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Die Kinder von Litzmannstadt

22. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kultur

Die 2010 verstorbene Journalistin Kristine Malecki-Gilys hat mehrere Hörfunksendungen über die jugendlichen Opfer der deutschen Besetzung Polens hinterlassen, die wir hier dokumentieren. Wir danken dem Ehemann von Frau Malecki-Gilys, der Mitschnitte der Sendungen zur Verfügung stellte und dem "Zug der Erinnerung" einen namhaften Betrag für die überlebenden Kinder der NS-Verbrechen überwies. Nachdem der Verein diese Spende verdoppelt hatte, wurde sie jetzt insgesamt 16 früheren Deportierten in der Region Zamosc ausgezahlt.

Die Kinder von Litzmannstadt (mp3)

 

Gebt uns unsere Kinder zurück (mp3)

 

Die Kinder von Litzmannstadt

Die Leiden polnischer Kinder unter deutscher Besatzung,
nachgezeichnet aus Dokumenten

von

Kristine Malecki – Gilys
(4.7.1941 – 16.10.2010)

Mitwirkende:
Erzählerin: Ulla Evrahr
Berichterstatter: Peter Weis
Zitator: Wolfgang Kaven

Produktion: Birgit Meyer

Ich bin klein. Backe, backe Kuchen, singt meine Mutter und klatscht in die Hände. Und da klatsche auch ich in die Hände, und meine Mutter freut sich. ‚Wie groß ist Truschi?’ – fragt meine Mutter mich. ‚So groß’ – sagt meine Mutter und nimmt meine Arme hoch. ‚Mach Heil Htler!’ – sagt meine Mutter und streckt ihren Arm, und da hebe auch ich meinen Arm, und meine Mutter freut sich, und ich lache. Manchmal nimmt mein Vater mich mit, wenn er spazieren geht. Er liebt den kleinen Hafen mit den drei Brücken über den Elbingfluß. Bis zum Hafen ist der Weg weit, mein Vater trägt mich huckepack.

*

Ausgemergelte Frauen, notdürftig gekleidet, schleiften ihre halberfrorenen Füße über den Boden zu der einen Brücke hin, die sie reparieren mussten. In den stumpfen Augen der Frauen war die Hoffnung erloschen, die Elbinger würden ihnen heimlich ein Stück Brot zustecken. Die Elendsgestalten waren aus dem Konzentrationslager in Stutthof, Frauen ohne Alter, viele jüdische Frauen und auch christliche Frauen. Mütter. Mütter, die sich fragten, wohin inzwischen ihre Kinder gekommen waren. Die polnischen Mütter wussten: Die Deutschen hatten in ganz Polen Lager errichtet, in denen sie auch Kinder zu harter Arbeit zwangen. Polnische Mütter wussten: Die Deutschen entführten Kinder und brachten sie an geheimen Orten unter, um sie einzudeutschen. Polnische Mütter wussten: Die Deutschen machten Razzien auf Kinder, auf Vierzehnjährige, auf Zwölfjährige, und deportierten sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland.

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Quelle: Zug der Erinnerung

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