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Ein Plädoyer für das Hinschauen und Einmischen

26. September 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Literatur | Zeitschriften | Ausstellungen

VON HORST FREIRES

23.08.2011 - 

Missbrauch von Fußball durch Rechtsextremisten – bei Vereinen in den unteren Ligen ist das mittlerweile ein Alltagsproblem.

Warum wird immer wieder der Sport, und hier speziell der Fußball als Spielfeld und Handlungsbühne durch die rechte Szene benutzt? Der preisgekrönte Sportjournalist Ronny Blaschke hat mit seinem Buch „Angriff von Rechtsaußen – wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ versucht, sich dem Phänomen zu nähern. Für Erklärungsmuster lässt er Vertreter aus der rechten Szene selbst zu Wort kommen, konfrontiert aber auch den DFB-Chef Theo Zwanziger, Profis, Sozialwissenschaftler, Verantwortliche aus Fanprojekten, Historiker und den Präsidenten des Zentralrats der Juden mit der Thematik.

In dem Buch findet man anschauliche Fallbeispiele, wie weit das Problem bereits in den Fußballalltag eingedrungen ist, und das überwiegend bei Vereinen in unteren Amateurspielklassen und nicht bei den Profiklubs und höheren Ligen. Schon längst geht es nicht nur noch um den Blick auf Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Auch Homophobie, Chauvinismus, Sexismus gehören unter die sezierende Lupe. Blaschke liefert dabei ein Plädoyer fürs Hinschauen und Einmischen und gegen das Wegsehen und Totschweigen. Vielerorts wird den entsprechenden Umtrieben ausgewichen, weil man um das Image fürchtet. Mit einer guten Portion Diplomatie und dem nötigen Fingerspitzengefühl ist dabei ein offensiver Umgang viel nachhaltiger als die „Mauertaktik“. Auch wenn „Problemfälle“ erörtert werden, ist der Reader keine „Best-Practice“-Lektüre.

Der Sport als Spiegelbild der Gesellschaft

Blaschkes Zusammentragen verdient dennoch allemal eine Fleißnote. Das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, schafft einen guten und glaubwürdigen Überblick, einzelne Exkurse in die Historie liefern dazu eine aufschlussreiche Verständniserweiterung. Insgesamt kommen 25 Kapitel heraus. Da geht es ebenso um die Nationalmannschaft wie um den ehrenamtlich geführten Provinzklub. Zum Sport als Spiegelbild der Gesellschaft bezogen auf die eigene Verantwortung stellt DFB-Präsident Zwanziger klar: „Wenn Sport von Rassisten missbraucht wird, kann der Fußball von der Politik nicht an den Pranger gestellt werden.“

Einen breiten Raum nimmt der Bereich der Prävention vor Ort ein. Die Perspektive ist diesbezüglich nicht unbedingt viel versprechend. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Zuwendungen für Fanprojekte, die ohnehin unterfinanziert sind, weiter gekürzt, handelt es sich hierbei doch um das klassische Feld der so genannten freiwilligen Leistungen. Entscheidungsträger der Politik wollen aber häufig gerade hier ihre klammen Kommunal- und Landeskassen schonen.

Und auch auf Bundesebene hat die Abwicklung der koordinierenden Netzwerkarbeit des Projekts „Am Ball bleiben“ für Kopfschütteln gesorgt. Auf der Fachebene mangelt es dem Vernehmen nach zwar nicht an Diskussionsrunden, doch unterm Strich bleiben meist nur „warme Worte“, wie sich Monika Lazar (Bündnis 90/Grüne) enttäuscht äußert.

Im Anhang sind Internetanlaufstellen aufgeführt sowie eine Literaturliste zusammengestellt.

Ronny Blaschke, Angriff von Rechtsaußen, Göttingen 2011, Verlag Die Werkstatt, 224 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-89533-771-0

Quelle: blick nach rechts 23.09.2011 

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