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Geburtstagsfeier mit „Rahmenprogramm“ 600 Neonazis bei Rechtsrock-Konzert auf dem Nahtz-Hof in Eschede – die Polizei führt scharfe Kontrollen durch.

23. August 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

21. 8.10 in Eschede  -  von Andrea Röpke   www.bnr.de

Geburtstagsfeier mit „Rahmenprogramm“

600 Neonazis bei Rechtsrock-Konzert auf dem Nahtz-Hof in Eschede – die Polizei führt scharfe Kontrollen durch.

Es gab bereits Jugend-Zeltlager einer inzwischen verbotenen
Organisation, rituelle Erntefeste und Sonnenwendfeiern, Arbeitseinsätze
und kleinere Neonazi-Feiern auf dem Gelände des NPD-Bauern Joachim Nahtz
in Eschede. Jetzt fand auf dem abgelegenen Gelände am Finkenberg ein
Rechtsrock-Konzert mit fast 600 einschlägigen Gästen aus dem gesamten
Bundesgebiet, Schweden, Großbritannien und der Schweiz statt.

Die „Hier kommt der Winter“-Party des mehrfach verurteilten Mindener
Neonazis Marcus Winter war als Geburtstagsfeier mit „musikalischem
Rahmenprogramm“ angekündigt, die internen Einladungen kursierten auch im
Internet. Angekündigt waren sieben Bands, darunter unter anderem die
„Fight Tonight“-Nachfolgeband „Strongside“ aus Sachsen-Anhalt, „Oidoxie“
aus Dortmund, „12 Golden Years“ aus Thüringen und „Sturmwehr“ aus
Gelsenkirchen.
Gegendemonstration wurde untersagt

In Eschede finden seit Jahren ungestört Neonazi-Veranstaltungen auf dem
Privatgelände der Nahtz’ statt. Eine Gegendemonstration war im Vorfeld
des Konzertes untersagt worden. Rund 25 Bündnis gegen Rechts-Anhänger
demonstrierten am letzten Samstag spontan vor Ort. Sie konnten ihr
Transparent allerdings nur kurz und in 200 Meter Entfernung entrollen.
Die Polizei hatte eine Zugangsstraße gesperrt und eine weitere zur
Einbahnstraße umfunktioniert. So mussten alle ankommenden Fahrzeuge aus
Richtung Autobahn Hamburg durch die Kontrollen. Zwei Journalisten wurden
inmitten eines anreisenden Neonazi-Konvois bedroht. Lüneburger
Heide-Touristen und Einheimische saßen ängstlich in ihren Autos, während
alkoholisierte Glatzköpfe draußen standen, ihre Schuhe ausziehen und
sich abtasten lassen mussten.

Der überwiegende Teil der anreisenden Gäste waren Neonazi-Skinheads,
darunter auch viele Ältere. Sie kamen teilweise von weit her, unter
anderem aus Tauberbischofsheim, Regensburg, Lauf, Erfurt oder Heilbronn.
Zahlreiche Männer und Frauen waren aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg
angereist. Auf ihren Shirts standen Sprüche wie „Rocking the Reds 18
Apolda“, „Troublecrew Ansbach“, „Fucking Racist 100 % White“,
„Bruderschaft Lübeck“ oder „New World Order“. Die Polizeikontrollen
gegenüber den Neonazis waren penibel und zeigten sich für viele Gäste
als zeitaufwändig. Mehrmals erschien der aufgeregte Organisator Winter
an der Straße, um anreisende Bandmitglieder und die Brauerei mit der
Zapfanlage einzuweisen.
„Öffentlicher Charakter“ der Veranstaltung

Fahrzeuge wurden durchsucht, alle Personen „per EDV abgecheckt“, wie es
vonseiten der Polizeieinsatzleitung hieß. Zuvor hatte Kreisdezernent
Michael Cordioli aus Celle das Gelände mit Zelten, Imbissständen und
Getränkeausschank inspiziert und sogar den „öffentlichen Charakter“ der
Veranstaltung festgestellt. „Da hilft es auch nichts, dass Frau Nahtz
letzte Woche Geburtstag hatte“, ergänzt ein Escheder Bündnismitglied,
„diese Feier ist eindeutig öffentlich“. Auflagen im Rahmen des Bau-,
Lebensmittel und Gewerberechts wurden kontrolliert und beanstandet. Nach
einer zweiten Kontrolle am Abend stellte Cordioli keine einwandfreie
Behebung der Mängel fest und kündigte ein Bußgeld an.

Die Polizei leitete wegen des Verwendens von Kennzeichen
verfassungswidriger Organisationen zwei Ermittlungsverfahren ein, eine
Kiste mit CDs wurde versiegelt und bei zwei Gästen wurden Verstöße gegen
das Waffengesetz festgestellt. „Die Behörden meckerten ständig“
beschwert sich später einer der Organisatoren im Neonazi-Forum Thiazi.
Erntefest mit den „Düütschen Deerns“

Besonders entsetzt zeigten sich Mitglieder vom Forum gegen Gewalt und
Rechtsextremismus darüber, dass immer mehr einheimische Jugendliche an
den Veranstaltungen auf dem Nahtz-Hof teilnehmen. Eine Familie in
Szenekleidung schlich mit ihren halbwüchsigen Kindern durch den Wald zum
Festplatz, berichteten Anwohner. Zudem befürchten Neonazi-Gegner, dass
die Einnahmequelle Konzerte die Organisatoren zu weiteren
Veranstaltungen in Eschede verlocken könnte.

Ihrem strategischen Vorhaben, eine „nationale Gegenkultur“ auch in
Niedersachsen zu schaffen, sind die Neonazis trotz bestehendem
„Konzert-Erlass“ der Landesregierung einen Schritt entgegengekommen. In
wenigen Wochen findet bereits die nächste braune Feier dort statt.
„Düütsche Deerns“ und regionale Kameradschaften haben zum Erntefest geladen.

23. 08. 2010 - Andrea Röpke

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