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Endlich Ermittlungen gegen HellsAngels-Sicherheitsfirma

27. Mai 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

  • 26.05.2011    taz online

Ermittlungen gegen Sicherheitsfirma

Gegendruck für Höllenengel

Wegen gewalttätiger Mitarbeiter ermittelt die Heidestadt Walsrode gegen eine örtliche Sicherheitsfirma. Sie gehört zum Firmengeflecht eines Hells-Angels-Funktionärs und angesehenen Bürgers. VON MICHAEL WEISFELD

Hängen wohl auch bei den Besitzern der GAB Security im Schrank: Kutten der Hells Angels. Foto: dpa

WALSRODE taz | Beim Bezirksliga-Fußballspiel Germania Walsrode gegen TuS Celle am 29. April gab es Randale: Im Walsroder Stadion gingen Spielfeldbanden zu Bruch, Fans wurden verletzt. Hinterher gingen Strafanzeigen wegen Körperverletzung ein - auch gegen Mitarbeiter der GAB Security GmbH. Diese Sicherheitsfirma hatte der Germania-Vorstand engagiert, obwohl auch Polizeikräfte im Stadion bereitstanden. Polizei-Einsatzleiterin Eva Peukert sagte nach dem Spiel, die privaten Sicherheitsleute hätten überhart reagiert.

Jetzt setzt das Walsroder Ordnungsamt nach. Es hat Ermittlungen gegen die Sicherheitsfirma aufgenommen. Sie soll bei dem Fußballspiel acht Mitarbeiter eingesetzt haben, die sie nicht zuvor beim Ordnungsamt angemeldet hatte, darunter einen Mann, der der rechten Szene zugerechnet wird und wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist.


Sein Foto in der Walsroder Zeitung brachte den Stein ins Rollen. Es zeigt ihn in der Dienstkleidung der GAB beim Einsatz im Stadion. Stadträte fragten bei der Bürgermeisterin Silke Lorenz (parteilos) an, ob es rechtens sei, dass dieser Mann in der Stadt für Sicherheit sorge.

Hells Angels im Norden

Der Club sorgt in Norddeutschland regelmäßig für Schlagzeilen.

Bekanntester Kopf der Hells Angels ist "President" Frank Hanebuth, der als "König" von Hannovers Rotlichtviertel Steintor gilt.

Verboten hat das Kieler Innenministerium 2010 den Verein der Regionalgruppe Flensburg.

Vor Gericht steht in Kiel eine 21-Jährige, die den Bruder eines Mitglieds der Rocker-Konkurrenz Bandidos in einen Hinterhalt gelockt haben soll, wo er mit Schüssen schwer verletzt wurde.

Ihren "Rockerkrieg" beendet haben Angels und Bandidos 2010.

Verboten hat die Bremer Polizei eine für Samstag geplante Ausfahrt der Hells Angels wegen erwarteter Ordnungswidrigkeiten.

Rechtlicher Hintergrund ist ein Paragraf der "Gewerbeordnung für das Wach- und Sicherheitsgewerbe", der von Führungspersonal wie Einsatzkräften der privaten Sicherheitsbranche "Zuverlässigkeit" verlangt. Von den Aufsichtsbehörden - in der Regel sind das die Ordnungsämter der Gemeinden - wird das so interpretiert, dass keine vorbestraften Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen.

GAB Security ist nicht irgendeine Firma. Eine Hälfte gehört Frank Hanebuth, dem Präsidenten der Hells Angels in Hannover, die andere Hälfte Wolfgang Heer, einem begüterten Geschäftsmann aus Walsrode. Als Schatzmeister ist er für die Finanzen der Hells Angels in Deutschland zuständig. Die Hells Angels stehen bei deutschen und europäischen Polizeibehörden unter dem Verdacht der organisierten Kriminalität.

In Walsrode führt Heer zusammen mit seinem Sohn Michel ein Bordell, eine Bowlingbahn mit Spielhalle sowie das "Sportzentrum Walsrode". Unterrichtet werden dort Bodybuilding und Kampfsportarten, wie Boxen, Kick Thai, Taekwondo und Krav-Maga, eine vom israelischen Mossad entwickelte Technik. In Heers Sportzentrum trainieren auch die Mitarbeiter seiner GAB Security. Unter ihnen sind nach nach Angaben Heers und des Landeskriminalamts Niedersachsen auch Mitglieder der Hells Angels. Sie versehen Türsteherdienste bei Bordellen und Diskos, sind aber auch bei Dorffesten für die Sicherheit zuständig. Laut Handelsregister gehören zu den Geschäftsfeldern außerdem Detektivdienste, Observationen oder der Handel mit Schutzhunden. Es darf aber bezweifelt werden, ob dahinter wirkliche Tätigkeiten stehen. Als sicher gilt unter Kriminalisten, dass bei Kämpfen der Hells Angels mit konkurrierenden Rockerclubs wie den Mongols oder den Bandidos den trainierten Sicherheitsleuten eine wichtige Rolle zukommt.

Geschäftsführer der GAB Security ist weder Wolfgang Heer noch Mitinhaber Frank Hanebuth, denn beide sind vorbestraft. Heers 26-jähriger Sohn Michel bekleidet diesen Posten.

Wolfgang Heer hält in Walsrode eine bisher unerschütterte Position. Man weiß, dass er sein Geld mit Prostitution verdient, hält ihm aber zugute, dass er Vereine und bedürftige Menschen mit großzügigen Spenden bedenkt. Das letzte Strafverfahren gegen ihn wegen Menschenhandels und Förderung der Prostitution endete vor zehn Jahren mit einer Bewährungsstrafe.

Heers Firmengruppe beschäftigt in Walsrode etwa 110 Leute. Das sagte er auf einer Veranstaltung der Grünen im November 2010 mit dem Titel: "Wie gefährlich sind die Hells Angels? Was ist in Walsrode zu tun?" Es zeigte sich an diesem Abend, dass der joviale und selbstbewusste Hells-Angels-Anführer im Publikum viele Anhänger hatte, während die Initiative der Grünen bei den anderen Parteien, bei Ratsherren und Geschäftsleuten auf taube Ohren stieß. Die Ermittlungen des Ordnungsamts gegen GAB Security könnten nun eine Trendwende einleiten.

 

Behörden haben Hells Angels zu lange gewähren lassen

Zivilcourage ist gefragt

KOMMENTAR VON JAN KAHLCKE     26.5.11

Man weiß gar nicht, worüber man mehr staunen soll: Darüber, dass eine kleine Kommune wie Walsrode sich - wenn auch zaghaft - mit den Hells Angels anlegt, oder darüber, dass die Rocker auf dem platten Land überhaupt eine solche Machtposition erreicht haben.

Die Hells Angels sind heutzutage eine Art Firmen-Konsortium. Sie engagieren sich in Branchen, von denen seriöse Unternehmer lieber die Finger lassen: Menschenhandel, Prostitution, Schutzgeld, "Sicherheit". Aus den testosteronstrotzenden Outlaws von einst sind wohlsituierte Geschäftsmänner geworden, die wie Mafia-Paten mit Wohltaten um sich schmeißen. Ihren Furcht einflößenden Rocker-Habitus pflegen sie als eine Art Selbstzitat, mit dem sich immer noch mehr oder weniger subtil signalisieren lässt: Leg dich nicht mit uns an.


In Niedersachsen haben die Behörden sich daran viel zu lange gehalten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Männer von Frank Hanebuth ganze Stadtviertel von Hannover kontrollieren - und der "President" selbst verkehrt in den höchsten Kreisen. Deshalb ist es dringend nötig, dass sich die Zivilgesellschaft gegen die bislang sakrosankten Engel wehrt, wie es die Grünen in Walsrode mutig tun. Erst wenn niemand mehr die Almosen aus den schmutzigen Geschäften nimmt, geraten die Behörden unter Druck, den Geschäftemachern das Handwerk zu legen.

 


  • 27.05.2011 12:40 Uhr:

    von Toby:

    Solange der Chef dieser kriminellen Vereinigung und unser ex-Bundeskanzler sich von der selben Anwaltskanzlei vertreten lassen, ohne daß das irgendjemand anrüchig findet, braucht der örtliche Tierschutzverein aber ziemlich viel Zivilcourage um den freundlichen Scheck der "wohlsituierten" Herren abzulehnen.
    Nebenbei. Haben Sie mal neben so einem wohlsituierten Herrn auf der Hantelbank gelegen? Was das Testosteron angeht, sind die noch mindestens genau so gruselig, wie einst im Mai.
    Wenn da die Zivilcourage der Anständigen nicht ganz, aber auch wirklich ganz ungeheuer viel Rückendeckung von der uniformierten Staatsmacht bekommt, ist da nicht viel zu wollen. Und da kann man sich natürlich fragen, wie man beispielsweise von einem Polizeihauptkommissar erwarten soll, daß er Chuzpe zeigt und von einem SEKler, daß er sich umnieten läßt, wenn der kuttentragende Obermafiosi, dessen truppe sie ausräuchern müßten, vom Bürgermeister vor den Pressekameras den Handschlag übt.
    Vielleicht sollte man mit Dienst- und strafrechtlichen Verfahren gegen Politiker und hohe Beamte beginnen. Oder findet sich kein Tatbestandsmerkmal, welches für diese die Geschäftemacherei mit kriminellen Vereinigungen verbieten sollte?
    Nein.
    Natürlich nicht.
    Blöde Frage.

  • 27.05.2011 12:10 Uhr:

    von Rolf:

    Hallo, wenn deratige Berichet geschrieben werden stellt sich die Frage wo wir leben.
    In einem Rechtsstaat wie Deutschland ist klar geregelt was eine Straftat ist und was nicht.Also wenn die Besagten Hells Angels, wie im Bericht so schön vorverurteilt beschrieben, Menschenhandel, Prostitution und sonstige Straftaten betreiben,
    werden Sie von der Justiz belangt und wenn Schuldig
    dann auch Verurteilt. Es ist doch ein schäbiges Verhalten wenn in Berichten wie diesem, der schönen Schlagzeile wegen, eine Berichterstattung stattfindet die einem Rechtsstaat nicht würdig ist. Es wird eine Meinungsbild geschaffen das freie Menschen als Kriminell darstellt.
    Um keinen falschen Eindruck zu erwecken ich bin weder für noch gegen die Personen die als Hells Angels leben, sondern nur für eine frei und selbstbestimmte Lebensweise, die leider in Deutschland immer mehr verloren geht.
    Rolf Mack

  • 27.05.2011 09:25 Uhr:

    von Dirk:

    Ich frage mich ob Ihr keine andren Probleme habt?
    Mal ehrlich, die Polizei hat vor den Bones MC es nicht fertig gebracht, das viertel zu beruhigen.
    Gut es mag ja sein, das es auch nicht seriöse Praktiken bei einigen Vereins Mitglieder gibt, aber ansonsten ist nicht jeder ein Ganove wie es anscheinend die linke darstellt. Und nein ich bin kein Rechter, ich wähle schon immer SPD. Der Verein macht nur was er am besten kann, sich auf Minderheiten einlassen und verstehen, hierdurch weniger Übergriffe zb. bei Diskotheken durch unsere Südländischen Gästen.
    Ich kann nur nicht Verstehen wie man über die legalen Geschäfte herziehen kann. Was wollt Ihr nun? Wenn ich so sehe wie sich unsere Politiker gegenüber der Wirtschaft verhalten, dann sehe ich da kein großen unterschied zum Klub.

  • 27.05.2011 08:27 Uhr:

    von Hatem:

    Warum liest man in der taz eigentlich so wenig über die Mongols/Miri-Connection in Bremen?

    Die Miris und ihr (momentan verbotener) Mongols-Club bilden in Bremen inzwischen so eine Art Prallelmacht. Drei Tage vor den Wahlen wurden die Mongols noch schnell verboten, nachdem insbesondere die Justiz dem Treiben jahrelang kein Ende gesetzt hat.

    Wie kommt es, dass z.B. ein Miri mit 147 (sic!) Strafverfahren auf freiem Fuß ist?

    Bitte taz, da gibt es viel Stoff zum Recherchieren!

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