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"Es hätte schlimm ausgehen können"

17. Dezember 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Brandanschläge auf Häuser von Neonazi-Gegnern

Auf zwei Häuser haben Unbekannte im Landkreis Celle in der Nacht zu Donnerstag einen Brandanschlag verübt. Eines davon ist das Haus eines Pastors in Unterlüß. Wilfried Manneke engagiert sich seit Jahren gegen die Aktivitäten von Rechtsextremisten in der Region um Eschede. Auch im zweiten Haus in Faßberg wohnt ein Paar, dass sich gegen Neonazis einsetzt. Zusammen mit Manneke gehören sie zu den Organisatoren einer Demonstration gegen ein Neonazi-Treffen in Eschede am kommenden Wochenende. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Versuche gegeben, Wilfried Manneke einzuschüchtern. "Ich habe schon einiges erlebt, aber noch keinen Molotowcocktail", sagte der Pastor.

"Es hätte schlimm ausgehen können"

An beiden Häusern haben die Anschläge keinen großen Sachschaden hinterlassen. Der Pastor ist sich sicher: Der Brandsatz sollte vor dem Gebäude landen. Aber er hätte auch durch ein Fenster geworfen werden können. "Es hätte schlimm ausgehen können." Er lebt dort mit seiner Frau und seinen Kindern.

Auch der Landesbischof geht von Rechtsextremismus aus

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister verurteilte die Anschläge scharf: "Drohgebärden dieser Art erschüttern jedes Gemeinwesen und sind deshalb völlig inakzeptabel." Meister betrachtet es als wichtige Aufgabe, "unsere Sinne gegenüber jeder Form von menschenverachtender Ideologie und Gewalt zu schärfen". Auch er vermutet rechtsextremistische Hintergründe zu der Tat. Der feige Anschlag in Unterlüß habe bewusst Menschenleben aufs Spiel gesetzt und stelle eine Provokation für alle dar, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren, erklärte die Landeskirche Hannover.

"Ich muss einfach damit leben"

An der Wand des Pfarrhauses zeugen deutliche Brandspuren von dem nächtlichen Angriff. Die hatte die Pastorenfamilie am Morgen entdeckt, als sie das Haus verlassen wollte. "Der Vorfall löst schon ein beklemmendes Gefühl aus", sagte der Pfarrer. Doch als Bedrohung empfinde er ihn nicht.
Es ist auch nicht der erste Anschlag, den der Pastor in den vergangenen zehn Jahren erlebt hat. Und es werde auch noch weitere geben, glaubt er. "Ich muss einfach damit leben." Der Geistliche hatte in der Vergangenheit schon "Besuch" von Neonazis, die lauthals rechtsextremistische Parolen riefen. Außerdem wurden Hakenkreuze an die Kirchentür geschmiert. Wer den Brandsatz geworfen hat, ist noch unklar. Bislang hat sich noch niemand dazu bekannt. Die Polizei ermittelt. Und auch der Staatsschutz hat sich eingeschaltet, "weil wir einen politischen Hintergrund nicht ausschließen können", erklärt Guido Koch, Sprecher der Polizei Celle. Allerdings werde auch nicht nur in eine Richtung ermittelt.

Pastor engagiert sich seit vielen Jahren

Wilfried Manneke setzt sich seit Jahren unter anderem gegen Sonnwendfeiern von Neonazis auf dem Hof eines rechtsextremen Landwirts in der Nachbargemeinde Eschede ein. Für die Demonstration gegen Rechtsextremismus hat Manneke sich stark engagiert und zur Teilnahme aufgerufen. Sein Name stand in diesem Zusammenhang auch in der Zeitung. "Es ist ja bekannt, dass Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, auch schnell bedroht und eingeschüchtert werden", sagt Manneke, der sich von solchen Aktionen allerdings nicht von seinem Engagement abbringen lassen will. Im Gegenteil: Er geht davon aus, dass zur Demonstration mehr Menschen kommen als sonst.

 

Schmierereien in der Nachbargemeinde

 
Erst vor rund zwei Wochen hatte es rechtsextreme Übergriffe in der Nachbargemeinde Hermannsburg gegeben. Neonazis beschmierten die Schaufenster mehrerer Geschäfte mit einschlägigen Parolen. Auch sogenannte Stolpersteine, mit denen an die Opfer des Hitler-Regimes erinnert wird, wurden von den bislang unbekannten Tätern verschmutzt. Die Polizei werde auf mögliche Parallelen achten, teilte Polizeisprecher Koch mit. Dass Rechtsextreme gerade zu einem Zeitpunkt zuschlagen, da die Mordserien der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle bekannt geworden sind, findet Manneke "unfassbar und schlichtweg beschämend".
 

Jetzt erst recht!

Aufruf zur Demonstration

am Sa. 17.12.2011, Beginn 14.00 Uhr am Bahnhof Eschede

Gemeinsam gegen die Nazitreffen in Eschede – Für Demokratie und Menschenrechte

Alle, die sich unter diesem Motto wiederfinden können, sind willkommen!
Seit Jahren finden in Eschede Treffen von Neonazis unterschiedlichster Couleur statt. Die mehrmals im Jahr stattfindenden Sonnwendfeiern haben leider schon Tradition. Diese als Brauchtumsfeiern daherkommenden Treffen dienen der norddeutschen Naziszene als sinnstiftende, Gemeinschaft fördernde Zusammenkünfte. Es werden Kontakte geknüpft und gepflegt, Termine und Aktionen abgestimmt, aber auch gefeiert. Das Ganze ist alles andere als harmlos. Die Ideologie der Nazis ist menschenverachtend und absolut nicht zu tolerieren. Auf diese Treffen nicht zu reagieren kommt einem Tolerieren gleich. Dort, wo die Nazis ungestört sind, machen sie sich breit, sie nutzen die Möglichkeit, um neue junge Leute in ihre rechte Weltanschauung und ihr Nazilebensgefühl einzubinden. Durch regelmäßige gemeinsame Naziaktivitäten – ungestört wie hier in Eschede, aber auch öffentliche, wie die ständigen Naziaufmärsche – verfestigt sich die Szene.
Wir wollen den Nazis deutlich zeigen, dass wir ihr Treiben nicht tolerieren!


Buntes Haus e.V.
selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum Celle

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