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Die Anti-Atom-Sonne ist nicht braun! Platzverweis für Nazis!

25. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Seit Monaten erlebt der Widerstand gegen die Atomenergie bundesweit ungeahnten Aufwind. Zum einen ist die
Reaktorkatastrophe in Japan dafür trauriger Hintergrund, zum anderen die industriefreundliche Atompolitik der
Bundesregierung.
In letzter Zeit ist zu beobachten, dass Neonazis versuchen, sich an den populären Protesten zu beteiligen. So nahmen
Neonazis aus Schneverdingen an den dortigen Anti-Atom-Mahnwachen teil. Am 18. Mai 2011 tauchte dort eine
Gruppe von 8 – 9 Nazis auf. Am 23. Mai 2011 versuchten die selben Nazis im nahegelegenen Soltau die dortige
Mahnwache zu unterwandern. Am selben Tag trat auch in Hannover eine größere Nazigruppe auf der Mahnwache in
der Landeshauptstadt auf.
Mit aktuellen und scheinbar bürgernahen Themen versucht gerade die NPD Akzeptanz zu gewinnen. Ziel ist es für die
Nazis, sich vor Ort zu verankern und eine Möglichkeit zu erhalten, ihr menschenverachtendes Gedankengut zu
propagieren. Auch wenn die Parolen denen der Bürger_inneninitiativen und Umweltschutzgruppen gleichen: Nazis
haben bei Anti-Atom-Protesten nichts zu suchen!

aakw.JPG

 

Braune Ökologen???
Die Hoffnungen der NPD oder anderer Nazis von der
Anti-Atom-Bewegung akzeptiert zu werden, beruhen
auf historischen Erfahrungen der extremen Rechten
mit der Ökologiebewegung. Schon in der sich um
1871 formierenden Natur- und Heimatschutzbewegung
konkurrierten emanzipatorische und völkische
Ökologiekonzepte miteinander. Im 19. Jahrhundert
trieb die Furcht vor der vermeintlichen Entwurzelung
des Menschen in der modernen
Gesellschaft und vor der Zerstörung
der Natur durch die
Industrialisierung sowohl Linke
als auch Rechte um; in den
meisten Gruppen der Lebensund
Reformbewegungen dominierten
jedoch bald die
völkischen Konzepte.
Vor allem die so genannte
Lebensphilosophie von Oswald
Spengler und Ludwig
Klages hatte großen Einfluss
auf die Ökologiebewegung des
frühen 20. Jahrhunderts. Spengler
und Klages negierten die
Visionen der Aufklärung von
Emanzipation und Egalitarismus
und propagierten die Idee
eines „organischen Staates“, in
den sich der einzelne Mensch entsprechend seiner
Natur einzuordnen habe.
Unter der Parole „Naturschutz ist Heimatschutz“
verkündeten rechte Ökologen schon damals, dass nur
durch die Wiederherstellung der „traditionellen“ Wirtschafts-
und Gesellschaftsverhältnisse „Blut und
Boden, Volk und Heimat“ vor schädlichen Einflüssen
geschützt und bewahrt werden könnten. Daran knüpft
die faschistische NPD bis heute an und getreu dieser
Vorstellungen propagierten Neonazis auch schon in
den 1980er Jahren den Ausstieg aus der Atomenergie.
Unter der Parole „Deutschland erwache, gegen den

Atomstaat“ versuchten sie den Protest gegen das
AKW-Brokdorf zu unterwandern. In Kampfmontur
erschien die Wehrsportgruppe Hoffmann in der
Wilster Marsch, um gegen die „genetische Verunreinigung
des arischen Blutes durch Atomstrahlen“ zu
streiten. Ihr Auftreten blieb isoliert.
Im Jahr 2001 versuchten Neonazis in Uelzen einen
Aufmarsch gegen Castortransporte durchzuführen.
Dieser wurde allerdings durch aktive Antifaschistinnen
und Antifaschisten verhindert.
In Mecklenburg-Vorpommern,
wo die NPD im Landtag vertreten
ist, äußerte der NPDFraktionsvorsitzende
Udo Pastörs
während einer Landtagsdebatte,
dass die Atomenergie
ein Teufelswerk sei und nur der
kapitalistischen Wachstumsideologie
diene. Um aber gleichzeitig
offen zuzugeben, dass es
der NPD nicht um die
Abschaffung der Atomtechnologie
gehe. Laut der Äußerung
von Pastörs im Landtag, ist ein
weiteres deutsches Engagement
in der Atomenergie in
Ermangelung anderer preiswerter
Alternativen zur Energiegewinnung
sinnvoll, um auf
dem Weltmarkt mit dessen
niedrigen Energiepreisen mithalten zu können. Auch
wenn dieses Argument faktisch falsch ist, so zeigt
dieses Argument der Standortlogik doch sehr deutlich
die eigentlichen, nationalistischen Interessen der
Nazis. Im Kern ging es den Nazis in ihrer Rhetorik
also nicht um die Abschaffung der Atomenergiegewinnung
weltweit sondern nur um einen Machtgewinn
in der strukturschwachen Region Mecklenburg-
Vorpommern, indem sie sich als Sachverwalter
der Interessen der dortigen Bevölkerung
gegen vermeintliche Interessen der so genannten
Industrieregionen gerierten.

 

Nazis entgegentreten!
Auch wenn Nazis als vermeintliche Atomkraftgegner
auftreten oder sich auf Veranstaltungen – wie den
Mahnwachen in Schneverdingen, Soltau oder
Hannover – rumdrücken, muss klar sein, dass sich
hinter dem Dauerlächeln von irgendwelchen NPDFunktionären
oder Losungen wie „Umweltschutz ist
Heimat-schutz“, die rassistische und faschistische
„Blut und Boden“-Ideologie des Nationalsozialismus
verbirgt.
Die Nazis versuchen dem unkritischen Betrachter
vorzugaukeln, hier würden die gleichen Ziele verfolgt.
Hinter dem Begriff „Heimatschutz“ steht jedoch mehr
als der Umweltschutzgedanke. Neofaschistische Gruppen
meinen stets eine völkisch-rassistisch definierte
Heimat: Eine Heimat nur für Deutsche, eine Heimat,
die diktatorisch bestimmt wird und eine „nationale
Identität“ nutzt, um jede emanzipatorische Bewegung
anzugreifen.
Die Vereinnahmung von scheinbar gleichen Zielen
dient ausschließlich dazu, eine ideologische Mehrheit
zu erringen, d.h. natürlich nicht, dass die Mehrheit der
Bevölkerung die grundsätzlichen Ziele der Nazis teilt,
sondern dass die neofaschistischen Gruppen zumindest
für Teile ihrer Positionen sich der Mehrheitsmeinung
der Bevölkerung sicher sein können. Ist dies erst
einmal erreicht, liegt der Unterschied nur noch in den
Taten, die zum Realisieren nötig sind.
Wie gut diese Strategie funktioniert, lässt sich an der
„Ausländerpolitik“ der BRD gut erkennen. Hier treten
Nazis als Brandstifter und Mörder in einem
gesellschaftlichen Klima auf, wo Vorurteile, rassistische
Einstellungen und Abwehrreflexe gegen
Flüchtlinge und Migrant_innen vorherrschen.
Es ist die übliche Taktik der Nazis, sich an Proteste
und gesellschaftliche Kontroversen anzuschließen in
der Hoffnung, dadurch mehr gesellschaftlichen Einfluss
zu erlangen. In diesem Zuge präsentieren sie sich
und einen starken Staat, nationalistische, antisemitische
und rassistische Ideologien als Lösungsmuster.
Die Anti-Atombewegung ist gut beraten, es nicht
zuzulassen, dass Vertreter menschenverachtender
Ideologien als Trittbrettfahrer von den vielfältigen
Anti-Atom-Protesten profitieren.
Rechte Trends durchkreuzen!
Unverzichtbar ist heute antifaschistisches Handeln, das
bei der Zivilcourage im Alltag beginnt und das zu
organisiertem politischem Protest und Widerstand
gegen faschistische Entwicklungen führt.
Den Nazis einen Strich durch ihre Rechnung zu
machen und sich der NPD und anderen Nazis
entschlossen entgegenzustellen ist das eine. Darüber
hinaus gilt es aber auch, dass eine Politik, die den
faschistischen Organisationen das Wasser abgraben
will, die Gesellschaft, aus der sie entstehen, nicht aus
dem Blick verlieren darf. Rassismus und Antisemitismus
sind tief in der Gesellschaft verankert,
Faschismus und Nationalismus speisen sich aus
Grundprinzipien der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
Solange Leistungsfähigkeit und Ellenbogengesellschaft,
Ausbeutung und Profit die Ideale
der Gesellschaft sind, wird eine Ideologie, die auf dem
Wechselspiel von Ein- und Ausgrenzung basiert und
eine „Volksgemeinschaft“ durch die Benennung, Ausgrenzung
und gewaltsame Verfolgung von „Sündenböcken“
herstellen will, nicht aussterben.
Wir streiten für eine Gesellschaft, in der ein gleiches
Recht für alle gilt und in der soziale und demokratische
Teilhaberechte unabhängig von einer georafischen
Herkunft garantiert sind. Für eine Gesellschaft,
die frei von Ausbeutung und Unterdrückung ist
und die auf der Gleichberechtigung aller Menschen
und Solidarität basiert
"Die Vernichtung des Faschismus mit seinen
Wurzeln, der Aufbau einer neuen Welt des
Friedens und der Freiheit ist unser Ziel."

 

Kein Fußbreit den Nazis in den Anti-Atom-Protesten noch irgendwo sonst !

 

Koordination antifaschistischer Gruppen
aus der Lüneburger Heide
www.antifa-lg.de


V.i.S.d.P.: Olaf Meyer, Katzenstr. 2, Lüneburg

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