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DGB brachte Fachleute zur EIBIA Liebenau an einen Tisch

1. April 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #EIBIA-Liebenau

DGB brachte Fachleute zur EIBIA Liebenau an einen Tisch

Kreiszeitung.de   31.03.2011

Verein Pulverfabrik Liebenau wirbt weiterhin für sein Projekt „Gedenkstätte“

Ihr Tarnname war „Anlage Karl“

31.03.11  |

Nienburg - Von Sabine GrulkeLIEBENAU · Ihr Tarnname war „Anlage Karl“: Die Pulverfabrik Liebenau, mit deren Bau im Sommer 1939 begonnen worden war. Auf dem rund zwölf Quadratkilometer großen Gelände zwischen Liebenau und Steyerberg, das noch immer umzäunt und nur selten öffentlich zugänglich ist, will der Verein Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau eine Gedenkstätte errichten.

Das Haus Nummer 114 der Pulverfabrik Liebenau soll in spätestens zwei Jahren eine Gedenkstätte sein.

Das Haus Nummer 114 der Pulverfabrik Liebenau soll in spätestens zwei Jahren eine Gedenkstätte sein.

Über den derzeitigen Stand der Aktivitäten und Planungen informierten sich auf Einladung des Ortsverbandes Liebenau-Stolzenau-Uchte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Montagabend im Liebenauer Gasthaus Sieling rund ein Dutzend Zuhörer. Zuletzt hatte der Verein vor zwei Jahren eine ähnliche Veranstaltung bestritten. Jetzt gab sich Helmut Adler, kommissarischer Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes, zuversichtlich: „Wenn wir Sie beim nächsten Mal einladen, dann in die neue Gedenkstätte.“

Mit deren Bau rechnet der Verein im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr. Allerdings soll es kein weiteres Monument werden, sondern eine Begegnungs- und Bildungsstätte, erklärte Martin Guse, Geschäftsführer des Vereins. Entstehen soll sie im sogenannten Haus Nr. 114, einem Gebäude, das außerhalb des Zauns liegt und damit zugänglich ist. Nach wie vor hält nämlich die bundeseigene Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) den größten Teil der Anlage, die rund 400 Gebäude umfasst, unter Verschluss. Jährlich gibt es 15 offizielle Besichtigungstermine, für die Anmeldungen notwendig sind: „Das ist extrem zu wenig“, wie die Zuhörer meinten.

In der Pulverfabrik mussten während der Zeit des Nationalsozialismus vor allem verschleppte „Ostarbeiter“ unter unmenschlichen und lebensgefährlichen Bedingungen schuften. Untergebracht waren sie in Baracken auf dem umzäunten Gelände oder im „Arbeitserziehungslager“, das dort stand, wo sich heute die Schule befindet. Sie starben an Mangelerkrankungen, Hunger und Schlägen, aber auch durch Hinrichtungen. Rund 2 000 von ihnen sind auf dem nahegelegenen Friedhof Hesterberg beerdigt.

Die wenigen deutschen und westeuropäischen Arbeitskräfte lebten zumeist in den noch heute vorhandenen „Steinlagern“ in Liebenau (Waldsiedlung) und Steyerberg (Lebensgarten). Die flachen Betonbauten auf dem Gelände der Pulverfabrik tarnten die Nationalsozialisten gegen Fliegereinsicht mit Erde und Bäumen auf den Dächern. Einige Gebäude wurden auch unterirdisch errichtet.

Die Eibia, eine Tochter der Wolff AG aus Walsrode, ließ dort bis 1945 insgsamt über 40 000 Tonnen Pulver produzieren, das waren mehr als 30 Prozent der gesamten Produktion im „Deutschen Reich“. Der Wasserverbrauch, der dafür nötig war, soll den der Stadt Bremen überstiegen haben. 70 Brunnen wurden dafür gebohrt, über 80 Kilometer Betonstraßen gebaut. Ein Gleisanschluss zum eigens gebauten Weserhafen und zum Liebenauer Bahnhof sorgte für den Transport der Explosivstoffe.

Das Vorhaben, diesen „vergessenen Ort der Nazi-Diktatur zugänglich zu machen“, wie Walter Eisner, Vorsitzender des Vereins Dokumentationsstelle, es ausdrückte, stößt mittlerweile fast überall auf offene Ohren. „Die Unterstützung ist schon grandios. Es gibt aber auch welche, die mir am liebsten die Kehle durchschneiden möchten“, sagte Guse. Rund 550 000 Euro soll die Gedenkstätte Bund und Land kosten, der Rest soll „aus der Region kommen“, so der Geschäftsführer.

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