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Eine Stadt im Griff der Hells Angels

9. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Quelle: DRADIO.de 09.06.2011 · 19:15 Uhr
Mitglied der Rockergruppe Hells Angels (Bild: AP) Mitglied der Rockergruppe Hells Angels (Bild: AP)

Rücksichtslos

Eine Stadt im Griff der Hells Angels

Von Michael Weisfeld

Die Hells Angels sind Rocker und Motorradfahrer, die im niedersächsischen Walsrode eine Hochburg haben. Die Firma GAB-Security stellt dort einen Sicherheitsdienst. Viele der Beschäftigten sind Hells Angels. Denn diese Firma gehört zu einer Hälfte Frank Hanebuth, dem Präsidenten der Hells Angels Hannover und die Mitarbeiter gehen brutal gegen Störenfriede vor.

Die Bürgermeisterin Silke Lorenz ist eine vorsichtige Frau. In die Debatten des vergangenen Jahres hat sie nicht eingegriffen, sich den Fragen von Journalisten sehr selten gestellt. Auch an diesem Dienstag hat sie auswärtige Medien nicht eingeladen, als sie sich mit verschiedenen Vertretern der Stadt am Runden Tisch zusammensetzt, um über ein Problem zu sprechen, das ihre Stadt beschäftigt: der große Einfluss der Hells Angels. Erst am Tag danach gibt es die Möglichkeit mit der parteilosen Bürgermeisterin zu sprechen.

"Der Runde Tisch gestern hatte die Aufgabe, dass Menschen aus Walsrode, denen eine Nähe zu diesen Unternehmen nachgesagt wurde, die Möglichkeit erhalten, sich zu informieren."

Das galt unter anderen für die Arbeiterwohlfahrt, die Spenden von den Hells Angels annimmt und daraus kein Geheimnis macht. Oder für den "Förderverein Stadtmarketing Walsrode", eine Organisation der einheimischen Kaufleute. Der Verein organisiert den "Walsroder Mittwoch".

Das sind Open-Air-Konzerte in der Innenstadt, bei denen Bands und Schlagersänger auftreten. Vor gut einer Woche waren es die "Hells Balls", auf Deutsch "Höllen-Hoden", eine AC/DC - Coverband. Wolfgang Heer, der Schatzmeister der deutschen Hells Angels, richtet einzelne Abende aus. Die Firma GAB-Security stellt den Sicherheitsdienst. Viele der Beschäftigten sind Hells Angels. Denn diese Firma gehört zu einer Hälfte Frank Hanebuth, dem Präsidenten der Hells Angels Hannover, zur anderen Hälfte Wolfgang Heer.

Der besitzt in Walsrode mehrere Betriebe: das Bordell Casanova-Club, das "Colosseum" mit Bowlingbahn und Spielhalle, die Sicherheitsfirma GAB-Security. Das "Sportzentrum Walsrode", wo unter anderen die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Kampfsportarten trainieren. Außerdem noch drei Bordelle in der weiteren Umgebung.

"Und dann habe ich nachgefragt hier bei uns im Rat: Ist es richtig, dass dieser Mann mit der Stadt Geschäftsbeziehungen unterhält, indem er an einem Musikabend, der hier in der Stadt im Sommer immer stattfindet, den Sicherheitsdienst stellt? Ist es richtig, dass wir so etwas zulassen?"

Detlef Gieseke, 60 Jahre alt, Lehrer und Ratsherr der Grünen. Er stellte diese Fragen schon vor einem Jahr. Auf seinem Grundstück wurden zwei Autos demoliert, nachdem die Grünen im vergangenen Herbst eine öffentliche Veranstaltung angekündigt hatten mit dem Titel: "Wie gefährlich sind die Hells Angels? Was ist in Walsrode zu tun?" Damals weigerten sich Stadtrat und Bürgermeisterin, sich öffentlich mit Gieseke solidarisch zu erklären.

"Ich will es mal so sagen: Es sind die drei Affen: Ich sehe nichts, ich höre nichts und deshalb muss ich auch und kann nichts sagen. Man steckt den Kopf in den Sand, man versucht, die Verbindungen hier in der Stadt, die ja offensichtlich viel stärker sind als wir vermutet haben und als wir heute wissen, man versucht die Verbindungen zu Herrn Heer jetzt nicht zu problematisieren, man möchte das verhindern."

In den letzten Wochen hat die Sicherheitsfirma der Hells Angels aber von sich reden gemacht. Der Fußballclub Germania Walsrode, der ebenfalls Spenden der Hells Angels angenommen hat, beauftragte die Firma vor wenigen Wochen, beim Spiel gegen TuS Celle für Sicherheit zu sorgen. Heers Leute seien überhart, auch mit Schlagstöcken und Reizgas, gegen die Celler Fans vorgegangen, sagten Polizeisprecher nach dem Spiel. Es gab mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung.

Zudem ermittelt das Ordnungsamt Walsrode gegen die Firma. Sie soll bei dem Fußballspiel acht Mitarbeiter eingesetzt haben, die sie zuvor nicht beim Ordnungsamt angemeldet hatte. Dazu war sie gesetzlich verpflichtet. Unter den nicht gemeldeten ist ein Mann, der der rechten Szene zugerechnet wird und wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist.

"Nimm die Kamera weg, wir wollen das nicht ..."

Die Kamera-Frau von "TV Celle", einem kleinen Fernsehkanal, der nur im Internet zu empfangen ist, wird mehrmals weggeschubst, aber dreht während der Schlägerei immer weiter. Schließlich stellte sich eine Frau in der Dienstkleidung der Hells-Angels-Sicherheitsfirma vor die Linse.

"Bitte, bitte aufhören!"

Diese Bilder sind im Internet noch zu sehen. Die Bürgermeisterin rät nun zur Vorsicht beim Einsatz der Hells Angels in Sachen Sicherheit.

"Ich würde sehr genau darüber nachdenken, wen ich in diesen Situationen jetzt beauftrage. Und das würde ich auch Germania empfehlen. Wir haben hier Verfahren laufen, da sind Dinge unklar. "

Aber der "Förderverein Stadtmarketing Walsrode", der das Image der Stadt heben soll und mit Geldern der Gemeinde unterstützt wird, hat bei seinem "Walsroder Mittwoch" vor gut einer Woche wieder die schwarz gekleideten, glatzköpfigen Muskelmänner eingesetzt. Die Bürgermeisterin empört sich darüber nicht. Ob man dem Verein die Steuergelder streichen kann? Ein solcher Antrag sei bei ihr noch nicht eingegangen, antwortet sie. Und auf die Frage, ob sie nicht als Bürgermeisterin an die Vereine der Stadt appellieren will, keine Spenden der Hells Angels mehr anzunehmen, sagt sie:

"Ich muss erstmal überlegen, darf ich überlegen?
Die Frage der Spenden ist eine Frage, die jeder für sich entscheiden muss. Das muss jeder Verein für sich tun."


Detlef Gieseke, der grüne Ratsherr, hat beim Runden Tisch in dieser Woche jedoch/immerhin eine Nachdenklichkeit bemerkt, wie noch nie zuvor in den Debatten des vergangenen Jahres.

"Es gibt jetzt die ersten Stimmen aus der SPD und der Kirche, die zur Vorsicht mahnen. In der Stadt sind es immer mehr Menschen, die das Problembewusstsein haben. Ich fühle mich nicht mehr allein als Rufer in der Wüste, sondern jetzt mehr unterstützt von einzelnen Teilen der Gesellschaft. "

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