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Drohen im Steintorviertel neue Bandenkriege?

15. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Die Sansibar in Hannover. © NDR Fotograf: NDR

Detailansicht des BildesDie Sansibar ist eine der vielen Bars im hannoverschen Steintorviertel.Einen Tag nachdem "Hells Angels"-Chef Frank Hanebuth seinen Rückzug aus der Partymeile am Steintorviertel angekündigt hat, fragen sich viele in Hannover, was dort nun passieren wird. Zunächst einmal stelle sich die Frage, ob "den Worten wirklich Taten" folgen, also ob sich die "Hells Angels" als Sicherheitsdienst auch tatsächlich aus dem Viertel zurückziehen werden, so Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Am Steintor gehe es um einen Haufen Geld, nicht nur aus dem Ausschankbetrieb, wie zum Beispiel der "Sansibar", sondern auch aus der Prostitution. Solche Bereiche seien immer hart umkämpft, weiß Küch.

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Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter steht vor herbstlicher Naturkulisse und gibt ein Interview. © NDR Fotograf: Jan Starkebaum
 
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"Es geht dort um einen Haufen Geld"

Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter steht Frank Hanebuths Ankündigung, sich vom Steintor zurückzuziehen, skeptisch gegenüber. Bereiche wie das Steintor seien immer hart umkämpft.

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Zieht sich Hanebuth komplett aus dem Steintorviertel zurück?

"Meine Bordelle werde ich behalten", hat der Rocker-Chef bereits dem NDR gesagt. Der angekündigte Rückzug betrifft nur die Sicherheitsfirma "Bodyguard Security", die er gemeinsam mit Kompagnon und "Hells Angels"-Mitglied Wolfgang Heer aus Walsrode betreibt. Türsteher der "Bodyguard Security" waren in der Vergangenheit für die Einlasskontrolle an verschiedenen Läden zuständig. Persönlich werde Hanebuth seine so selbst betitelte "Tätigkeit als Sicherheitskoordinator" für das Viertel beenden. Man darf aber davon ausgehen, dass er sich weiter um die Sicherheit der Bordelle kümmern wird.

Wird man ab jetzt keine "Hells Angels" mehr am Steintor sehen?

Zumindest die Jacken mit der Aufschrift "Bodyguard Security" sollen verschwinden, schreibt am Dienstag die "Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)". Die Türsteher allerdings bleiben wohl dieselben. "Es sind nur vier Mitarbeiter von unserer Firma am Steintor tätig gewesen. Alle anderen Türsteher sind direkt bei den Klubs angestellt", sagte zumindest "Hells Angels"-Chef Frank Hanebuth. Spätestens bei den nächsten Harley Days im Sommer 2012 könnte man allerdings wieder einige "Hells Angels"-Kutten auf Motorrädern sehen. Falls das Treffen der Motorrad-Fans überhaupt stattfindet. Der "HAZ" sagte der Wirt Werner Schenk: "Für die Security-Leute, die für Partys dieser Größenordnung notwendig sind, haben wir bei Frank bislang nur einen Kulanzpreis bezahlt, alleine hätten wir das gar nicht hin bekommen."

Wer übernimmt die Rolle des "Sicherheitskoordinators"?

Der Boss der Motorradrocker in Hannover, Frank Hanebuth. © dpa Fotograf: Jochen LübkeDetailansicht des BildesSeit 28 Jahren gilt Rockerchef Hanebuth als einer der "Strippenzieher" am Steintor in Hannover. (Archivbild)Hanebuth hat sich selbst so genannt, aber selbstverständlich ist dies kein offizieller Titel. Für die Sicherheit im Steintorviertel sei die Polizei zuständig, so Ulf Küch: "Wir haben nichts gegen Sicherheitsdienste, aber Sicherheitsdienste mit diesem Background in derart problematischen Bereichen haben dort nichts zu suchen." Im Steintorviertel sei der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben worden. Auch Stefan Wittke, Pressesprecher der Polizei Hannover, betonte, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt. Seit über einem Jahr sei die Polizeipräsenz im Viertel deutlich und massiv erhöht worden. Die Sicherheit sei also bereits in der Vergangenheit von der Polizei gewährleistet worden, so Wittke.

Kann die Polizei für Sicherheit im Viertel sorgen?

Offiziell wird dies kein Polizeibeamter bezweifeln, aber Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sagte nach der Rückzug-Ankündigung Hanebuths, die örtliche Polizei müsse darauf achten, "dass dort wieder Rechtstaatlichkeit herrscht". Im Umkehrschluss heißt dies, dass der Rechtstaat im Steintorviertel aktuell wenig zu sagen hat. NDR.de Nutzer "Stephane K." findet es dann auch schade, dass sich der "Hells Angels"-Chef zurückziehen will: "Man konnte dort gut und vor allem ausgelassen feiern, ohne immer im Hinterkopf zu haben, was wem passieren kann. Ich glaube selbst mit erhöhter Polizeipräsenz wird man sich dort nicht mehr so sicher fühlen." Auch NDR.de Nutzer "Unverständlich" befürchtet, dass die Kriminalität im Viertel steigen wird: "Wer schon mal am Steintor war, weiß, dass Frank und seine Leute für Ruhe gesorgt haben. Wenn die Albaner dort die Macht bekommen, dann gute Nacht."

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Stefan Wittke, Pressesprecher der Polizei Hannover, gibt ein Interview. © NDR Fotograf: Henning Orth
 
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"Die Polizei begrüßt diese Entscheidung"

Stefan Wittke, Pressesprecher der Polizei Hannover, lobt die Ankündigung Hanebuths, sich vom Steintor zurückziehen zu wollen. Die Polizei sei dort für die Sicherheit zuständig.

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Wird es wieder Bandenkriege wie in den 90er-Jahren geben?

Falls Hanebuth seine Ankündigung wahr macht, könnten andere Interessengruppen versuchen in dieses Machtvakuum zu stoßen. "Solche Bereiche sind hart umkämpft", so Ulf Küche. Mit Hanebuths Weggang werde die örtliche Polizei darauf zu achten haben, dass eben keine dritten mehr in diese Bereiche reingehen. Dies sei bereits ein Problem in der Vergangenheit gewesen. Die Polizei Hannover will mit einer hohen Polizeipräsenz verhindern, dass die Kriminalität am Steintor steigt. Gastronomen von der Amüsiermeile äußerten bereits die Befürchtung, es könne wieder ein Kampf verfeindeter Gruppen um das Viertel aufflammen wie vor Frank Hanebuths Einstieg vor gut zehn Jahren. Hannovers Polizei-Sprecher Thorsten Schiewe ist anderer Meinung: "Wir erwarten das nicht. Wir beobachten die Situation natürlich ganz genau. Und sollte es da ansatzweise Informationen geben, dass so ein Szenario droht, so werden wir die geeigneten Mittel finden, um darauf zu reagieren."

WEITERE INFORMATIONEN
Hannovers Hells Angels Chef Frank Hanebuth sitzt am 26.05.2010 in einer Anwaltskanzlei in Hannover, wo die verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und Bandidos ihren Rockerkrieg beilegen. © dpa Fotograf: Jochen Lübke
 

Gewerkschaft zweifelt an Hanebuth-Rückzug

Nachdem "Hells Angels"-Chef Hanebuth seinen Rückzug angekündigt hat, fordert die Gewerkschaft der Polizei die Wirte im hannoverschen Steintor zur Zusammenarbeit auf.mehr

Ausschlaggebend für den geplanten Rückzug des Rockerchefs war Hanebuths Angaben nach der Skandal um den geschassten Polizeipräsidenten Grahl. Dem NDR sagte der "Hells Angels"-Chef: "Ich kann es nicht mehr ertragen - jetzt darf nicht einmal mehr ein Polizist in seiner Freizeit in unseren Läden ein Bier trinken." Hanebuth ist seit 28 Jahren am Steintor aktiv. Die Tatsache, dass sich unter den Mitarbeitern der Sicherheits-und Türsteherfirma "Bodyguard Security" auch Mitglieder der Rockergruppe "Hells Angels" befinden, hatte in Hannover und weit darüber hinaus immer wieder für Diskussionen gesorgt. Frank Hanebuth ist Chef des deutschlandweit wohl mächtigsten Charters der "Hells Angels" in Hannover.

 

Quelle: NDR.de 15.11.2011

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