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Familie starb in Auschwitz

16. Januar 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Historisches

 VON SILVIA ZÖLLER, 16.01.11, 19:44h, aktualisiert 16.01.11, 20:05h Quelle: MZ-WEB.de

Max Schwab
Der Hallenser Max Schwab berichtete im Juridicum als Zeitzeuge, um Studenten auf ein internationales Seminar in Auschwitz vorzubereiten. (FOTO: LUTZ WINKLER)
HALLE (SAALE)/MZ. Sein Vater, ein wohlhabender jüdischer Viehhändler aus Halle, wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Sein Onkel in einem belgischen Lager. Weitere Verwandte starben während der Deportation, in Auschwitz oder anderen Vernichtungslagern. "In meiner Familie gab es fünfzehn Opfer, die in Konzentrationslagern starben", berichtete der 78-jährige Max Schwab vor Jura-Studenten.

Nur durch die nach 1945 für ungültig erklärte Scheidung - die christlich getaufte Mutter war aus Liebe zum Judentum konvertiert - retteten die Eltern das Leben von Max Schwab und seinem Zwillingsbruder Günther.

Das Zeitzeugengespräch mit Max Schwab, ehemaliger Geologieprofessor in Halle, war Teil eines Wochenend-Seminars im Juridicum: Dabei bereiteten sich Jura-Studenten auf eine Exkursion nach Auschwitz vor. Juristische und geschichtliche Fragen standen dabei ebenso auf dem Programm wie der Vortrag von Schwab.

Nicht zum ersten Mal organisiert die juristische Fakultät ein einwöchiges internationales Seminar in Auschwitz: Gemeinsam mit Studenten der Universität Passau und der Universität Krakau gab es bereits 2006 und 2009 ähnliche Exkursionen; am 31. Januar ist es wieder so weit. Dabei soll die juristische Dimension der Ermordung, Enteignung und Verfolgung während er Nazi-Zeit beleuchtet werden, erläutert der Organisator, Jura-Professor Armin Höland.

Hatte die bunt gemischte Seminargruppe zuvor noch lebhaft über die vorhergehenden Referate diskutiert, so herrschte bei dem Bericht von Schwab eine bleierne Stille. Eindrücklich schilderte der 78-Jährige, der das letzte überlebende Mitglied der jüdischen Gemeinde in Halle von vor 1945 ist, wie die Nationalsozialisten seine Familie zerstörten. Bereits die Reichspogromnacht 1938 läutete für seinen Vater Julius Schwab das Ende ein: Dessen zuvor florierender Viehhandel wurde boykottiert. Julius Schwab, Vorstandsmitglied in der damals rund 1 000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde, wurde Ende 1938 verhaftet. Die Nazis deportierten ihn im September 1942 nach Auschwitz.

"Für mich und meinen Bruder war es eine Lebensversicherung, dass wir im April 1944 zu Mischlingen ersten Grades erklärt wurden", sagte Schwab. Denn diese waren von der Deportation frei gestellt. Die Schule durften er und sein 1997 gestorbener Bruder dennoch nicht besuchen - sie wurden zu Hause unterrichtet. Auf Anordnung der Nazis sollten die beiden Jungen im April 1945 christlich getauft werden - doch der Einmarsch der Amerikaner verhinderte dies.

Beeindruckt von dieser Lebensgeschichte und dem Seminar waren die angehenden Rechtswissenschaftler. "Auch wir haben eine Verantwortung aufgrund der Verbrechen, die Juristen geduldet haben", sagte Manuel Gietzelt. "Es ist auch eine Verantwortung für die Demokratie und eine freiheitliche Gesellschaft", so der 21-Jährige. Die 22-jährige Nele Lahrmann dagegen hofft, in Auschwitz das Unbegreifliche verstehen zu können: "Wir jungen Leute haben keine Schuld, aber eine Verantwortung, dass so etwas nie wieder passiert."

 


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