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HamS-online.de 18.12.11 -- Kirche entläßt engagierten Flüchtlingsberater

18. Dezember 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kirche


Die Harke am Sonntag HamS-online.de 18.12.11

» Lokalnachrichten

Peter Jilani fristlos entlassen

Nach Vorwürfen im Mordfall Souzan trennt sich die Kirche von ihrem Flüchtlingsberater
 
Der Kir­chen­kreis Stol­zenau-Loc­cum hat sei­nen Flücht­lings­be­ra­ter Pe­ter Jilani Frei­tag­mor­gen nach den Äuße­run­gen we­gen des Mor­des an der 13-jäh­ri­gen Souzan an die Luft ge­setzt.
Stol­zenau. Pe­ter Jilani (63) sitzt auf der Straße: Der Flücht­lings­be­ra­ter des Dia­ko­ni­schen Wer­kes er­hielt Frei­tag­mor­gen die frist­lose Kün­di­gung. Nach In­for­ma­tio­nen der Harke wird dem ge­bür­ti­gen Pa­ki­sta­ner ein Ver­stoß ge­gen das Schwei­ge­ge­bot vor­ge­wor­fen.
Jila­ni, der am Mon­tag 64 Jahre alt wird, lebt seit 32 Jah­ren in Deutsch­land. Seit 20 Jah­ren ar­bei­tet er als Flücht­lings­be­ra­ter der Dia­ko­nie im Kir­chen­kreis Stol­zenau-Loc­cum. Jilani ist seit ver­gan­ge­ner Wo­che sei­tens der Kir­che und der Ni­en­bur­ger Kreis­ver­wal­tung we­gen sei­ner Äuße­rung zum Mord­fall der 13-jäh­ri­gen Souzan aus Ni­en­burg-Hol­torf mas­siv in die Kri­tik ge­ra­ten. Auch die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Se­bas­tian Eda­thy (SPD) und Katja Keul (Grü­ne) mach­ten in der Harke ih­ren Un­mut ü­ber Jila­nis Äuße­run­gen deut­lich.
­Souzan war am Mon­tag ver­gan­ge­ner Wo­che von ih­rem Va­ter, dem Ira­ker Ali Ba­ra­kat (35) nach ei­nem ge­schei­ter­ten Ver­söh­nungs­ge­spräch in Stol­zenau auf of­fe­ner Straße vor den Au­gen der Mut­ter (34) er­schos­sen wor­den.
Jilani hatte die Fa­mi­lie be­treut. Dem Land­kreis warf er vor, die 13-Jäh­rige aus der Fa­mi­lie ge­nom­men zu ha­ben. Das sei ein Feh­ler ge­we­sen. Statt des­sen hätte eine Fa­mi­li­en­pfle­ge­rin ein­ge­setzt wer­den sol­len. Ge­genü­ber den Behör­den soll Souzan als Grund für ihre Ab­kehr von ih­rer Fa­mi­lie ge­nannt ha­ben, dass sie vom Va­ter ver­prü­gelt werde und zu Hause auf die klei­ne­ren Brü­der auf­pas­sen müs­se. Außer­dem dürfe sie sich nicht ver­ab­re­den und nicht in die Stadt ge­hen. Jilani wirft dem Kreis auch vor, dass sie den El­tern die Er­zie­hungs­be­rech­ti­gung für ihre Toch­ter ent­zie­hen wollte – nur we­nige Tage vor der Tat. „Das war wohl der berühmte letzte Trop­fen, der das Fass zum Ü­ber­lau­fen ge­bracht hat”, sagte Jilani ver­gan­gene Wo­che in ei­nem Harke-Ge­spräch.
Jilani ar­bei­tete auch einen Tag in der Wo­che für den Kir­chen­kreis Ni­en­burg. Des­sen Su­per­in­ten­dent Mar­tin Lech­ler Frei­tag auf An­frage der Harke zur Kün­di­gung: „Das ist ein schwe­ben­des Ver­fah­ren. Ich äußere mich dazu nicht. Das liegt in der Hand des Kir­chen­kreis­vor­stands Stol­zenau.” Des­sen Vor­sit­zende ist Su­per­in­ten­den­tin Dr. In­grid Gold­hahn-Mül­ler. Von ihr war am Frei­tag keine Stel­lung­nahme zu be­kom­men. Der Harke sagte sie al­ler­dings ver­gan­gene Wo­che nach Jila­nis Äuße­rung: Ein mög­li­cher Ver­stoß ge­gen das Schwei­ge­ge­bot und das „ei­gen­mäch­tige Han­deln ohne Ein­be­zug der Dienst­vor­ge­setz­ten” müsse ge­prüft wer­den.
Jila­nis Kün­di­gung sorgte am Frei­tag bei Mi­gran­ten für Bestür­zung. „Wir sind tief trau­rig. Pe­ter Jilani wurde kurz vor Weih­nach­ten von der Kir­che ohne Geld auf die Straße ge­setz­t”, mailte Ra­sit Kahraman aus Reh­burg-Loc­cum der Har­ke. „Er hat sich im­mer und ohne Un­ter­schied für die Sor­gen der Men­schen ein­ge­setzt. Nun wird es ein trau­ri­ges Weih­nach­ten, für viele Men­schen aus al­ler Welt in der Re­gion von Stol­zenau und für die Fa­mi­lie von Pe­ter Jila­ni. Er hat einen Feh­ler ge­macht und sich bei der Kir­che ent­schul­digt. Wir ap­pel­lie­ren – auch als Chris­ten, als Mus­lime und An­ders­gläu­bige – an die Kir­che, ihn wie­der auf­zu­neh­men. Wir brau­chen Pe­ter Jilani und seine Hilfe als Kir­chen­kreis-Mit­ar­bei­ter beim Dia­ko­ni­schen Werk.”
Ra­sit Kahraman kün­digte an, Un­ter­schrif­ten ge­gen die Kün­di­gung zu sam­meln.
­Der Kurde Ha­sit Ak­bas (37) aus Ni­en­burg sagte am Frei­tag der Har­ke: „Als ich vor fast 18 Jah­ren aus der Tür­kei nach Ni­en­burg kam, war Pe­ter Jilani der erste Men­sch, der mir ge­hol­fen hat. Die Hil­fe, die er mir ge­ge­ben hat, ist un­be­schreib­lich. Jetzt in der Weih­nachts­zeit sei­nen Job zu ver­lie­ren, tut weh. Ich weiß nicht, um was es geht und was er ge­sagt hat, aber je­der Mensch kann einen Feh­ler ma­chen. Er hat so vie­len Men­schen ge­hol­fen, egal aus wel­chem Land sie ka­men, wel­chen Glau­ben sie ha­ben, er hat eben al­len ge­hol­fen.”
vom 18.12.2011 | Ausgabe-Nr. 51

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