angefeindet und bedroht. Aufgeben werde sie dennoch nicht, betonte Schramm und appellierte an die jungen Leute, rechtsradikales Gedankengut an Häuserwänden und Bushaltestellen nicht einfach hinzunehmen.

Eine Botschaft, die bei den Schülern ankam. „Ich finde toll, dass sich Leute für etwas einsetzen, an das sie glauben und auch nicht damit aufhören, wenn sie angegriffen werden“, sagte Insa Haacke (16) aus Barsinghausen. Auch für Lena Heidkamp hat Schramms Initiative Vorbildcharakter: „Ich finde total bemerkenswert, wie sie sich gegen Nazis wehrt.“

Unterstützung für Protest

In Bad Nenndorf finde sie eine „toll gelebte Demokratie“ betonte Irmela Schramm, als sie sich beim Empfang im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Im Gespräch mit Bürgermeisterin Gudrun Olk kündigte die Berlinerin an, am 6. August wieder in die Kurstadt zu kommen, um den Protest gegen den sogenannten „Trauermarsch“ der Neonazis zu unterstützen.

Schramm bot zudem an, ihre Ausstellung „Hass vernichtet“ dann noch einmal in Bad Nenndorf zu zeigen. Auch die in den beiden Schüler-Workshops entstandenen Bilder sollen am 6. August als Collage möglichst nah an der Aufmarschstrecke der Rechtsextremen aufgehängt werden. „Eine tolle Idee“, erklärte Olk. Generell sei Schramms Initiative ein Beweis dafür, dass „man mit vielen kleinen Dingen eine Menge bewegen kann“.

Schramms Ausstellung ist übrigens außer in Bad Nenndorf auch in Schulen in Stadthagen und Obernkirchen zu sehen. In Bückeburg sei die Präsentation abgesagt worden. Das passiere oft in den Städten, die die meisten Probleme mit den Hetzparolen hätten, erklärte die 65-Jährige.

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