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Eschede 17.12.11 -- Rede von Pastor J.Schnare / ev. Landeskirche

17. Dezember 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Rede Pastor Jürgen Schnare / Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" in der ev.luth. Landeskirche Hannover   bei der Demo gegen Nazis 17.12.11 in Eschede

 

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Ansprache Eschede, 17.12.2011

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Es ist noch gar nicht so lange her, da hielten Politiker in unserem Land das Thema Neo-Nazis und ihre Aktivitäten für überbewertet. Solche regelmäßigen Proteste wie hier in Eschede wurden hinterfragt: „Ihr gebt denen doch erst die Publicity, die sie brauchen. Außerdem: Die bleiben doch unter sich, sollen sie doch ihre komischen Rituale abhalten.“

Erst das Bekanntwerden der neonazistischen Mordserie,  die unter den Augen der anscheinend blinden Strafverfolger eine Blutspur durch unser Land zog, hat eine merkwürdige Hektik ausgelöst. Nun überstürzen sich die Ereignisse, nun will man das nachholen, was versäumt wurde.

Wie sähe die Bilanz erst aus, wenn es nicht überall Netzwerke gäbe, die ihre Stimme erheben und den Protest lebendig erhalten? Wo wären wir, wenn nicht Bürgerinnen und Bürger wie hier auf die Straße gingen und Gesicht zeigen gegen Rechtsextremismus und Rassismus?

Und das wirkt, das bleibt nicht ohne Reaktion! Die feigen Anschläge in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember sollen Angst machen. Da ist es wichtig, dass wir Solidarität zeigen und zusammenstehen, dass wir jetzt erst recht auf die Straße gehen. Wir laden alle ein gegen ein Weltbild zu protestieren, das menschenverachtend ist und das unheilvoll genug gewirkt hat in der deutschen Geschichte! Wir laden alle ein, ihre Stimme zu erheben, wenn unter dem Deckmantel der Brauchtumspflege eine schreckliche Tradition fortgeführt wird. Rechtsextremistisches Denken und rechtsextremistisches Handeln dürfen keinen Platz haben in unserer Gesellschaft!  Dabei werden wir uns mit allen gesellschaftlichen Kräften zusammentun, die wie wir gewaltfrei dasselbe Ziel verfolgen!

Das Parlament der evangelischen Landeskirche, die Landessynode hat vor wenigen Wochen erklärt:

„Für Christinnen und Christen ist der Protest gegen Rechtsextremismus – und antidemokratische Einstellungen – eine unabweisbare Verpflichtung. Sie ergibt sich aus der Überzeugung, dass alle Menschen Gottes geliebte Kinder sind. Christinnen und Christen setzen sich daher für Demokratie und Menschenwürde ein.

Die Landessynode der hannoverschen Landeskirche ermutigt alle Bürger unseres Landes, sich friedlich, aber mit Nachdruck gegen menschenfeindliche und rechtsextreme Ideologien und Aktivitäten zu wenden.“

Genau das tun wir mit unseren Protesten  gegen die dauernd wiederkehrenden Aktivitäten der Rechtsextremen auf dem Hof Nahtz. Und das tun wir auch, wenn wir immer wieder an den Mord an Peter Deutschmann hier Eschede erinnern, bei dem die Täter aus diesem Milieu kamen. Eine Tat, die nicht in Vergessenheit geraten darf, auch wenn das nicht alle so sehen.

Angesichts der jüngsten Brandanschläge, denen ja vielfältige Aktivitäten vorausgingen, u. a. die Schmierereien in Hermannsburg,  hat der evangelische Landesbischof Meister gesagt:

„Für Christinnen und Christen gilt: Unser Kreuz hat keine Haken. Darum wurde in der Landeskirche 2010 die Initiative „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Wenige Tage vor Weihnachten werden wir an den Friedensauftrag erinnert, der vom Kind in der Krippe ausgeht. Es ist und bleibt unsere Aufgabe, unsere Sinne gegenüber jeder Form von menschenverachtender Ideologie und Gewalt zu schärfen und uns an der friedensstiftenden Kraft des Evangeliums zu orientieren.“

Das nehmen wir auf und erheben heute unsere Stimme. Wer die Weihnachtsbotschaft ernst nimmt, muss sagen: Es gibt keinen Platz für Rechtsextremismus und Rassismus in diesem Land! Wir werden das überall sagen, wo wir darauf stoßen.

Ernsthafte Christinnen und Christen freuen sich über jeden, der umkehrt und den falschen Weg verlässt. Dass so etwas möglich ist, auch dafür ist Eschede ein Zeichen. Wir hoffen und beten, dass viele Neo-Nazis zur Einsicht kommen und so handeln!

Aber solange der Rechtsextremismus seine Vertreter hat in diesem Land, solange Neo-Nazis Hetze betreiben, ihre Parolen brüllen, die Geschichte verfälschen und Angst verbreiten, solange muss und wird es hoffentlich auch Leute geben, die dagegen protestieren!

Jürgen Schnare, IKDR (Hannover)

www.ikdr-hannover.de


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