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Quelle: Hannoversche-Allgemeine-Zeitung online 23.06.2010

23. Juni 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bahn-Nahverkehr

Mit Fanfaren für Bahnhofserhalt

Demonstration gegen Abkoppelung von der Heidebahn

Ländliche Tradition zu Besuch in der Stadt: Mit Spielmannszug und historischem Feuerwehrauto haben am Mittwoch mehr als 200 Bewohner der Dörfer Eickeloh und Hademstorf in Hannover gegen ihre Abkoppelung von der Heidebahn protestiert.


Spielmannszug kämpft für Bahnhöfe in der Heide: Am Mittwoch zogen 200 Demonstranten durch Hannover, um bei Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) ihren Protest gegen die Schließung kundzutun.

Spielmannszug kämpft für Bahnhöfe in der Heide: Am Mittwoch zogen 200 Demonstranten durch Hannover, um bei Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) ihren Protest gegen die Schließung kundzutun.

© Daniel Kunzfeld

Durch die Fußgängerzone zogen sie zum Verkehrsministerium von Jörg Bode (FDP), um mit ihm über die Zukunft des Nahverkehrs auf dem Land zu diskutieren. Angereist waren die Demonstranten aus dem Kreis Soltau-Fallingbostel direkt auf dem Schienenweg – „letzte Eisenbahn“, denn nach den Plänen der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) werden beide Haltestellen nächsten Montag für immer geschlossen.

Hintergrund ist die Modernisierung der Heidebahn zwischen Hannover und Hamburg. Um die Fahrtzeit zu verkürzen, soll zwischen Schwarmstedt und Hodenhagen niemand mehr einsteigen dürfen. „Für die an Werktagen 70 Fahrgäste in Hademstorf und Eickeloh ist das schade“, sagt LNVG-Sprecher Rainer Peters. „Dagegen steht aber eine Fahrtzeitverkürzung von bis zu 15 Minuten zwischen Schwarmstedt und Soltau.“ Die Gemeinden Hademstorf und Eickeloh mit je rund 800 Einwohnern wollen das so nicht gelten lassen, sie kämpfen seit Bekanntwerden der Schließungspläne 2005. „Auch die Einwohner der kleinen Orte haben ein Recht auf Mobilität“, sagt Hademstorfs Bürgermeisterin Ulrike Wiechmann-Wrede – die meisten Nahverkehrsnutzer bewegten sich als Pendler und Schüler ohnehin nur auf kürzeren Abschnitten der eingleisigen Strecke. Der Eickeloher Rat mit Bürgermeisterin Julia Rühmkorf an der Spitze schlägt nun „Bedarfshaltepunkte“ vor: Wer einsteigen will, könnte dem Zugführer über einen Schalter am Bahnhof ein Signal geben.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn hält Bedarfshaltestellen, die es in Niedersachsen bisher nirgends gibt, für eine Möglichkeit, die Bewegungsfreiheit auf dem Land zu erhöhen. Regionalsprecher Sascha Zastrow berichtet von guten Erfahrungen in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich: „Nach Bedarf halten die Züge an Schulen oder auch in Wandergebieten.“ Zumindest bis die zur Privatisierung ausgeschriebene Heidebahn in vielleicht zwei Jahren mit neuen Triebwagen die angestrebten 120 Kilometer pro Stunde erreiche, könne dies auch für Hademstorf und Eickeloh eine Lösung sein. Die Schließung hält der Pro-Bahn-Sprecher für einen „Treppenwitz“. Wie schon auf anderen wenig rentablen Strecken habe die Bahn Fahrgäste „im Vorfeld vergrault“: Indem seit Jahren viele Heidebahn-Züge ohne Halt durch Hademstorf und Eickeloh rauschten, seien potenzielle Bahnnutzer abgeschreckt worden – nun werde mit der geringen Zahl von Ein- und Aussteigenden die Schließung begründet. Bei dem vom Landkreis Soltau-Fallingbostel zugesagten Ersatz mit Bussen und Ruftaxis bestehe die Gefahr, dass sie wegen des Zeit- und Planungsaufwandes kaum genutzt und wieder eingestellt würden.

Minister Bode zeigte sich von der „kreativen Dorfgemeinschaft“ beeindruckt und machte der Delegation neue Hoffnung. „Wir werden den Bedarfshalt nochmal intensiv prüfen“, meinte er. Tambourmajorin Silvia Rosebrock schwang den Stab zum Fanfarenmarsch. „Wir waren als Spielmannszug oft mit dem Zug unterwegs“, sagte die 33-Jährige. „Vor allem denken wir beim Kampf um den Bahnhof an unsere Kinder.“

[Gabriele Schulte]


 

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