Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Heer-Puff unerwünscht - Weserkurier 10.10.2009

10. Oktober 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Weserkurier 10.10.2009

 

Rotlicht

 - 10.10.2009 - 0 Kommentare

Hassendorfer kämpfen gegen Bordell

Von André Fesser

 

Hassendorf. Die Einwohner von Hassendorf machen mobil. Kürzlich wurde bekannt, dass in ihrer Gemeinde ein Bordell entstehen soll. Die Aussichten, die Ansiedlung zu verhindern, stehen schlecht. Dennoch mühen sich Bürger und Verwaltung nach Kräften, die Vergnügungseinrichtung abzuwehren. „Wir sind ein friedliches Dorf“, sagt Bürgermeister Klaus Dreyer.

Die Wurzel des Ärgers ist kaum zu übersehen: "Love-Mobile – Sexy Girls" steht auf dem Schild, das obendrein ein großes rotes Herz ziert. Die Botschaft ist klar – auf dem Gelände eines ehemaligen Gasthofes in Hassendorf bei Sottrum im Kreis Rotenburg, gleich an der B75, kann man Sex kaufen. Zwar steht der Gasthof bislang noch leer, dafür fährt aber täglich eine Dame in einem Wohnmobil mit blickdichten Vorhängen vor – um den Markt zu erkunden, wie Bordell-Betreiber Wolfgang Heer sagt.

Aus Sicht der Hassendorfer dürfte es sogar noch schlimmer kommen. "Ich werde da bald noch einen zweiten Wagen hinstellen", kündigt Heer an. Und Anfang Dezember könnte dann auch schon das Geschäft innerhalb des Gebäudes anlaufen. Wenn er die Anlage gekauft hat, Haus und Gelände aufgeräumt und sauber sind. So wie seine sechs anderen Häuser, die Heer unter anderem in Verden, Achim und Walsrode betreibt.

Schärfste Gegner des Vorhabens sind die Betreiber eines benachbarten Campingplatzes sowie der in der Nähe beheimatete Sportverein TV Hassendorf, mit etwa 500 Mitgliedern eine einflussreiche Größe im Dorf. "Die Leute vom TV haben Angst, dass die Eltern ihre Kinder da nicht mehr hinschicken", sagt Bürgermeister Klaus Dreyer. Er ist Ehrenvorsitzender des TV und sieht sich nach Erhalt einer Liste mit fast 400 Unterschriften unter Handlungsdruck: "Ich habe als Bürgermeister die Pflicht, mich der Sorgen unserer Bürger anzunehmen." Notfalls wolle er sogar das Land einschalten.

Die Verbindung ist gut: Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann ist mit Landessozialministerin Mechthild Ross-Luttmann verheiratet. Man kennt sich also. Die Aussichten auf einen Erfolg der Mission stehen indessen schlecht. Zwar habe das Bauamt die Werbeschilder beanstandet – sie müssten nun abgenommen werden, sagt Klaus Dreyer. Eine wirksame Waffe gegen die Einrichtung eines Bordells haben die Gegner jedoch noch nicht gefunden. Prostitution ist seit einigen Jahren legalisiert.

Wenn Heer aus einer Gaststätte ein Bordell machen möchte, muss er lediglich einen Antrag auf Umnutzung stellen. Hierüber entscheidet dann der Landkreis, die Gemeinde darf nur Stellung nehmen. Den ganzen Aufruhr kann Wolfgang Heer, einst Manager des Schlagerstars Drafi Deutscher, nicht verstehen. Er könnte es, wenn das Objekt in einem Wohngebiet liegen würde. In Hassendorf aber befinde sich das nächste Wohnhaus 200 Meter entfernt. "Ich weiß also nicht, wer sich daran stören könnte", sagt Heer.

Alle seine Mädchen seien angemeldet, alle zahlten Steuern. Der Konflikt um den Puff – ganz ungelegen kommt er ihm nicht. Die Werbung, die er durch die Berichte in Zeitungen, Radio und Fernsehen erhalte, sei unbezahlbar. "Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass mich der Bürgermeister mal anruft, um über eine Lösung zu sprechen." Bürgermeister Dreyer hat ein Fax geschickt – und sich festgelegt: "Wir haben schon seit einem Jahr eine ähnliche Einrichtung im Dorf. Für eine Gemeinde mit 1000 Seelen ist das genug."

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post