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EKD-Ratsvorsitzender Schneider: In Afghanistan herrscht Krieg

5. April 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antimilitarismus

 Kirchen/Bundeswehr/Afghanistan

EKD-Ratsvorsitzender Schneider: In Afghanistan herrscht Krieg

Hamburg/Hannover (epd). Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sieht die Rechtfertigung für den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan schwinden und fordert eine Abzugsperspektive. "Der Konflikt in Afghanistan ist aus dem Ruder gelaufen", sagte Schneider dem "Hamburger Abendblatt" (Sonnabendausgabe). Der rheinische Präses nannte die Legitimation des Einsatzes "äußerst brüchig": "Und wir laufen Gefahr, dass der Einsatz völlig seine Legitimation verliert."

"Wenn es die Politik nicht deutlich sagt, dann sagen wir es als Kirche: Was in Afghanistan passiert, ist Krieg", sagte Schneider. Der oberste Repräsentant von 25 Millionen Protestanten in Deutschland schloss sich damit der Kritik seiner Ende Februar wegen Alkohols am Steuer zurückgetretenen Amtsvorgängerin Margot Käßmann an, die in Interviews und Predigten zum Jahreswechsel den deutschen Einsatz am Hindukusch infrage gestellt und damit teils heftige Kritik geerntet hatte. Insbesondere der Satz "Nichts ist gut in Afghanistan" stieß in der Politik vielfach auf Widerspruch.

"Dieser Satz war zugespitzt und hat eine wichtige Wirkung entfaltet. Insofern war er gut", sagte Schneider. "Wir müssen aufräumen mit der Selbsttäuschung unserer Gesellschaft, die die Bundeswehr lange als besseres Technisches Hilfswerk gesehen hat, die Brücken baut, Brunnen bohrt und Wasserleitungen legt", verlangte er. Tatsächlich gehe es darum, den zivilen Wiederaufbau militärisch zu sichern. "Dabei wird man beschossen, man schießt zurück, und man tötet Menschen", sagte Schneider.

Deutschland dürfe nicht "zu so etwas wie einem langjährigen Besatzer" werden, forderte der Theologe: "Es gibt einen entscheidenden Impuls der USA für eine Exit-Strategie. In deren Windschatten muss sich auch für uns eine Abzugsperspektive ergeben."

epd lnb bas mig

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Evangelischer Pressedienst (epd), Landesdienst Niedersachsen-Bremen, Knochenhauerstr. 38/40, 30159 Hannover

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