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Demonstration Russische Polizei nimmt HIV-Infizierte fest

2. Dezember 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Freiheitsrechte

02.12.2010 Spiegel.de
 

Demonstration

Russische Polizei nimmt HIV-Infizierte fest


Ausgerechnet am Welt-Aids-Tag hat die russische Polizei zehn HIV-Infizierte festgenommen. Ihr Vergehen: Sie hatten vor dem Regierungssitz in Moskau für ihr Recht auf Medikamente demonstriert.

Moskau - Bei klirrender Kälte hatten sich die Aktivisten am Dienstag vor dem Weißen Haus in Moskau versammelt, um gegen die Versäumnisse des Gesundheitsministeriums in Sachen Aids-Therapie hinzuweisen. Sie hielten Plakate hoch, auf denen sie die Behörde als "Beerdigungsministerium" bezeichneten, weil noch immer Zehntausende Infizierte in Russland keine Medikamente bekämen.

 


Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte jetzt erstmals Versäumnisse der Behörden: Auf ihrer Web-Seite heißt es, es seien "zahlreiche Unregelmäßigkeiten" im Zusammenhang mit dem Kauf von Medikamenten für HIV-Infizierte und Hepatitis-Kranke festgestellt worden. Demnach sei im laufenden Jahr erst im vierten Quartal überhaupt mit dem Einkauf von antiviralen Arzneien begonnen worden. Einige Lieferverträge seien erst im November, andere noch gar nicht unterzeichnet worden. Daher seien die Medikamente in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen gar nicht vorrätig, zitiert die Zeitung "Wedomosti" die Staatsanwaltschaft.

 

Viele Aids-Kranke in Russland mussten aufgrund des Versorgungsmangels ihre Therapie unterbrechen. In Moskau, Kazan, Tula und Archangelsk erhoben HIV-Infizierte inzwischen Anklage gegen die Behörden. In verschiedenen Regionen kam es zu Protestaktionen. Präsident Medwedew selbst hatte die Ministerin für Gesundheit und Soziales, Tatjana Golikowa, bereits im August dazu aufgefordert, die Verantwortlichen zu bestrafen und die Abläufe zu optimieren.

Der Leiter des nationalen russischen Aids-Zentrums, Wadim Pokrowski, und die parlamentarische Gruppe für den Kampf gegen Aids hatten das Gesundheitsministerium scharf kritisiert und bemängelt, dass das Ministerium aus unerfindlichen Gründen darauf verzichte, günstige Medikamente zu erwerben und stattdessen den fünf- bis achtfachen Preis zahlen würde. Abgeordnete und Aktivisten forderten im November eine Untersuchung. Doch in der Folge sei nur die Organisation von Pokrowski überprüft worden. Die Abgeordneten hätten keine Antwort erhalten, schreibt "Wedomosti".

Offiziell wird die Zahl der HIV-Infizierten in Russland auf etwa 570.000 geschätzt. Experten gehen aber davon aus, dass es mindestens doppelt so viele sind.

ala

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