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Grossburgwedel: “Deutsche Täter sind keine Opfer!”

15. November 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Am heutigen Sonntag, dem sogennanten Volkstrauertag, wurde in Grossburgwedel bei Hannover ein Denkmal für die “Opfern von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft von 1933-1945″ eingeweiht. Selten wird die Verdrehung der Geschichte so offen und schamlos inszeniert wie an diesem Tag im Speckgürtel von Hannover.
Denn in erster Linie sind damit die toten Soldaten aus der Stadt gemeint, die als Angehörige der Nazi-Wehrmacht einen imperialistischen Krieg führten und nicht die zahlreichen dokumentierten Fälle in denen Menschen aus rassistischen und antisemitischen Gründen getötet und deportiert wurden.

Doch nicht nur Wehrmachtssoldaten sind die Lieblings”opfer” in Grossburgwedel. Auch die Namen von mindestens fünf SS-Angehörigen und einem Mitglied des Sicherheitsdienstes (SD) stehen auf dem Denkmal.

Nach Interventionen u.a. von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover, wurden diese Namen notdürftig mit Klebeband unkenntlich gemacht.
In Burgwedel verhindert in erster Linie die CDU/FDP Mehrheit im Stadtrat eine weitere Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt von 1933 bis ‘45 und die Erinnerung an die tatsächlichen Opfer der Nazis.
Dies scheint nicht zu verwundern, ist doch der Oberbürgermeister Vorstandsmitglied der “General Wöhler Stiftung”, deren Namenspatron 1948 in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt wurde.

Exkurs Volkstrauertag:
Seit 1952 findet in der BRD jedes Jahr, der sogenannte Volkstrauertag statt. Dieser Feiertag soll dazu dienen den Toten beider Weltkriege zu gedenken: den Deutschen, aber auch deren GegnerInnen. Wie kaum ein anderer Gedenktag öffnet dieses Datum der Verdrehung der Geschichte und der Verkehrung von Tätern zu Opfern Tür und Tor.
Besonders, da heute immer öfter den “Opfern” der DDR gedacht wird, verwischen zunehmend Grenzen. Der NS-verharmlosende Vergleich von DDR und Drittem Reich scheint perfekt. Durch die Vermischung verschiedener wirklicher und vermeintlicher Opfergruppen und Zeitepochen verschwinden Ursache und Wirkung von Krieg und Massenmord in NS-Deutschland. Deutschland kann sich unverblümt als Opfer inszenieren und setzt die Ermordeten der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern in eine Reihe mit denen, die diesen Horror verwirklichten.
So auch in Grossburgwedel, wenn kein Problem darin gesehen wird, Wehrmachtssoldaten und NS-Opfern, WiderstandskämpferInnen und Bundeswehrsoldaten in einer Veranstaltung zu gedenken.

AntifaschistInnen verteilten vor Ort Flugblätter, die mit mit folgenden Worten endeten:

Wir verstehen uns in der Tradition des antifaschistischen Widerstands gegen den deutschen Faschismus. Wir sind heute hier um gegen die Gleichsetzung von TäterInnen und Opfern zu protestieren. Wir gedenken nicht der deutschen Täter. Wir gedenken der Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuellen, aber auch der unzähligen Kommunistinnen und Kommunisten, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten und bekennenden Christinnen und Christen, die gegen den faschistischen Terror kämpfend, ihr Leben lassen mussten.
Wir gedenken den Soldatinnen und Soldaten der Anti-Hitler-Koalition sowie der PartisanInnen und Partisanen, die im Kampf für die Befreiung Europas ums Leben kamen.

Gedenken heisst antifaschistisch kämpfen – hier und heute!

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