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Harte Kante gegen Rocker der "Hells Angels"

1. Oktober 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

 

Hessens Innenminister Boris Rhein verbietet zwei Frankfurter Ableger der Hells Angels. Zu diesen wurden ihm gute Kontakte nachgesagt

Rundgang im Rotlichtmilieu bescherte CDU-Politiker den Vorwurf, zu enge Kontakte zu Bordellbetreibern zu pflegen


Was flotte, plastische Anmerkungen angeht, macht Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) so schnell keiner was vor. Bei einer Podiumsdiskussion befragt, warum die Polizei nicht schärfer gegen Straßenprostituierte am Frankfurter Bahnhof einschreite, verwies der redegewandte 39-Jährige vor einigen Monaten auf das Problem, die leichten Mädchen zu überführen.

"Wir müssen sie dreimal in flagranti erwischen, um sie anzuzeigen. Dass sie am Straßenrand stehen, ist nun mal nicht verboten. Auch ich kann mich den ganzen Tag halb nackt an die Elbestraße stellen. Auch nicht verboten." Doch der joviale Umgang mit dem Reizthema Prostitution wurde dem Politiker jüngst fast zum Verhängnis. Es kam zu einem Skandälchen, das sich um einen Rundgang Rheins rankte, den dieser noch als Staatssekretär des Inneren durch das Rotlichtviertel gemacht hatte.

Der "Spiegel" präsentierte sogar den Vorwurf, der Minister kungle mit den Hells Angels, die Frankfurts Bordellszene kontrollieren und angeblich allein am Bahnhof mit einschlägigen Etablissements Millionen verdienen. Gemutmaßt wurde zudem, Rhein zögere wegen guter Kontakte zur Rockerwelt ein seit Wochen vorgeschlagenes Vereinsverbot der Höllenengel hinaus.

Zwar glaubte sogar die sonst so kämpferische Landtagsopposition nicht, dass an den Vorwürfen irgendetwas dran war. Dennoch dürfte das Affärchen, in dem es auch um Polizeispitzel und Abhöraktionen ging, die Entscheidung beflügelt haben: Rhein hat nun genau dieses Verbot sehr deutlich ausgesprochen. Die Hells-Angels-Ableger Frankfurt und Westend sind Geschichte, ihre Konten eingefroren, Schilder wie "Angel Palace" an den Klubheimen entfernt. Eine Ersatzorganisation dürfen die Mitglieder in Frankfurt ebenfalls nicht gründen. Vorsorglich betonte Rhein allerdings, das Verbot sei von "langer Hand" vorbereitet worden. Ein Zusammenhang zu Medienberichten bestehe nicht.

"Im Zentrum ihrer Tätigkeit stehen Drogenhandel, Prostitution und Menschenhandel", begründete der CDU-Politiker in Wiesbaden seinen Schritt. Es sende ein "unmissverständliches Signal, dass "ein Staat im Staat nicht geduldet wird". Die rund 90 Mitglieder starken "Charter" seien geschlossene Gesellschaften, bei denen eine Art Omertá gelte, ein Schweigegebot also. Die Rockerbanden bestünden mitnichten nur aus harmlosen Motorradfahrern.

Die Hessen-Rocker dürfen nun auch ihre Vereinskennzeichen nicht mehr öffentlich verwenden. Vor allem Letzteres hält Rhein offenbar für eine besonders schwere Strafe. "Das Schlimmste für die ist, wenn sie keine Kutte mehr tragen dürfen - dann ist die ganze Räuberromantik weg!", hatte er bei besagter Podiumsdiskussion, die die "Bild"-Zeitung organisiert hatte, gesagt.

Eine Einladung von "Bild" war es auch gewesen, die den Minister in die Bredouille gebracht hatte. Mit einem Reporter des Blattes war Rhein im Frühjahr 2010 durch das Milieu am Bahnhof marschiert, um sich ein Bild zu machen. Schließlich liebäugelt der 39-Jährige, der vor einem Jahr das Innenministeramt von dem heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) übernommen hatte, mit dem Oberbürgermeisterposten von Frankfurt. Bei seiner Tour hatte der CDU-Mann mit Anwohnern und auch Bordellbetreibern gesprochen, darunter offenbar auch Angehörigen der Hells Angels. Das habe er aber nicht gewusst, die Rocker seien nicht erkennbar gewesen, verteidigte sich Rhein später. Sozialdemokraten und Grüne glaubten ihm, doch der "Spiegel" brachte die Geschichte dann trotzdem.

Das Magazin stützte seine Mutmaßungen auf ein Abhörprotokoll der Polizei. Ein belauschtes Mitglied der Rockerbande hatte Rhein gelobt dafür, dass er den Hells Angels beim "Problem mit dene Rumäneweiber hier bei uns uff de Straß" geholfen habe. Rhein sagte dazu später, die Bekämpfung illegaler Straßenprostitution sei eine der Aufgaben der Polizei und des Innenministers. Das könne sich mit den Interessen der Hells Angels decken, weil unliebsame Konkurrenz entsorgt würde. Aber das sei lediglich eine "unschöne und von mir nicht gewollte Nebenwirkung". Brisanter als der Inhalt des Protokolls ist allerdings die Frage, wer es an die Medien gab. Von manchen wird gemutmaßt, dass Vertraute der von Boris Rhein gefeuerten Präsidentin des Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, dahinterstecken könnten.

Rhein hatte ihr mangelhaftes Führungsverhalten vorgeworfen, aus der Ecke Thuraus wurde im Gegenzug der Verdacht laut, die Frau sei geschasst worden, weil sie zu aggressiv nach undichten Stellen in den eigenen Reihen in Zusammenhang mit den Hells Angels ermittelt habe.

Diese gibt es tatsächlich: Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Polizei fünf eigene Beamte als Informanten der Rocker enttarnt. Außerdem soll ein hochrangiger Beamter des Landeskriminalamts (LKA) Polizeiinterna verkauft haben. Und als die Polizeibeamten Ende 2010 zu einer vermeintlich vollkommen überraschenden LKA-Großrazzia anrückten, begrüßte sie in der Frankfurter Dependance der Hells Angels ein überaus freundliches Schild an der Tür: "Willkommen Polizei".

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